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Kleve
Waldstraße: Schäden bei Anwalt schnell bezahlt

Kleve: Waldstraße: Schäden bei Anwalt schnell bezahlt
Der aktuelle von der Stadt Kleve mitgeteilte Termin für die Fertigstellung der Baumaßnahmen an der Waldstraße ist Mai 2017. FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Durch Sanierungsarbeiten sind Häuser beschädigt worden. Während einigen Bürgern unbürokratisch geholfen wird, müssen sich andere gegen Gutachten wehren. Weitere Schadensmeldungen werden folgen. Von Peter Janssen

Risse in Wänden oder Badezimmerkacheln, kaputtgefahrene Einfahrten und demolierte Vorgartenmauern - die seit Juli 2015 andauernde Baumaßnahme an der Waldstraße sorgt bei den Anwohnern weiterhin für reichlich Ärger (die RP berichtete). So verschieden die Schäden sind, so unterschiedlich ist auch deren Regulierung.

Völlig unbürokratisch wurde die Einfahrt von Brigitte Kürvers-Will erneuert. Das Pflaster war durch die Arbeiten abgesackt. Ein Hinweis der Kleverin reichte und eine vorzeigbare Auffahrt war zügig wieder hergestellt. Der historische Bau hinter der Einfahrt beherbergt eine Kanzlei. Wäre es nicht zu der problemlosen Übereinkunft mit der Stadt gekommen, hätte Brigitte Kürvers-Will fachkundige Hilfe im Haus gehabt.

Ebenfalls ohne Probleme einigte sich ein Volljurist. Er hatte drei Risse in zwei Räumen seines Hauses entdeckt. "Der städtische Bauleiter hat einen Blick darauf geworfen und sofort erklärt, ich solle nur einen Kostenvoranschlag einreichen, dann würde bezahlt." Der ehemalige Anwalt beauftragte das Malerunternehmen seines Vertrauens. Über 400 Euro kostete die Ausbesserung. Das Geld hat der Klever bereits auf seinem Konto. Mit der Dienstleistung ist er äußerst zufrieden: "hervorragende Arbeit". Der erste Teil seines Schadens ist damit behoben. Jetzt geht es ihm noch darum, dass seine Bruchsteinmauer vor dem Haus in den Zustand versetzt wird, den sie vor der Baumaßnahme hatte. Aber auch da ist er optimistisch.

Andere Betroffene haben es wesentlich schwerer, an Geld zu kommen, um die Folgen der Bauarbeiten zu beseitigen. Bei zwei älteren Damen im Alter von 83 und 78 Jahren stand plötzlich ein Gutachter im Flur. Für die verursachten Schäden, die wesentlich gravierender sind als etwa die bei dem Juristen, sollen laut Gutachten Summen von 200 und 400 Euro angemessen sein. Die Stadt erklärt, dass bei größeren angezeigten Mängeln ein Gutachter hinzugezogen werden müsse. Der könne in der Regel zweifelsfrei feststellen, ob es sich um ältere Beschädigungen handele. Bei der 83-Jährige sind Risse zwischen Treppe und Wand entstanden, in denen Finger verschwinden. Wie klar der Gutachter diese Schäden beurteilen kann, wird am Ende der Expertise deutlich. Drei Mal taucht hier das Wort "möglicherweise" und zwei Mal "wahrscheinlich" auf. Bei der 78-Jährigen ist eine Fliesenreihe im Bad von oben bis unten gerissen. Erschütterungen durch Tiefbauarbeiten seien dafür nicht verantwortlich, so das Gutachten. Die Frau ist ratlos und beteuert: "Das ist eine Schande. Ich melde mich doch nicht, wenn die Fliesen schon vorher kaputt gewesen wären." Die Damen fühlen sich von der Stadt ungerecht behandelt. Bei Nachbarn auf der gegenüberliegenden Straßenseite würde schnell geholfen, sie müssten auf eigene Kosten ein Gegengutachten in Auftrag geben. Die Seniorinnen sehen keinen anderen Weg, als die bescheidenden Entschädigungsangebote anzunehmen und die Risse zu belassen. "Ich kann mir eine Renovierung nicht leisten, da ich bereits mehrere Tausend Euro Anliegerbeiträge zahlen musste", sagt die 83-Jährige.

Nach Angaben der Stadt sind aktuell insgesamt 723,46 Euro zur Schadenregulierung gezahlt worden. Nach den 400 Euro für den Ex-Anwalt bleibt da nicht mehr viel übrig. Bislang hätten sich sieben Eigentümer gemeldet, deren Häuser in Mitleidenschaft gezogen seien. Doch wird es dabei nicht bleiben. Weitere Betroffene haben Kostenvoranschläge eingeholt und reichen diese ein. Bei Helmut Singendonk ist eine Mauer abgesackt und sind Risse in der Isolierung. "Wir haben uns in der Nachbarschaft abgesprochen und wollen gemeinsam für unser Recht kämpfen", sagt der Klever. Er weiß von einem Nachbarn, der bereits auf eigene Kosten ein Gutachten hat anfertigen lassen. Bleibt abzuwarten, ob hier unbürokratisch geholfen wird, oder eher nicht.

Quelle: RP
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