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Kalkar
Wie ein Gang durch die nächtliche Stadt

Kalkar: Wie ein Gang durch die nächtliche Stadt
Wie der Blick in eine nächtliche Stadt - aber ohne Titel: ein Bild von Esther Naused FOTO: Evers, Gottfried (eve)
Kalkar. "Lichtschatten" heißt die Ausstellung der Hamburger Künstlerin Esther Naused im Museum der Stadt Kalkar. Die Ausstellung zeigt Arbeiten auf Papier und wird am morgigen Sonntag, 12 Uhr, eröffnet. Von Matthias Grass

Trutzig, seine Umgebung beherrschend, betongrau, kantig nimmt die Figur das Blatt ein. Hebt sich mit überstrahlten Rändern vom Schwarz der Umgebung ab. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, vielleicht ein Kriegsbunker, der während einer Fahrt durch die nächtliche Stadt am Fenster vorbeihuscht.

Auf einem anderen Blatt spiegeln sich in der bodentiefen Scheibe eines Hauses die gelben Neonlampen, während gegenüber in einem Büro- oder Wohnkomplex alle Fenster erleuchtet sind. Esther Naused scheint ein Nachtmensch zu sein, der zu später Stunde durch ihre Heimatstadt Hamburg streift und Impressionen sammelt. Impressionen von Häusern und Straßenzügen, von Lichtreflexionen auf gläsernen Fassaden und dem Licht der Leuchtreklamen.

Esther Naused im Kalkarer Museum FOTO: Gottfried Evers

Doch Esther Naused ist kein Nachtmensch. Ganz und gar nicht, versichert die Künstlerin. Sie gibt die Frage direkt zurück: Es seien keine bestimmten Häuser auf ihren Blättern, die sie jetzt im Kalkarer Museum vorstellt. Nicht einmal Fassaden oder Häuser überhaupt. Es seien frei entstandene Strukturen, Formen, die sie mit breitem wie feinem Tuschepinsel aufs nasse oder gewässerte Blatt wirft. Zügig, schnell, nass in nass.

Es sind Bilder, die aus dem Impetus heraus entstehen, Bilder einer nicht vergegenwärtigten Erinnerung vielleicht, der Erinnerung an eine Stadt. Besser noch, Bilder, die im Betrachter eben diese Erinnerung hervorrufen, die er in den Blättern der Hamburgerin zu erkennen glaubt: Leuchtende Fassaden in einer dunklen und doch stets erleuchteten Großstadt, Gassen, Fenster, Durchblicke. Der Nachtmensch ist in diesem Fall dann eben nicht die Künstlerin, sondern der Betrachter.

"Lichtschatten" heißt die Ausstellung von Esther Naused im Stufengiebelhaus des Museums Kalkar mit ihren großen Bildern auf kleinem Format. 50 Arbeiten auf Papier hat sie ausgesucht. Sie sind bis zum 26. Juni in Kalkar zu sehen, zur Eröffnung am Sonntag, 8. Mai, 12 Uhr, spricht Jörg Happel vom Niederrheinischen Kunstverein, nach dem Dr. Wolf-Heinrich Geißel vom Verein der Freunde Kalkars die Gäste begrüßt hat. Zur Ausstellung gibt's auch einen Katalog (zehn Euro).

Frei im Passepartout, ohne Rahmen, hat sie viele der Bilder vor wie schwebend vor die Wand gehängt. Ein Holzrahmen hinter dem Blatt sorgt für den nötigen Abstand, trägt das Motiv in den Raum.

Es sind faszinierende Motive, die auf der einen Seite die Assoziationen der Nacht in der Großstadt hervorrufen können, die auf anderen einen ungemeinen Sog in die Tiefe auslösen. Und das oft eben nur im Spiel von Grau, Schwarz und Weiß. Manchmal kommt eine Acrylfarbe über das noch wässrige Grau der Tusche, färbt in einem abgedämpften rötlichen Ton oder in hellem Gelb das Bild, setzt wieder "Lichtschatten".

"Die Bilder entstehen intuitiv, aus der Eingebung, aus dem Handeln heraus", sagt die Hamburgerin. Sie beginnt mit Wasser, feuchtet das Blatt an, lässt Tusche hineinlaufen oder zieht geometrische Formen aufs Papier. Bei einigen ihrer breiten Pinsel hat Naused die Haare abgebunden, so dass die Tusche-Flächen streifig werden. Gekreuzt entstehen so jene weißen Lichtflecken, die dann in geometrischen Formen gesetzt an leuchtende Fenster erinnern.

"Ich brauche es eher gerade", sagt die 56-Jährige. Die Bilder entstehen ohne Plan: "Sie tauchen auf dem Blatt aus der fließenden Farbe auf, nehmen allmählich Kontur an und treten schließlich mit Entschlossenheit in Erscheinung, als hätten sie in einem dunklen Raum ungeduldig darauf gewartet", sagt Esther Naused. Allerdings sortiert sie auch viele Blätter aus, wenn das schnelle, spontane Malen mit der Tusche nicht zum gewünschten Ziel geführt hat.

Im Jahr 2016 ist Naused Stipendiatin eines Arbeitsstipendiums der Stiftung Kunstfonds Bonn. Studiert hat sie Malerei bei Gotthard Graupner an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Sie lebt und arbeitet in der Hansstadt.

Quelle: RP
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