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Kleve
Wie aus den Werken der Brüder von Limburg
Kleve. Nimwegen hat am Wochenende sein großes Mittelalter-Fest gefeiert. Einem Klever haben sie dabei einiges zu verdanken. Von Ludwig Krause

Das monotone Trommeln ist schon Straßenzüge im Voraus zu hören – dann sieht man den Zug der verlorenen Seelen auch auf sich zukommen: Pestkranke. Träge schlurfend, ziehen sie einen Karren hinter sich her. Die Schausteller des Brüder-von-Limburg-Festivals in Nimwegen haben sich sichtlich Mühe gegeben, das Mittelalter für ein Wochenende lang so realistisch wie möglich – und in all seinen Facetten – nach Nimwegen zu holen.

Natürlich gab es sie auch im Hunnerpark oder rund um die Stevenskerk: Die Ritter in ihren prächtigen Rüstungen, die Gaukler in ihren bunten Kostümen und die Minnesänger mit ihren Instrumenten. Aber auch einfaches Bauernleben, das der Bettler und Hirten, wurde dargestellt. Und eben die Pest. Die Seuche, die Millionen von Menschen im Mittelalter dahingerafft hat. Darunter wohl auch die Namensgeber des Festivals: die Brüder von Limburg. Paul, Hermann und Johann von Limburg – die Macher eines der schönsten Miniaturhandschriften des Spätmittelalters.

Dass das Brüder-von-Limburg-Festival am vergangenen Wochenende in Nimwegen überhaupt gefeiert werden konnte, ist auch einem Klever zu verdanken. Friedrich Gorissen erst schrieb die Künstler der ältesten Stadt der Niederlande zu. Wie er herausarbeitete, wurden sie zwischen 1375 und 1385 in Nimwegen geboren und arbeiteten gemeinsam in einer Werkstatt. Dieser stand Paul wohl vor, mit Jan und Hermann als seinen Mitarbeitern. Schon ihre Eltern galten als Künstlerfamilie, mit Hilfe ihres Onkels, der als Maler am königlichen Hof in Paris arbeitete, kamen sie nach Frankreich. Dort begannen sie im Auftrag des Herzogs Philip des Mutigen mit ihrem Werk, das sie nach dessen Tode beim Herzog von Berry fortsetzten. Paul, Jan und Hermann kopierten und trugen Manuskripte wie "Die schönen Stunden" (franz. Les Belles Heures) und die "Die sehr reichen Stunden" (franz. Les Très Riches Heures) zusammen. Die dazu angefertigten Illustrationen wurden weltberühmt, nachdem die Künstler 1416 in Bourges starben. Die Bilder, die aus ihrer Hand erhalten sind, strahlen vor Detailreichtum und leuchtenden Farben.

Szenen, die auch am Wochenende in Nimwegen zum Greifen Nahe waren. Wenn Schafe und Gänse durch die Innenstadt getrieben werden und ein echtes Trébuchet feuert, wenn Feuerspucker ihr Können darbieten und in den Töpfen Gerichte köcheln, deren Rezepte tausend Jahre alt sind – dann wird die Welt des Mittelalters lebendig und Geschichtsunterricht anschaulich wie sonst nirgends. Seinen Höhepunkt erlebte das Brüder-Limburg-Festival spätestens am Sonntag, als beim großen Umzug hunderte kostümierter Darsteller durch die Innenstadt Nimwegens zogen. Ein beeindruckendes Bild – fast wie im Jahre 1416.

Quelle: RP
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