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Niederrhein
Xantens Dom von den Anfängen bis heute

Niederrhein: Xantens Dom von den Anfängen bis heute
Im Stiftsmuseum stelle Dompropst Klaus Wittke das neue Buch vor. Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Theologen schrieben über die Frühzeit des Viktorkults, die Baugeschichte der Stiftskirche und die Dombauhütte. FOTO: Stoffel
Niederrhein. Der neue Sammelband über "Die Stiftskirche des Heiligen Viktor in Xanten" wurde vorgestellt. Für Mammutprojekte gab es im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit noch keinen umfangreichen Finanzierungsplan wie heute. Von Peter Kummer

Gebaut wurde, wenn Geld in der Kasse war. Ansonsten ruhte die Arbeit eben, bis sich neue Quellen wie der Ablasshandel erschlossen oder private Stiftungen die Finanztruhen wieder aufgefüllt hatten. Dies verzögerte zwar den Bau erheblich, dafür jedoch standen die Initiatoren am Ende schuldenfrei dar.

Dem wohl größten Bauvorhaben in der Geschichte der Stadt, dem Xantener Dom, erging es nicht anders. Als 1487, dem Jahr der großen Viktortracht, die Baumeister die entscheidenden Schritte unternahmen, um den Dom zu vollenden, lagen die ersten Arbeiten schon 200 Jahre zurück. "Die Stiftskirche war nicht nur eine große Kirche geworden, sondern auch eine kontinuierlich gebaute und sehr teure Kirche", schreibt Dieter Scheler in seinem Artikel über die Baufinanzierung der Stiftskirche. Sein Beitrag ist einer von 13 Aufsätzen, die gerade in einem Sammelband über "Die Stiftskirche des Heiligen Viktor in Xanten" erschienen sind. Dort haben Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Theologen einen Bogen geschlagen von den Anfängen des Viktorkultes bis zu den Arbeiten der Dombauhütte in den letzten zwei Jahrzehnten. Schwerpunkte sind Baugeschichte bis zur heutigen Denkmalpflege und die Ausstattung des gotischen Gotteshauses.

Das Buch basiert auf zwei Veranstaltungsangeboten aus dem Jubiläumsjahr des Doms im Jahr 2013: zum einen auf den Xantener Vorträgen, zum anderen auf eine Fachtagung im Rathaus.

Trotz der bereits sehr umfangreichen Literatur über den Dom gibt es immer noch unerforschte Themen, trotz der zahlreichen Quellen ist die historischen Aufbereitung noch lange nicht abgeschlossen. Doch einige dieser, wie Herausgeber Jens Lieven es nennt, "weißen Flecken" sind nun wissenschaftlich untersucht.

So geht das Buch auf den frühmittelalterlichen Heiligenkult ein, auf Politik und Heiligenverehrung, auf Stiftungen der Kanonikerfamilien und das Totengedenken im Kreuzgang. Es informiert über die Hintergründe zum Beispiel bei den berühmten Riswick-Teppichen im Chorbereich oder dem Hochaltar und erinnert an den Kreisbaumeister Carl Cuno. Die Tour durch die Geschichte endet in unserer Zeit mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und den permanenten Restaurierungs- und Erhaltungsaufgaben der Xantener Dombauhütte.

"Wir haben eine ganze Reihe von neuen Perspektiven aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit", zieht Jens Lieven Bilanz. "Vieles haben wir erst jetzt im Blick, weil Quellenmaterial erschlossen ist."

Doch ungeachtet der zahlreichen Werke, die sich schon mit der Geschichte des Doms beschäftigt haben, bleibt für den Dozenten an der Universität Bochum die Forschung dieser Zeit noch lange nicht abgeschlossen. "Es tauchen immer wieder neue Fragen auf", betont er. Die jetzt erschienenen Beiträge seien nur als ein weiteres Mosaiksteinchen zu sehen.

Quelle: RP
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