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Kleve
Wenn die Schanz zur Insel wird

Kleve: Wenn die Schanz zur Insel wird
Die kleine Fähre rechts bleibt, die große muss weg. FOTO: Peter Graupner
Kleve. Es ging ums Herzblut, um ein Stück Heimat. Um eine über 100 Jahre alte Tradition, die jetzt abrupt zu Ende geht: Die Fähre nach Schenkenschanz wird eingestellt. Von Matthias Grass

Die Schänzer fühlen sich im Stich gelassen, die Stadt und die Politik fühlen sich falsch verstanden - vor allem mit Blick auf die geringen Nutzerzahlen der Fähre. Entsprechend hoch kochten die Emotionen im Blauen Salon der Stadthalle, in den die Stadt Kleve zur Bürgerinformationsveranstaltung eingeladen hatte. Es sollten die Eckpunkte zur Schließung der Fähre, zur Zukunft der Schanz und vor allem zu der von den Schänzern immer wieder vorgebrachten Notfallversorgung geklärt werden.

"Das ist eben nicht irgendetwas, über das hier diskutiert wird, das ist unsere Heimat, und die braucht die Fürsorge der Stadt Kleve", sagte Georg Böhling, der zu den vielen Schänzern gehörte, die gekommen waren, um ihre Zukunft zu diskutieren. Der Ortsteil habe eine Fähre nötig, sagte Böhling. Dass es nicht die Fähre sein müsse, die jetzt eingestellt werde, sei den Schänzern schon bewusst.

"Die hätte nie gekauft werden dürfen", sagte er. Aber eine Fähre müsse her. "Wenn es in Kranenburg einen Bürgerbus gibt, warum soll es in Kleve keine Bürgerfähre geben?", schlug Böhling vor. Ein spannender Vorschlag, zumal die Personenfähre, die neben der großen Fähre in Notzeiten fuhr, weiter auf dem Altrhein liegt und für Notzeiten zur Verfügung steht. Bürgermeisterin Sonja Northing versprach ihm, diese Idee mitzunehmen. Denn die Stadt mache sich sehr wohl Gedanken um ihre Bürger auf der Schanz.

"Wir brauchen hier keine Vergangenheitsbewältigung, wir müssen nach vorne schauen, wir müssen wissen, wie wir versorgt sind, wenn die Schanz zur Insel geworden ist", mahnte Claudia Kressin, Bewohnerin dieser "Insel", sich nicht an alten Zahlen festzubeißen. Denn zunächst ging es um die Fahrten, wie oft die Fähre wirklich fährt, wann die Fähre überhaupt fahren darf und wann sie einst gefahren ist und wie viele warum noch fahren.

Im Raum stand auch die feste Überzeugung alter Schänzer, durch die Eingemeindung habe man ein Recht auf eine Fähre. Dem widersprach Kleves Kämmerer Willibrord Haas: Ein solches Recht gebe es nicht. Deutlich blieb bei allen Wortmeldungen aber die Sorge um den Notfall, die Gabi Evers eindringlich in einem offenen Brief formulierte.

Ralph van Hoof, Leiter des Fachbereiches Öffentliche Sicherheit und Recht, klärte die dringendsten Probleme der Schänzer, und behielt bei aller Emotion im Raum die Ruhe. Van Hoof erläuterte Punkt für Punkt die Vorschriften des Notfallplanes, an den sich die Stadt halten muss, wenn bestimmte Pegelstände überschritten werden. Er stellte klar, dass die Fahrzeugfähre seit einigen Jahren schon nicht mehr fahren darf, wenn Hochwasser ist. "Das ist eine Vorschrift, die nicht die Stadt gemacht hat. Daran müssen wir uns halten", sagte er. Dafür habe man die Personenfähre - und die bliebe ja erhalten.

Automatisch werde bei steigendem Pegel die Feuerwehr verstärkt, würden weitere Maßnahmen ergriffen. Genauso, wie vor der Stilllegung der Fähre. Bei größeren Katastrophen wie 1995 kommen THW und die Bundeswehr. Fazit: Der Notfallplan, der in den Jahren weiter fortgeschrieben wurde, bleibt erhalten, die kleine Fähre bleibt in der Schanz. Ob diese Fähre auch gefahren werden kann, wenn kein Hochwasser ist, wenn Touristen kommen (die bei den Schänzern aus Sorge um die eigene Sicherheit verständlich nicht im Vordergrund der Diskussion standen), das soll jetzt geklärt werden, versprach Northing.

Sie klärte aber auch: Die Stadtwerke Kleve haben mit dem Fährbetrieb in Zukunft nichts mehr zu tun. Sie wolle aber eine weitere Nutzung der Fähre, betonte die Bürgermeisterin.

Josef Gietemann (SPD) hatte bereits in der Ratssitzung, in der das endgültige "Aus" für die Fähre beschlossen wurde, einen Antrag formuliert, nach dem die Verwaltung prüfen soll, zu welchen Zeiten eine touristische Nutzung sinnvoll ist, ob anlässlich von Festen auf Schenkenschanz eine außerplanmäßige Nutzung ermöglicht wird und ob ein Betrieb auch durch Dritte möglich ist, welche zusätzlichen Kosten durch Versicherungen, Inspektionen, regelmäßige Untersuchungen (Binnenschifffahrtsuntersuchung) entstehen. Zudem hatte Jörg Cosar (CDU), der als Oberstleutnant bei der Katastrophe 1995 im Einsatz war, und am Abend mehrfach angesprochen wurde, eine Nutzung der Fähre mit Beteiligung der Schänzer angeregt. Die Diskussion wird weitergehen.

Quelle: RP
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