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Kleve
XOX: Biedermann und die Brandstifter

Kleve: XOX: Biedermann und die Brandstifter
Der Festschmaus mit den Brandstiftern: Wolfgang Paterok als Biedermann, Renate Hendricks als seine Frau Babette, York Dehnen als Schmitz und Gerd Walther als Eisenring vor den brennenden Kerzen. FOTO: mgr
Kleve. Max Frischs "Klassiker" kommt auf die Bühne des Klever XOX-Theaters. Samstag ist die Premiere. Damit startet das Theater mit neuen Produktionen, nachdem es wegen Brandschutzauflagen von der Stadt geschlossen worden war. Von Matthias Grass

Noch liegen die phosphorfarbenen Feuerwehrhelme locker auf den Stühlen. Doch bald werden sie gebraucht werden. Denn Brandstifter sind in der Stadt. Es sind die Stühle schräg neben der Bühne des Klever XOX-Theaters, auf denen die Helme vor der Generalprobe für das neue Stück abgelegt sind. Gleich wird dort - Helm auf - der Chor der Feuerwehr sitzen und mahnende Worte gen Bühne senden. Worte, die ungehört bleiben.

Wolfgang Paterok und sein XOX-Theater melden sich wieder zurück. Mit Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" kommt am Samstag, 22. August, 20 Uhr, das mit "Andorra" bekannteste Stück des Schweizers auf die Bühne des XOX-Theaters. Dann ist Premiere, zwei Aufführungen folgen am 4. und 5. September. Weitere Aufführungen sind im November und im Frühjahr geplant. Schulen sollten die Termine vormerken . . .

Denn es ist jenes berühmte "Lehrstück" vom Biedermann, der die Brandstifter unter seinem Dach beherbergt und den Männern auch noch die Streichhölzer zum zündeln anbietet. Ein einfaches wie eingängiges Stück mit ungeheurer Wirkung und von einer Vieldeutigkeit, mit der Frisch vielleicht selbst nicht gerechnet hatte. 1958 uraufgeführt, wurde es als Mahnung gegen kommunistische Infiltration ebenso interpretiert, wie vor allem in der jungen Bundesrepublik als Parabel auf die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. Es wird aber ebenso die Rücksichtslosigkeit und der Egoismus des Spießers vorgeführt, der seinen Angestellten in den Selbstmord treibt und dessen Witwe kühl abweist, während er sich den Brandstiftern anbiedert und letztlich angesichts der drohenden Gefahr völlig passiv bleibt. Sehend blind bis zur Katastrophe.

Der "Biedermann" ist ein Stück wie gemacht für die Bühne im XOX-Theater. Erstmals steht Theaterchef Paterok in seiner Inszenierung selbst auf der Bühne: Denn als Ernst Hansen krankheitsbedingt ausfiel, war kein Ersatz für die Rolle des Biedermanns da. Das Ensemble drängte den Regisseur. Er sagte zu. "Es ist nicht einfach", gestand Paterok, schon im dunklen Anzug fertig gewandet für die Generalprobe. Das Problem: Text lernen, Regie führen und zugleich auf der Bühne stehen und den Regisseur aus dem Kopf streichen. Denn sonst funktioniert das Spiel nicht.

Drei Monate hatte der Theaterchef Zeit, jetzt kommt mit der Premiere die Nagelprobe, wie es nach 50 Jahren Bühnen-Abstinenz mit der Schauspielerei klappt. "Einen Vorteil hat der Biedermann ja - er darf auf der Bühne rauchen", sagt der Regisseur und steckt sich einen Zigarillo an. Die Zigarre kommt dann zur Premiere. Für den Chor hat er sich einen Regiekniff für den Text einfallen lassen. Die Wehr kann im klassischen Versmaß die Kommentare zum Geschehen von einem Klemmbrett ablesen. York Dehnen wird bestimmt einen prächtigen Ringer Schmitz abgeben, Gerd Walther mit Zopf und im angedeuteten Frack den verschlagenen Eisenring. Die Biedermann-Gattin ist Renate Hendricks, die schmale Saskia Richter das Hausmädchen Anna, Elisabeth Verhuven führt den Chor.

Natürlich reagiert der Biedermann auch auf die zeitweilige Schließung des Theaters durch die Stadt Kleve wegen nicht erfüllter Brandschutzauflagen, wie es seitens der Bauverwaltung hieß. Gerne durchbricht Paterok dafür die bisherige Linie des XOX-Theaters, nur Stücke zu zeigen, die nicht älter als zehn Jahre sind.

Quelle: RP
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