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Kreis Kleve
Von alten und neuen Brütern

Kreis Kleve: Von alten und neuen Brütern
Einst Feindbild der Anti-Atomkraft-Bewegung, heute Teil eines Freizeitparkes – der zu einer Kletterwand umfunktionierte Kühlturm des "schnellen Brüters". FOTO: priv
Kreis Kleve. Früher war das kleine Dorf Zentrum der Anti-Atomkraft-Bewegung. Heute lebt in Hönnepel neben den rund 950 Einwohnern auch ein Storchenpaar mit Nachwuchs. Ein Ergebnis der bürgerlichen Eigeninitiative. Von Michael Verfürden

Natürlich wäre es übertrieben, bei einem so kleinen Dorf wie Hönnepel von einer Skyline zu sprechen. Aber würde man es doch tun, so könnte man sagen, dass sie vor allem von dem Kühlturm des "schnellen Brüters" definiert wird. Inmitten von Deichen und Wiesen ragt der 45 Meter hohe Betonriese in den Himmel empor und erinnert an eine Zeit, in der die gesamte Bundesrepublik die Augen auf den 950-Seelen-Ort richtete.

In den 70er Jahren war Hönnepel Zentrum der Anti-Atomkraft-Bewegung. 30 000 Kernkraftgegner schlossen sich dort damals zusammen, um gegen das Kraftwerk zu demonstrieren – und hatten Erfolg. Der "schnelle Brüter", dessen Bau mehr als sieben Milliarden Deutsche Mark verschlungen hatte, ging letztlich nie ans Netz. Da der Abriss des Werkes aus Kostengründen nicht infrage kam, bot man das Gebäude kurzerhand per Zeitungsannonce zum Verkauf an – mit mäßigem Erfolg, denn Rückmeldungen blieben zunächst aus.

Als niemand mehr mit einem Käufer rechnete, besuchte der niederländische Investor Hennie van der Most das Dorf. Norbert van de Sand, damals Vorsitzender des Planungsauschusses, stellte den Kontakt her: "Er kam eigentlich, um etwas bei einem Antiquitätenhändler zu kaufen, verließ unser Dorf dann aber mit dem Brüter als Eigentum" – und verwandelte die Investitionsruine in einen Freizeitpark. Hönnepel auf diesen Teil seiner Geschichte zu reduzieren, wäre allerdings nicht richtig.

Das Besondere am Dorf sei der Zusammenhalt unter den Bürgern, sagt van de Sand, der heute Ortsvertreter im Kalkarer Rat ist. "Das hat man auch vor vier Jahren gesehen, als wir das Ritter-Elbert-Zentrum renoviert haben." Benannt nach dem Mann, der 1438 dafür sorgte, dass Hönnepel selbstständige Pfarrgemeinde wurde, dient das Gemeindezentrum heute den Vereinen als Heim. "Da steckt richtig viel Men-Power drin. Alle haben an einem Strang gezogen", sagt van de Sand. Ein Jahr später organisierten die Vereine gemeinsam ein Ritterfest, bei dem auch die mittelalterliche Geschichte des alten Dorfes dargestellt wurde. Auch das sei ein Beispiel der guten Zusammenarbeit gewesen, so der Ortsvertreter.

Würde Hönnepel nicht gemeinsam mit Wissel und Grieth zur Kirchengemeinde St. Clement gehören, gäbe es im nächsten Jahr Grund zu feiern, denn dann wäre das Dorf 575 Jahre lang eigenständige Pfarrgemeinde. "Das ist natürlich ein kleiner Wermutstropfen, aber es hätte schlimmer kommen können. Wir sind froh, dass wir so ein gewisses Maß an Selbstständigkeit bewahren", sagt van de Sand.

Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt war die Ansiedlung des Storchenpaars "Anton" und "Antonia". Zum zehnjährigen Bestehen des St. Antonius-Skatclubs wollten die Vereinsmitglieder etwas "ganz Besonderes" auf die Beine stellen, wie van de Sand erzählt. Da kam ihnen die Idee eines Storchenhorsts. Mittlerweile brüten die Vögel zum zweiten Mal in dem Dorf. In Anlehnung an den erfolgreichen und kreisbesten Fußballverein, dem SV Hönnepel/Niedermörmter (Oberliga), wurde der jüngste Nachwuchs auf den Namen Höni getauft.

(RP/ac)
 
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