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Kranenburg
Windstärke über dem Wald wird gemessen

Kranenburg: Windstärke über dem Wald wird gemessen
140 Meter hoch ist die kleine Windmessanlage, die jetzt im Reichswald errichtet wurde. Für den Mast sollen etwa 25 Bäume abgeholzt worden sein. FOTO: G. Evers
Kranenburg. Projektentwickler Abo Wind hat einen Mast im Reichswald aufgestellt, mit dem die Windgeschwindigkeit gemessen wird. Das Unternehmen will wissen, wie hoch nach Fertigstellung der Anlagen der Ertrag ist. Von Peter Janssen

Es ist nur ein erster kleiner Mast, doch ist Hannah van der Valk schon von diesem geschockt. Die Kleverin steht im Reichswald etwa 60 Meter vom Kartenspielerweg entfernt. Auf einer Lichtung ragt ein schmaler Turm 140 Meter in den Himmel. Es ist ein erster nur kleiner Mast, den der Projektentwickler Abo Wind aufgebaut hat und der mit den geplanten Windrädern nicht zu vergleichen ist. Mit dem Messmast wird die Windstärke über den Wipfeln gemessen. Abo Wind will in dem Landschaftsschutzgebiet zwölf Windkraftanlagen bauen, die eine Höhe von 200 Metern besitzen. Um sicher zu sein, dass das Projekt nach Fertigstellung auch ausreichend Ertrag abwirft, werden die Messungen jetzt durchgeführt. Ersten Ärger hatte es im Vorfeld der Baumaßnahme für den Testmast gegeben, als für eine Zuwegung Bäume gefällt wurden, wofür keine Genehmigung vorlag. Abo-Wind-Planungsleiter Georg von Aretin sagt dazu: "Wir haben dafür eine Ausgleichsmaßnahme getroffen." Diese Maßnahme ist ein aufgeschütteter Steinhaufen. In dem sollen Reptilien, deren Lebensumfeld von der Fällung eingeschränkt wurde, Zuflucht finden.

Für den jetzt errichteten Mast hat Abo Wind zwischen 120 000 und 150 000 Euro ausgegeben. Genauer konnte von Aretin die Kosten nicht beziffern. Eine Maßnahme, die sich nach Errichtung der Vorrangzone auszahlen wird. "Es werden Ertragsgutachten erstellt, die für die spätere Finanzierung von Bedeutung sind, da sonst Sicherheitsabschläge einbehalten würden. Es geht darum, wie viel Geld wir von den Banken bekommen und zu welchen Konditionen", sagt der Abo-Wind-Mitarbeiter. Der Testmast wird mindestens ein Jahr stehenbleiben. Doch wird damit nicht nur die Windstärke gemessen. In drei verschiedenen Höhen werden Flugbewegungen von Fledermäusen erfasst. "Wir wollen damit eventuelles Konfliktpotenzial im Vorfeld ausschließen", sagt von Aretin. Denn weiteres Konfliktpotenzial gibt es an anderen Stellen reichlich. So steht der Kreis Kleve als Untere Landschaftsbehörde dem Projekt - vorsichtig formuliert - sehr distanziert gegenüber. "Das kann man so sagen", bewertet auch von Aretin die Meinung aus dem Kreishaus als wenig förderlich für das Vorhaben. Auch die Stimmung in der Bevölkerung ist mit kritisch nur unzureichend beschrieben.

Hubert Zillig, der in Grafwegen wohnt und sich in der Bürgerinitiative "Gegenwind im Reichswald" engagiert, sagt: "Die Bürger, mit denen ich spreche, sind alle gegen die Windkraftanlagen. Und auch die Zahl derer, die sich uns anschließt oder mit uns sympathisiert, steigt."

Der Widerstand, der sich in der Bevölkerung formiert, bereitet von Aretin derzeit keine größeren Sorgen. "Als extrem würde ich ihn nicht bezeichnen. Derzeit läuft noch alles im vernünftigen Rahmen ab", sagt der Manager und ergänzt, dass man bereits mehrere Windparks im Wald umgesetzt hätte und diese Projekte auch im Hinblick auf Protest aus der Bevölkerung kein Neuland für das Unternehmen sei. Georg von Aretin hat Kontakt zu den Windkraftgegnern aufgenommen. Viel mehr, als sich etwa mit Aktivisten auseinanderzusetzen, könne er derzeit ohnehin nicht tun, so der Manager. Er wartet auf das Ergebnis der naturschutzfachlichen Gutachten, die derzeit erstellt werden. Wenn für die Windmüller alles nach Plan läuft, sollen Ende 2016 alle Genehmigungen vorliegen. Dann könnte es im Reichswald Geld wehen.

Quelle: RP
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