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Kleverland
Zeit der Fusionen ist erst einmal vorbei

Kleverland. Nach dem großen Umbruch in den Gemeinden in den letzten Jahren soll das Ende der Strukturreformen erreicht sein. Von Sebastian Latzel

Vor fünf Jahren hatte Domkapitular Hans-Bernd Köppen mit seiner Vorstellung des Strukturplanes noch für ein mittelschweres Beben in mancher Pfarrgemeinde gesorgt.

Der Plan setzte den Umbruch in der Region fort, der vorher selbstständige Gemeinden in Großpfarreien zusammenfasste. Im Jahr 2000 hatte es im Kreisdekanat Kleve noch 94 eigenständige Pfarreien gegeben. 2010 waren es dann noch 46 und diese Zahl ist in den vergangenen fünf Jahren auf 35 gesunken.

Am Sonntag wird es die Zusammenlegung von Kellen und Rindern zu St. Willibrord geben, am 22. November werden sechs Gemeinden zu St. Martinus (Gocher Land) fusionieren. In der Zukunft ohne festen Termin steht noch eine Zusammenlegung der Gemeinden Rees, Millingen und Haldern an. Dann ist der Umbruch erst einmal abgeschlossen. Weitere Fusionen sind aktuell nicht geplant. Das war die klare Botschaft von Weihbischof Winfried Theising, der bei der Kreisdekanatsversammlung in Kevelaer die Entwicklung der letzten fünf Jahre skizzierte.

In diese Zeit fallen unter anderem die Fusionen der bereits zusammengeschlossenen Gemeinden St. Antonius (Hau, Bedburg, Qualburg) und St. Peter (Hasselt, Till, Husiberden) zu St. Johannes. Am Sonntag steht die Fusion der Gemeinden Kellen (Warbeyen, Griethausen, Kellen) mit Rindern (Keeken, Bimmen, Düffelward, Rindern) an. In Kalkar fusionierten Wissel, Grieth und Hönnepel zu St. Clemens.

"Als der Plan vorgestellt wurde, gab es viele verständliche Ängste", sagte der Bischof. "Aber ich bin der festen Überzeugung, dass die Umsetzung sehr gut gelungen ist. Menschen aus unterschiedlichen Gemeinden haben zusammengefunden." Die Sorgen der kleinen Gemeinden hätten sich nicht bewahrheitet. "Dort wurde nicht, wie befürchtet, alles dicht gemacht, im Gegenteil finden sich gerade die Dörfer gut wieder und tragen das Leben der großen Pfarreien entscheidend mit."

Theising erläuterte, dass die Gemeinden bei den Immobilien noch einmal genau hinschauen müssten: "Die Frage: Was ist wichtig, wovon können wir uns trennen, bleibt spannend." Teilweise hätten Gemeinden beispielsweise zu viel Fläche bei den Pfarrheimen. Der Bischof stellte aber klar, dass die Dörfer ihre Kirchen behalten. "Die Kirche soll im Dorf bleiben, das ist unser erklärtes Ziel." Dort sei die Identifikation mit dem "eigenen" Gotteshaus auch noch besonders hoch.

Die Kirche sei angesichts sinkender Priesterzahlen an den Veränderungen in den Gemeinden nicht vorbei gekommen. Und diese Situation werde sich in der Zukunft nicht verbessern. Im kommenden Jahr würden zwar acht neue Priester geweiht, allerdings hätten aktuell nur vier junge Männer mit der Ausbildung zum Priesterberuf begonnen. "Personal ist unser Hauptthema nicht Geld und Strukturen", betont der Bischof.

"Man kann nur mit den Ochsen pflügen, die da sind", verdeutlichte er die Situation plastisch und wies dabei noch einmal auf die Bedeutung des Ehrenamtes hin. Jeder müsse überlegen, wie er sich einbringen kann.

Gerade auf diesem Feld setze die katholische Kirche positive Signale. Zwar sei die Zahl der Mitglieder gesunken, die Zahl der Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren, würde aber stabil bleiben.

Das zeige sich derzeit beim Einsatz für die Flüchtlinge. Für den Bischof ganz besonders wichtig: "Hier müssen wir Vorbild sein, vor allem weil es bei dem Thema gerade um uns herum brodelt." Rechten Tendenzen dürfe man hier keinen Raum lassen. Die Kirche müsse dort aktiv nach vorne gehen und Position beziehen.

Quelle: RP
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