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Kreis Kleve
Wer hat das beste Brunnenwasser?

Kreis Kleve: Wer hat das beste Brunnenwasser?
Harald Gülzow (hinten) und Sohn Elias Gülzow bei der Arbeit in Kalkar. FOTO: Markus van Offern
Kreis Kleve. Zum Trinken will es kaum jemand nutzen, wohl aber für den Garten und fürs Planschbecken der Kinder. Die RP ließ Grundwasser aus privaten Brunnen in Kevelaer, Goch und Kleve testen. Kreislandwirt zweifelt Untersuchungen an. Von Anja Settnik

Schon um kurz vor 9 bildet sich eine Schlange am Labormobil von Harald Gülzow. Der Diplom-Physiker aus Geldern vom Verein für Gewässerschutz hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wasserqualität in Flüssen, Bächen und im Grundwasser zu analysieren und zu bewerten. Die Menschen, die an diesem Tag mit Flaschen voller Brunnenwasser kommen, interessiert vor allem eines: Welche Qualität hat das Grundwasser, das ich für den Garten oder fürs Planschbecken der Kinder nutze? Ist es so sauber, wie es aussieht, verträgt sich der pH-Wert mit den Anforderungen meiner Pflanze, müssen wir uns wegen der Nitratbelastung Sorgen machen? Die RP brachte ebenfalls drei Proben mit - aus Kleve, Goch und Kevelaer.

Algen haben das Wasser aus der Klever Niederung trüb gemacht. FOTO: Anja Settnik

Elias Gülzow, der Sohn des Gelderners, geht sicher mit Reagenzgläsern, Pipette und Salpetersäure um. Nach 40 Minuten kann er den Wartenden die ersten Aussagen über ihr Brunnenwasser liefern: Alle drei Proben enthalten Wasser, das bedenkenlos für den Garten genutzt werden kann. Die ermittelten Nitratwerte geben keinen Anlass zur Sorge, wobei die Probe aus Kleve einen Haken hat: "Dieses Wasser weist so starkes Algenwachstum auf, dass davon auszugehen ist, dass es stark nitrathaltig war - dadurch entstehen nämlich Algen." Die Herkunft aus der Klever Niederung gibt dem Fachmann einen Hinweis: "Dort gibt es viel Landwirtschaft, allerdings auch viele Wiesen und Weiden, bei denen das Nitrat weitgehend in den Wurzeln der Gräser gebunden wird. Ins Grundwasser gelangt nur ein Teil. Im Südkreis mit seiner Ackerwirtschaft haben wir oft deutlich stärkere Einträge, bis zu 200 Milligramm pro Liter."

Die Probe aus Goch, Innenstadt-Randlage, weist 33,5 Milligramm auf - selbst die Stadtwerke, die Trinkwasserqualität liefern müssen und Wasser unterhalb des Reichswalds gewinnen, hätten an diesem Wert nichts zu beanstanden. Noch besser der erste Eindruck des Wassers aus dem Herzen der Marienstadt Kevelaer: Die Brunnen-Nutzerin kann ihre Blumen und das Gemüse getrost reichlich gießen, ohne die Pflanzen zu überdüngen: Gerade mal 14,8 Milligramm Nitrat wurden festgestellt. Dazu ein pH-Wert von 6,83 und eine Leitfähigkeit (Salzgehalt) von 718 - alles bestens. Auch in Goch wird das Grundwasser weiterhin die Tomaten und den Rasen am Leben halten können. Mit einem pH-Wert von 6,83 und einer Leitfähigkeit von 518 gibt es keine Probleme. Entnahmestelle war übrigens nahe dem ehemaligen Kasernengebiet - wer dort baut, müsste ordentliches Garten-Wasser haben. Ackerbau wurde dort ja seit Menschengedenken nicht betrieben.

Absolut okay: die Wasserprobe aus einem Gocher Wohngebiet. FOTO: nik

Kreislandwirt Josef Peters ärgert sich über den Generalverdacht, unter dem er die Landwirtschaft als Verursacher der Nitratbelastung durch Gülle sieht. "Sind die Instrumente des Labors überhaupt geeicht, hat der TÜV sie geprüft?" Peters ist skeptisch, was die Ergebnisse angeht. Es handele sich nicht um eine "amtliche" Analyse, sondern um eine private Dienstleistung, die aber sicherlich gute Hinweise gebe, sagt Ruth Keuken als Sprecherin der Kreiverwaltung. In dem Fall, dass Bürger bedenkliche Werte überprüfen lassen wollten, dürften sie sich gerne ans Gesundheitsamt des Kreises wenden. Dann würde ein amtlich bestelltes Labor beauftragt.

Viele Bürger, die zum Labormobil kommen und kostenpflichtige Untersuchungen in Auftrag geben, haben gerade neu gebaut. "Ich möchte wissen, ob da Keime drin sind, wenn mein Kind im Pool badet", sagt eine Frau. Ein Mann fragt sich, ob zu "saures" Wasser seine Wärmepumpe schädigen könnte. Der ambitionierte Nutzgärtner Ermin Heinz aus Hasselt hat den Verdacht, dass sein schöner Salat womöglich dem ungewollt stark "gedüngten" Wasser seine Qualität verdankt. Und Heike Besel aus Appeldorn will beim 60. Geburtstag ihres Mannes die Biergläser gerne mit dem Brunnenwasser spülen. Ob die Probe keimfrei ist, erfährt sie in 14 Tagen.

Kristallklar: Wasser aus einem Kevelaerer Innenstadt-Brunnen. FOTO: Eve
Quelle: RP
 
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