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Kleve
Vier goldene Kartoffeln für gute Kunst

Kleve: Vier goldene Kartoffeln für gute Kunst
Ulrike Scholder, Jens Gebauer, Veronika Fass,Peter Nijenhuis, Christa Hahn und Elisabeth Schink (v.l.) bei der Preisvergabe. FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kleve. Der Kunstpreis des Projektraum-Bahnhof25 geht an Christa Hahn und Veronika Fass zu gleichen Teilen. Als Preis bekommen sie neben der obligatorischen goldenen Kartoffel eine Einzelausstellung. Von Matthias Grass

Er dreht sich schnell, der Kreisel, zieht elegante Kurven, bis er, langsamer in der Drehung werdend, zu torkeln beginnt, um schließlich, wie müde, zu kippen. Dann beginnt das Spiel von vorn. Es ist ein bauchiger, roter Holzkreisel, der über weiß lackierten Bodendielen seine Endlos-Schleife in einem Video dreht. Immer wieder von vorn, vielleicht auch Sinnbild des Lebens. Christa Hahn aus Mönchengladbach schuf das Video vom Kreisel auf den Bodendielen, das die Jury für den Kunstpreis des Projektraums im Rahmen des niederrhein-weiten Projektes "In der Ebene" auf den ersten Platz hob - zusammen mit der als Ausdruck gezeigten Idee von einem aus Kartoffelkeimen gewebten Teppich. Ein Teppich des Lebens sozusagen, den Veronika Fass schuf.

Preise und Zaungäste zur Verleihung des Kartoffelpreises. FOTO: Gottfried Evers

Eine spannende Arbeit: Der Prozess des Keimens und Wachsens in der Natur reizt Fass an dieser Arbeit. In Wiesbaden reckten sechs Zentner gekeimte Kartoffeln ihre filigranen Spitzen in hellgelb, rosa und dunkelviolett aus 440 Litern dunkelbrauner Erde zur Stuckdecke eines Ausstellungssaales empor, andere Keime legten sich im Innenhof zu einem Teppich. So, wie Fass ihn zum Kartoffelpreis einreichte.

"Ohne Kartoffeln wären Marx und Engels verhungert", konstatierte der Arnheimer Ausstellungs-Kurator Peter Nijenhuis, Juror beim ersten Preis des Kunstvereins Projektraum-Bahnhof25 in seiner Rede über die Preisträger. Die Knolle sei kulturell mit unserem Alltag verbunden - und finde sich in den meisten der von über 70 Künstlern eingereichten Werke wieder. Man habe in einer fünfstündigen Sitzung schließlich die Arbeiten zum Thema "Das Leben ist eine Kartoffel" begutachtet, habe debattiert und gestritten. Und letztlich die Lösung gefunden: In den beiden ersten Preisen für Christa Hahn und Veronika Fass, die damit auch die ersten Preisträger des Kunstvereins überhaupt sind. Elisabeth Schink und Ulrike Scholder vom Projektraum überreichten an die beiden Künstlerinnen symbolisch die auf Holz und Filz befestigte goldene Kartoffel und verkündeten den beiden, dass sie eine finanziell unterstützte Ausstellung im Projektraum bekommen werden.

Die Räume des Projektraums waren am frühen Samstagabend zum Bersten voll, als Nijenhuis und sein Mitjuror, Prof. Jens Gebauer, Leiter des Klimahauses der Hochschule Rhein-Waal, die Gewinner bekannt gaben. Die dritte im Bunde der Jury, Susanne Figner vom Museum Kurhaus, war in Paris. Bis auf die Straßen standen die Gäste und schauten durch die großen Fenster in die beiden Räume.

Ein Preis, dem auch - nicht nur mit Blick auf die Auswirkungen der Knolle für Marx und Engels - ein guter Schuss Ironie innewohnte: Für den dritten Preis gab's einen Sack Kartoffeln, für den zweiten Preisträger neben einer Teekanne eine Flasche Wodka. Den bekamen auch die Juroren für ihre Arbeit - schließlich ist der berüchtigte Schnaps ein Produkt aus der Kartoffel. Die Kunst dagegen blieb ernst: Der Teppich des Lebens aus den Keimen ebenso, wie der in seiner Konzentriertheit und Einfachheit bestechende Kreisel.

Der zweite Preis ging an Reinhold Engberding, der als Bildhauer häkelt oder weggeworfene, gefundene Kleidung verwendet. So auch im Projektraum, wo die zusammengerollten Kleidungstücke, die er während eines Stipendiums in Dallas/USA sammelte, wusch und dann zum Objekt machte, wie Knollen an der Wand hingen. Der dritte Preis ging schließlich an die Kartoffel-Gesichter von Dietmar Wehr. "Gemeinsam alt werden", so der Titel der Arbeit, die die Gesichter im Zeitraffer mit den schrumpelnden Kartoffeln altern lässt.

Quelle: RP
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