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Kreis Kleve
Viele Gesichter der Barmherzigkeit

Kreis Kleve. Drei Vorträge haben viele Denkanstöße bei der jüngsten Vollversammlung des Kreiskomitees der Katholiken im Kevelaerer Priesterhaus gegeben. Der Aufruf, sich mit dem Thema zu beschäftigen, stammt von Papst Franziskus. Von Christian Breuer

Ob arme oder alte, einsame Menschen, ob Kranke oder Obdachlose: Auf sie macht das Heilige Jahr der Barmherzigkeit aufmerksam. Ausgerufen von Papst Franziskus, hat es am 8. Dezember 2015 begonnen. Auf ihrer Vollversammlung haben sich die Mitglieder des Kreiskomitees der Katholiken im Kreisdekanat Kleve mit der Frage beschäftigt, wie sie Barmherzigkeit konkret leben können.

In drei Vorträgen erfuhren sie im Kevelaerer Priesterhaus, dass Barmherzigkeit viele unterschiedliche Gesichter und Geschichten haben kann.

So berichtete Gudrun Blumenkemper, die in der Flüchtlingsberatung des Caritaszentrums Kevelaer-Weeze arbeitet, von ihren Erfahrungen mit den Asylbewerbern. Eindringlich schilderte sie die Probleme, die auf die Flüchtlinge in Deutschland warten, und die lange Zeit der Ungewissheit, bis überhaupt über einen Asylantrag entschieden wird.

"Barmherzigkeit bedeutet für mich Augenhöhe mit allen Menschen", sagte sie. "Jeder hat ganz viel zu geben, auch wenn es zunächst nicht so scheint." Der Ansatz, den sie und die anderen Helfer verfolgen, sei die Hilfe zur Selbsthilfe, erklärte Blumenkemper. In den Kirchengemeinden könne viel getan werden, um mit den Menschen in Berührung zu kommen.

"Nehmen Sie Kontakt zu Flüchtlings-Koordinatoren auf, übernehmen Sie Patenschaften, organisieren Sie Treffpunkte. Gerade Kirchengemeinden mit ihren Räumlichkeiten bieten eine große Ressource", sagte sie den Mitgliedern des Kreiskomitees, dem Vertreter vieler katholischer Verbände und Pfarrgemeinderäte angehören. Und noch einen Appell richtete sie an ihre Zuhörer: "Bitte entkräften Sie Stammtischparolen, begegnen Sie den Flüchtlingen offen und auf Augenhöhe."

Friedhelm Appel, Pastoralreferent in Geldern, forderte in seinem Vortrag die Kirchenmitglieder dazu auf, stärker auf andere Menschen zuzugehen. "Vieles, was wir anbieten und was wir für richtig halten, ist anderen Menschen fremd", sagte Appel. "Wir müssen da hingehen, wo sich das Leben abspielt, und uns die Zeit dafür nehmen." Die Christen gehörten "dahin, wo die Menschen sind, denen das Leben übel mitgespielt hat, die vielleicht nur schwer lesen und schreiben können, die sich in Versammlungen nur hinten in die Ecke setzen und sich nicht trauen, etwas zu fragen", sagte Appel eindringlich.

Die Katholiken müssten sich die Frage stellen, warum sich die Kirche von diesen Menschen entfernt habe. Dabei könnte man an "vielen kleinen Stellschrauben drehen", gerade in der Gemeindearbeit vor Ort. Es reiche allerdings nicht, das nur zu sagen. "Wir müssen Bequemlichkeiten aufgeben und losgehen, wir müssen uns bewegen, auch wenn das weh tut", sagte Appel eindringlich. Auch Jesus sei nicht so oft in der Synagoge, sondern viel mehr bei den Menschen auf der Straße gewesen. Aus solch einer Haltung könnten sich "wunderbare Projekte in unseren Gemeinden und Verbänden entwickeln", erklärte Appel, der zuletzt warnte: "Entweder, wir gehen raus - oder wir werden ganz klein."

Schwester Marlies Mauer schließlich berichtete von ihren Erfahrungen als Seelsorgerin im Kevelaerer Marienhospital. "Ich habe gelernt, die Menschen so anzunehmen, wie sie sind", sagte die Clemensschwester, "viele kommen, die weder einen Schlafanzug noch ein Nachthemd haben." Dennoch sei es wichtig, würdevoll mit diesen Menschen umzugehen. "Wir müssen den Kranken in ihrer Not, Angst und Sorge begegnen", forderte sie die Anwesenden auf. "Man begegnet vielen Menschen, die einsam sind und nicht den Mut haben, neue Kontakte aufzubauen."

Auch um sie könne man sich in der Gemeinde kümmern, zum Beispiel durch den Aufbau von Besuchsdiensten. "Das Thema Barmherzigkeit hat ganz viele Gesichter", sagte Schwester Marlies, "es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen Würde zu geben und ihnen einen Weg aufzuzeichnen, wie sie weiter leben können."

Quelle: RP
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