| 00.00 Uhr

Kranenburg
Wind im Wald: Fakten auf den Tisch

Kranenburg. Die Befürworter des Projekts "Windpark im Reichswald" hatten zu einer Informationsveranstaltung in den Kranenburger Bürgerhaus geladen. Ziel war es, die Planungen detailliert vorzustellen. Was nach Ansicht der Organisatoren auch gelang. Von Peter Janssen

Walter Verrieth ist 65 Jahre und wohnt seit 1978 in Kranenburg. Sein Hobby ist für die am Niederrhein lebenden Menschen sicherlich keins, das völlig aus dem Rahmen fällt. Verrieth fährt gern Fahrrad. Am liebsten Mountainbike - und er joggt. Alles besonders gern im Wald.

Der Kranenburger war bei der Informationsveranstaltung im Bürgerhaus, wo an etlichen Ständen für den Plan geworben wurde, einen Windpark entlang des Kartenspielerwegs zu bauen. Ängste abbauen und sachlich informieren, so die Ziele der Organisatoren. "Das waren echte Profis. Die wussten auf jede Frage eine Antwort", so der Eindruck des 65-Jährigen. Allein an seiner Einstellung zu dem Thema konnten die Veranstalter nichts ändern. "Ich brauch' die Dinger nicht", sagt Walter Verrieth.

Neben den Teilnehmern, die sich für die Pläne stark machen, hatte auch die Bürgerinitiative "Gegenwind im Reichswald" einen Stand im Katharinenhof. Doch neben den inhaltlichen Differenzen klafften auch bei den Angaben zur Besucherzahl enorme Unterschiede. Während ein Sprecher des Projektentwicklers Abo Wind von gut 150 Bürgern sprach, hatten die Windkraftgegner wohlwollend knapp 100 gezählt.

Auch Walter Verrieth war überrascht, wie wenig los war und sagt: "Das müsste die Kranenburger doch viel mehr interessieren." Nach Angaben von Abo Wind standen allein 22 Fachleute bei der Info-Messe an den Tischen, um Fragen zu beantworten.

Neben der Firma Abo Wind, der Gemeinde Kranenburg unterstützt auch der Landesbetrieb Wald und Holz den Bau der zwölf 200 Meter hohen Türme im Forst. Er war ebenfalls mit einem Stand vertreten. Auf einem Plakat, dass im Katharinenhof hing, war zu lesen: "Die Eingriffe in die Natur durch die Windkraft sind gering. Die größte Gefahr für die Artenvielfalt geht vom Klimawandel aus...". Dies sieht mittlerweile auch Wald und Holz so. Auf der Internetseite wird deutlich, dass die Heger des Waldes für die Ausweisung von Vorrangzonen im Forst sind, der lange Zeit Tabufläche war. Klimawandel und Energiewende hätten zu einem Umdenken geführt, so der Landesbetrieb. Aus Sicht der Windkraftgegner ist Geld für den Sinneswandel verantwortlich. "Hier sind gute Einnahmen zu erzielen. Das führt sogar dazu, dass Wald und Holz Hilfe bei der Umsetzung derartiger Projekte für interessierte Privatwaldbesitzer anbietet", sagt Hannah van der Valk, Mitglied von "Gegenwind im Reichswald". Die Initiative sieht in dem Verhalten des Landesbetriebs erhebliche Widersprüche. So wurde vor gut drei Monaten die Landeswaldinventur von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) präsentiert. Hier verweist er darauf, dass NRW waldarm sei und der Waldanteil erhöht werden müsse. "Remmel betont, dass der Forst ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen sei. Er trage zum Klimaschutz bei. Offenbar nur, bis der Preis stimmt", betont van der Valk. Einer Meinung sind hingegen die Teilnehmer, was die Atmosphäre auf der Veranstaltung im Bürgerhaus betrifft. Ruhig und sachlich. So mag es auch Kranenburgs Bürgermeister Günter Steins: "Es waren Bürger da, die sich informieren und Argumente austauschen wollten", . Zu diesen Bürgern gehört auch Walter Verrieth, der gern weiterhin durch unberührte Natur fahren will - wie auch auf der Strecke am Kartenspielerweg. Dieser Weg durch den Forst ist nicht allein für ihn eine wunderbare Gegend. Auch für die Klever Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks gehört die Tour entlang des Wegs, zu den schönsten Dingen, die man am Niederrhein machen kann, wie sie einst erklärte. Ob es mit Windkrafträdern weniger schön sein wird? Hinweis: Am verkaufsoffenen Sonntag baut die Bürgerinitiative "Gegenwind im Reichswald " einen Info-Stand auf der Großen Straße auf.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kranenburg: Wind im Wald: Fakten auf den Tisch


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.