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Kleve
Xantener Architekt plant "Minoritenhof"

Kleve: Xantener Architekt plant "Minoritenhof"
Der Minoritenplatz aus der Vogelperspektive. FOTO: Peter Graupner
Kleve. Reiner Jungnitsch und sein Büro atelier3architekten stellen in den Fraktionen einen eigenen Entwurf für den Minoritenplatz vor. Der Architekt plädiert für schmale Stadthäuser - ähnlich eines mittelalterlichen Stadtplans. Von Matthias Grass

Die Architektenpaar Reiner Jungnitsch und Waltraud Jungnitsch-Schmidt vom Büro atelier3architekten aus Xanten hat eigentlich Selbstverständliches gemacht: Sie haben sich die Umgebung der Minoritenkirche und die Klever Unterstadt angeguckt. Sie haben schmale Häuser gefunden, die mit ihren einst schönen Rückseiten auf das Schiff der Unterstadtkirche gucken. Sie haben festgestellt, dass die Klever Grundstücksgrößen in der Stadt zwischen sechs und zwölf Meter breit sind, sie haben gesehen, dass die Bebauung dreigeschossig ist. "Die aus der Historie überwiegend nach dem Krieg errichteten Gebäude gehorchen in der Regel den vorgefundenen Parzellen des 18. und 19. Jahrhunderts", so das Fazit der Architekten.

Danach haben sie einen Plan für den Raum zwischen Rathaus und Volksbank entwickelt, den sie "Minoritenhof" nennen. Im Mittelalter habe es kleinteilige Parzellen gegeben, die auf die Bürger verteilt wurden, die es sich leisten konnten, zu bauen, erklärt Jungnitsch. "Jeder konnte sich ein Stück von diesem Kuchen abschneiden", sagt er. Es habe eben noch keine großen Kaufhäuser oder Investoren gegeben, die diese Kleinteiligkeit durchbrechen. Weil er aus der Bürgerbefragung erfahren habe, dass für die bebaubare Fläche Wohnbebauung mit kleinerem Gewebe gewünscht sei, habe er dieses Format auch in seinem Entwurf weiter verfolgt. Der sieht viele spitzgiebelige schmale Häuser vor, mit Achsbreiten zwischen den im Klever Grundstücksraster gefundenen sechs bis zwölf Metern. Die einen stehen mit den Giebeln zur Straße, andere mit der Traufe. Damit ergibt sich eine vielteilige, spannende Dach- und Fassadenlandschaft. Die schmalen Stadthäuser können im Erdgeschoss Läden und Gastronomie, in Ober- und Dachgeschossen Wohnungen und Büros erhalten, sagen die Architekten.

Jungnitsch will diese Häuser nicht selber entwerfen. Wie es im Mittelalter üblich gewesen sei, werde lediglich strikt mit einer Gestaltungssatzung für den Minoritenhof die Kubatur der Häuser vorgeschrieben: Höhe, Breite, Dachneigung. Wie diese Häuser ausgeformt werden, welches Gesicht sie bekommen, bleibt jedem Bauherrn belassen, der sich ein Stück von dem Kuchen Minoritenplatz abschneiden kann und sich einen Architekten sucht. Jungnitsch-Schmidt schlägt vor, die Rahmenbedingungen zu definieren, einen Masterplan zu machen. Der sieht nicht nur kleinteilige Bebauung, sondern noch weitere Gassen zwischen den Häusergruppen vor. Die Plätze werden klar definiert und die Sichtachse gen Bahnhof frei gehalten. Derzeit stellt Jungnitsch seine Idee in den Fraktionen vor. Die Freidemokraten waren begeistert: "Das ist genau das, was wir uns immer als Bebauung für den Platz vorgestellt haben", sagte FDP-Fraktionschef Daniel Rütter im Hauptausschuss. Selbst die Offenen Klever, bis jetzt strikt gegen jegliche Bebauung dort, fanden lobende Worte für den Entwurf.

Allerdings regt der Architekt auch an, die Idee einer großen Tiefgarage zu überdenken. "Man möchte entlang der Wallgrabenzone doch einen Bürgerpark einrichten - den sollte man nicht mit einer breiten Einfahrt für eine solche Garage durchschneiden", sagt der Xantener Architekt. Man könne beispielsweise die Reihe der Parkplätze, wie sie jetzt an der Hafenstraße entlang liegen, bis zum Ende des Parks fortführen und damit einen Streifen des Parks auch fürs Parken zulassen. Er ist Realist: bei der geplanten Bebauung mit den kleinen Baufeldern rechnet sich die große Tiefgarage nicht mehr.

Erschließen möchte Jungnitsch die kleinen Tiefgaragen von Volksbank, Deutsche Bank und Minoritenhof, die dann lediglich die Stellflächen für die dort gebauten Häuser enthalten, über die Herzogstraße. Die Tiefgarage des Rathauses könne über einen in Großstädten inzwischen üblichen Auto-Aufzug erschlossen werden. Jungnitsch plädiiert, den Bebauungsplan darauf abzustimmen und ggf. zu überarbeiten.

Quelle: RP
 
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