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Kleve
Wenn Fleischbällchen Kunst werden

Kleve: Wenn Fleischbällchen Kunst werden
Zhenia Couso Martell mit der Box zum Essen: Darin wird am Montag des Menü zur Performance gereicht. FOTO: G. Evers
Kleve. Der "Salon der Künstler" schließt am Montag, 1. Mai, mit einem ganztägigen Fest und Performances. Zhenia Couso-Martell lädt zu einem Essen für rund 100 Personen ein: Eine Aktion, in der alle Teil eines Werkes werden. Von Matthias Grass

Eine Schachtel aus weißer Pappe, ein bisschen instabil. Oben sind die Umrisse von Messer und Löffel eingestanzt. Auf den ersten Blick ein besseres Fritten-Schälchen. Doch an der Seite ist die Pappe beschriftet: "Cajita" steht darauf, mitten auf die Seite gesetzt, daneben rechts eine Signatur und links die Nummerierung. Von eins bis 100. Ganz im beuysschen Sinne ist aus der einfachen Kiste mit dem armen Material Kunst geworden.

Doch das allein wäre zu einfach. Zhenia Couso Martell macht rund 100 Gäste, die am Montag, 1. Mai, zwischen 13 und 15 Uhr ins Museum Kurhaus kommen, zum Teil einer großen Aktion. Einer Kunstperformance an der jeder, der teilnimmt, Teil des Werkes wird. Dann wird die Schachtel befüllt sein - mit Fleischbällchen, mit einem kleinen Stück Kuchen, mit Nudelsalat und Soße, einem Stück Baguette mit Frischkäse.

Couso Martell, die in Goch lebende Künstlerin aus Kuba, hat zwei Leidenschaften: das Kochen und die Kunst. Also wird sie für Montag rund 100 Essen kochen und im Kurhaus verteilen. Jeder hat als Erinnerung an die Aktion dann das Schächtelchen. Es wird nicht mehr so weiß sein, es wird Flecken haben, Fett und Soße werden ihre Spuren hinterlassen. Kunst soll es trotzdem bleiben. Teilnehmen kann jeder, der im Museum ist - es kostet allein den Eintritt, sagt Susanne Figner vom Museum Kurhaus. Das Essen wird "kreolisch" sein, erklärt Martell: Einflüsse aus der ganzen Karibik seien darin zu finden - die kubanische Küche sei eher arm. Deshalb auch das Schächtelchen: "Du hast nix, und wenn Du was, tust du alles zusammen", sagt die Künstlerin.

Sie will die fünf Gänge in Goch zubereiten, alle werden sie in die kleine Kiste kommen und dann ab 13 Uhr verteilt. Es gibt kein Besteck, keine Serviette, gegessen wird mit den Fingern oder mit dem eingestanzten Besteck. Obwohl das eher symbolisch aussieht - auf den ersten Blick betrachtet.

"Die Essensausgabe und das Essen ist die Aktion", sagt die Kubanerin, die zuletzt eine solche Aktion im Malkasten in Düsseldorf gemacht hat. Ob und wie die Schachtel dann später verwahrt wird, womöglich gerahmt vom 1. Mai 2017 in Kleve kündet, bleibt jedem selbst überlassen. "Es ist spannend, den Menschen dabei zuzusehen, sich auch gegenseitig zu beobachten", sagt sie. Zu sehen, wie man Teil des Werks wird . . .

Die Essensperformance ist der Abschluss des Salons der Künstler im Klever Kurhaus. Ihre Zeichnungen und Grafiken waren die ganze Zeit zu sehen: Zarte, feine Arbeiten, die vom Leben und Feiern in Kuba künden. Die kleine, hängende Häuschen zeigen. Das sind Pinatas, die in Kuba bei Festen aufgehängt werden und die mit Süßigkeiten oder traditionell mit Früchten gefüllt sind. Kinder mit verbundenen Augen schlagen auf diese Töpfe oder Schachteln mit einem Stock, bis sie zerbrechen und die Süßigkeiten regnen. Manche haben auch Schnüre oder Seile, an denen alle zusammen ziehen können, damit sie sich öffnen. Diese Pinatas verfolgen Couso Martells künstlerisches Schaffen seit vielen Jahren: ob als große Objekte, als Grafik oder als Zeichnung.

Der Salon der Künstler zeigt auch ganz neue Versionen des Themas - reduziert, fast minimalistisch.

Quelle: RP
 
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