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Kleve
Viel Platz für 200 Flüchtlinge

Kleve: Viel Platz für 200 Flüchtlinge
FOTO: Evers Gottfried
Kleve. In der kommenden Woche ziehen die ersten Menschen in die neue Unterbringung der Stadt ein. Das Gelände gehörte früher zur Post. Gestern durften sich die Anwohner ein Bild von der Einrichtung machen. Von Lena Köhnlein

Gespannt laufen die Besucher durch die hellen Räume der ehemaligen Post. Dort wurden in den vergangen Monaten Küchenzeilen, Gemeinschaftsräume und Zimmer mit Hochbetten für maximal acht Personen eingerichtet. Es wird das neue Zuhause von bis zu 200 Menschen: Frauen, Männer und Familien, die nach Deutschland geflüchtet sind. Gestern lud die Verwaltung, Anwohner und städtische Vertreter dazu ein, sich ein Bild von der neue Gemeinschaftseinrichtung für Asylbewerber und Flüchtlinge zu machen.

Bereits nächste Woche ziehen 25 Menschen ein. Ihnen stehen 2270 Quadratmeter zur Verfügung. Bei einer maximalen Belegung hat daher jeder mehr als elf Quadratmeter Nutzfläche. Vorgeschrieben sind lediglich sechs bis acht. Auch die Anwohner Ernst Lamers und seine Frau Ursula sind gekommen, um sich die neuen Räume anzusehen. Ernst Lamers versucht, den Menschen, die dort leben werden, ohne Vorurteile zu begegnen. "Ich war als kleines Kind selbst einmal Flüchtling und war froh, dass uns jemand aufgenommen hat", sagt der 77-Jährige. Das sieht auch Bärbel Janssen so. Sie ist gekommen, um sich zu informieren, wie die Unterbringung geplant ist. "Natürlich macht man sich so seine Gedanken, wenn 200 Menschen in die Nachbarschaft kommen, darunter auch viele junge Männer, da ist man schon vorsichtig - egal ob sie aus Deutschland oder einem anderen Land kommen", sagt die Anwohnerin. Generell sei sie ein offener Mensch und möchte die Flüchtlinge auch auf dem geplanten Willkommensfest kennenlernen. "Wenn alles gut organisiert ist, dann ist auch die Sicherheit gewährleistet", sagt Janssen. Toll findet sie, dass die Stadt die Bürger nicht ausschließe und dass sie die Anwohner eingeladen hat. Auch wenn dieser Einladung nicht sehr viele gefolgt sind. Bürgermeisterin Sonja Northing betont bei ihrer Begrüßung, wie wichtig es sei, transparent vorzugehen, auch um Ängste zu nehmen. So spricht sie mit jedem Besucher, beantwortet Fragen.

FOTO: Evers Gottfried

Dazwischen wuseln die Handwerker. Noch ist nicht alles fertig. Alle Etagen sind mit WLan ausgestattet. "Es ist heute ein wichtiges Kriterium für die Asylbewerber, dass sie Kontakte zu ihren Familien herstellen können", sagt Jürgen Rauer, Technischer Beigeordneter. Wichtig sei auch, die Bewohner zu beschäftigen, etwa durch verschiedene Kurse, die über das Erlernen der Sprache hinausgehen. "Die Menschen müssen tagsüber etwas zu tun haben", sagt Rauer. Für die Sicherheit soll unter anderem ein 24-Stunden-Hausmeisterdienst sorgen, der in den Nachtstunden doppelt besetzt ist und deren Mitglieder besonders geschult sind. "Es ist immer jemand da, der zum einen Ansprechpartner ist, aber auch sofort eingreifen kann", sagt Rauer.

Mostafa Mohamed ist einer von sechs Hausmeistern. Der 28-Jährige kam aus Ägypten nach Deutschland und spricht Englisch, Arabisch, Deutsch, Russisch und Polnisch. Erfahrungen hat er schon, denn zuvor hat er in Emmerich in einem Heim gearbeitet. Vor allem als Übersetzer und Auskunftgeber ist er bei den Flüchtlingen beliebt. "Meistens werde ich gefragt, wann denn die Familien nachkommen können, wie lange noch der Asylbewerber-Antrag dauert oder wo es arabische Lebensmittel zu kaufen gibt", sagt er.

FOTO: Evers Gottfried
Quelle: RP
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