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Niederrhein
Wie Fahrräder Flüchtlinge fit machen

Niederrhein: Wie Fahrräder Flüchtlinge fit machen
Spaß am Schrauben: Jamal Aldaas (l.) und Helmut Buteweg reparieren in Mehrhoog Fahrräder für die Flüchtlingshilfe. FOTO: Jana Bauch
Niederrhein. "Mehrhoog hilft" hat bereits 188 Räder an Flüchtlinge ausgegeben. Der Bedarf ist weitgehend gedeckt, die Helfer konzentrieren sich auf Reparaturen. In Wesel spielt Radfahren lernen eine wichtige Rolle für Migrantinnen. Von Fritz Schubert

Ein Fahrrad macht unabhängig und vergrößert den Aktionsradius enorm. In ländlichen Flächenkommunen wie Hamminkeln ist es geradezu unverzichtbar. Besonders für jene, die zu jung zum Autofahren sind oder sich dieses nicht leisten können. Wege zu Behörden, Schulen oder Veranstaltungen sind im Sattel nun mal leichter zu absolvieren als zu Fuß. Was lag für die Aktiven von "Mehrhoog hilft" näher, als Flüchtlinge mit Fahrrädern mobil zu machen? 2015 haben sie damit angefangen und bis heute 188 gespendete Räder ausgegeben.

Die beachtliche Aktion hat sich ausgewachsen. Die Kreisverkehrswacht steuerte eine dreisprachige Broschüre (Deutsch, Englisch, Arabisch) mit Verkehrsregeln bei. Auch Wertschätzung wurde ein Thema. Um Verantwortungsgefühl für die überlassene Fiets zu entwickeln, haben sich die Mehrhooger auch etwas einfallen lassen. Weil sorgsamer Umgang bei geschenkten Sachen nicht ganz so ausgeprägt ist, wurde ein durchdachtes Leihsystem eingerichtet. Mit Vertrag und klaren Regeln.

Kinderräder sind dann für fünf Euro zu haben, solche für Erwachsene kosten zehn bis 30 Euro. Unterdessen ist der Bedarf weitgehend gedeckt. Im Stützpunkt, dem Fahrradkeller an der Mehrhooger Grundschule, sind aktuell vorwiegend Hollandräder auf Lager, die für das Gros der Flüchtlinge zu groß sind.

Untätig sind die Helfer heute aber nicht. Sie konzentrieren sich auf Reparaturen, die reichlich anfallen, und handhaben das flexibel nach Lust und Zeit. Zurzeit bilden Helmut Buteweg, Manred Driever, Bernhard Lackmann, Jörg Bilker und Jamal Aldaas das Team. Letzterer hat Hayrabed Karageocian abgelöst, der in Wesel eine Festanstellung gefunden hat, berichtet Buteweg, der die Syrer allgemein als "sehr freundliche Leute" lobt.

Auch in Wesel spielt das Radfahren für Flüchtlinge eine wichtige Rolle. Besonders das Lernen. Marlies Hillefeld von der Flüchtlingshilfe und ihre Mitstreiter hatten schon 2011 den Nerv getroffen, indem sie besonders Migrantinnen in den Sattel halfen. Schnell war ein Kursus von ADFC und VHS überlaufen. War im vergangenen Jahr noch der ADFC aktiv, will nun die Flüchtlingshilfe wieder ein Angebot machen. Ein Rad beherrschen und sich damit sicher im Verkehr bewegen zu können, bedeutet für viele Frauen mehr Selbstständigkeit und Freiheit. Die erste Hürde ist es, sich zu überwinden und überhaupt anzufangen, schildert Hillefeld. Das geht am besten in einem geschützten Raum, also auf einer Fläche, wo nicht viele Leute zugucken können.

Die Teilnehmerinnen müssen zunächst ebenso an radtaugliche Kleidung gewöhnt werden wie ans Rollen auf zwei Rädern. Ein Tretroller ist der Einstieg. Weiter geht es mit einem Kinderrad ohne Pedale. So geht es Tritt für Tritt von einem Erfolgserlebnis zum nächsten.

Eigentlich sollte es schon losgegangen sein, aber das Wetter war noch nicht gut genug für den Kursstart, sagt Marlies Hillefeld. Die Weseler Flüchtlingshilfe vermittelt auch schon mal Räder. Einen Reparaturservice gibt es nicht. Das macht Spix zu Selbstkosten. Für Sachspenden ist die Gruppe dankbar (Telefon 0281 53446).

Quelle: RP
 
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