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Kleve
Von der Flebb hat man einen guten Blick

Kleve: Von der Flebb hat man einen guten Blick
Ludwig Rohbock/Julius Umbach: Blick auf Kleve von der Flebb. Stahlstich (1854), abgebildet in Heft 40 "Rund um den Schwanenturm" FOTO: Rund um den Schwanenturm
Kleve. Die 40. Ausgabe von "Rund um den Schwanenturm" - Zeitschrift des Klevischen Vereins für Kultur und Geschichte ist erschienen. In dem knapp 50 Seiten starken Heft geht es um Ansichten, Reiseberichte und Erinnerungen. Von Matthias Grass

Weil Kleve so schön war, schwelgten vor allem im 19. Jahrhundert die Maler und Zeichner in Ansichten der Perle vom Niederrhein. Die Stadt auf der Höh' mit den Türmen von Burg und Kirche. Wilhelm Diedenhofen hat für die neue Ausgabe von "Rund um den Schwanenturm" nur eine der vielen Möglichkeiten ausgewählt, auf die Stadt zu schauen: von der "Flebb" aus. Das ist eine Stelle unterhalb des ehemaligen Gutes Montebello, die viele, viele Künstler fasziniert hat: Eine Biegung des Weges - (es ist der alte Fahrweg nach Nimwegen) und die Stadt liegt zu Füßen des Wanderers. Wunderbare Bilder gleich zu Beginn des Heftes - vielleicht hätte Diedenhofen noch den aktuellen Blick hinzufügen sollen, der nur noch über das Feuerwehrgebäude möglich ist.

Selbst Menschen, die 18 Stunden von London entfernt, über Harwich, an der Landstraße in Richtung Schweiz und Italien entlang reisen, ist die kleine Stadt hinter der Grenze einen Stop wert. Das zeigt Rainer Hoymann auf, der einen Reisebericht aus dem "Chelmsford Chronicle" vom 30. Juli 1880 übersetzt hat. Denn: "Bevor man mit dem Zug oder dem Schiff durch die Rheinromantik fährt, lohnt dieses friedliche Spa mit seinen Wassern einen Abstecher" - zumal der Schreiber als Brite auf den Spuren Anne von Cleve wandelte. Er genießt die Aussicht vom Schwanenturm und freut sich, dass man als Tourist in Kleve nicht von Fremdenführern "terrorisiert wird". Grund: Es gibt keine ausgebildeten Fremdenführer. Jedenfalls nicht 1880. Eine schöne, teils amüsante Geschichte.

Das 40. Heft ist für 4,50 Euro im Buchhandel zu erwerben. FOTO: Rund um den Schwanenturm

Gar nicht amüsant, aber ein wichtiges Zeitdokument ist die Erinnerung an Albert Jansen aus Kellen. Wilhelm Diedenhofen erzählt die Geschichte des Kellener Marinesoldaten anhand der Karten, die er während des Ersten Weltkrieges verschickte. Er tat Dienst auf dem Torpedoboot S 60, das in Kiel stationiert war. Jansen schickt Karten von der Schlacht am Skagerrak, der einzigen großen Schlacht zwischen der deutschen und der britischen Flotte, die im Mai 1916 aufeinandertrafen und sich unter großen Verlusten in einer Art Patt wieder trennten.

Doch es sind nicht die Geschichten dieser Schlacht, es ist das trübe vegetieren der Soldaten bei schlechtem Essen: "Liebe Mutter, habe schon Tage trocknes Brot gegessen", schreibt er im Winter 1915. Die Karten, die vorne heroische Schiffe im Schlachtengetümmel zeigen, zeugen von Mangel und Heimweh. Jansen erkrankt an Tuberkulose, stirbt, gerade mal 21 Jahre alt, im Klever St. Antonius Hospital an den Folgen der Krankheit. "In der Kapelle auf dem Alten Friedhof in Kellen bewahrt die goldene Inschrift mit dem Namen der Gefallenen sein Andenken, aber mit falschen Datum", so schließt Diedenhofen den Bericht.

Schön wieder die Gegenüberstellung vom Alten Kleve anhand einer Zeichnung von Johan Smith und dem von heute, dieses Mal die Poortkamer an der Lohstätte. Wiltrud Schnütgens Bilder zeigen überdeutlich, wie viel Kleve durch Krieg und Nachkriegszeit verloren hat. Ebenso überraschend für nicht ganz so alte Klever, dass es noch eine Brücke über den Kermisdal gab.

Alles nachzuschlagen in "Rund um den Schwanenturm" des Klevischen Vereins, im Buchhandel für 4,50 Euro erhältlich.

Quelle: RP
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