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Bedburg-Hau
Zu wenig Frauen in der Feuerwehr-Männerwelt

Bedburg-Hau. Die 18 Jahre alte Lina Howald ist eine von sieben Frauen bei der Freiwilligen Feuerwehr Bedburg-Hau. Dies bedeutet eine Frauen-Quote von 4,1 Prozent - sie liegt unter dem Landes- und Bundesschnitt. Von Michael Hendricks

Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bedburg-Hau, Stefan Veldmeijer, hat einen großen Wunsch. Der Chef der Brandbekämpfer in der Gemeinde sagt: "Wir brauchen mehr Frauen in unserer Feuerwehr. Ihre Gruppe ist bei den Freiwilligen Feuerwehren unterrepräsentiert". Bundesweit liegt der Frauenanteil bei zehn Prozent, in NRW sind es nur etwa sieben. Noch schlechter ist der Wert in Bedburg-Hau mit nur 4,1 Prozent.

Den Hauptgrund dafür kennt Klaus Elsmann, stellvertretender Leiter der Feuerwehr und verantwortlich für die Ausbildung. Er betont: "Viele Frauen haben Vorbehalte, in der Männerdomäne zu bestehen." Auch fürchten sie nach Einschätzung des Ausbilders, den körperlichen Anforderungen der anspruchsvollen ehrenamtlichen Tätigkeit im Dienste der Allgemeinheit nicht zu genügen.

Etwa 160 Angehörige zählt die Feuerwehr derzeit in Bedburg-Hau. Darunter sind lediglich sieben Frauen, die in den verschiedenen Einheiten tätig sind. Eine ist Lina Howald. Die 18-Jährige macht gerade Abitur und ist auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Trotzdem entschied sich die Schülerin für die ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr. Nach ihrem Einritt und der 150-stündigen Grundausbildung ist Lina Howald nun in der Einheit Schneppenbaum aktiv.

"Schon im ersten Lehrgang der Grundausbildung gab es überhaupt keine Akzeptanzprobleme. Egal, ob Frau oder Mann: Wir werden alle gleich behandelt. Von allen wird aber auch das Gleiche gefordert", sagt die passionierte Läuferin, die im Karneval auch im Gardetanz aktiv ist.

Veldmeijer und Elsmann sind sich einig und stellen klar: "Wir können niemanden bevorzugt behandeln oder von bestimmten Aufgaben befreien. Im Einsatzfall sind alle gleich und müssen funktionieren."

Als die erste Frau 1997 zur Bedburg-Hauer Feuerwehr kam, gab es zunächst viele Zweifel in den eigenen Reihen. Schließlich war die Truppe bis dahin eine reine Männertruppe gewesen. "Schaffen die Frauen das überhaupt? Diese Grundskepsis war weit verbreitet", erinnert sich Veldmeijer, der seit 1985 in der Feuerwehr ist. Längst sind die Frauen integriert. Oder wie er sagt: "Sie sind ein normaler Teil der Truppe."

Das weibliche Geschlecht brachte auch Veränderungen in die Männerwelt der Feuerwehr. "Es herrscht heute ein anderer Umgangston. Früher ging es öfter mal grober zur Sache", berichtet Michael Scholten, Einheitsführer in Schneppenbaum und selbst schon 42 Jahre im Dienst.

Und was sollte eine Anwärterin mitbringen, die sich für die Feuerwehr interessiert? "Ein wenig Kondition", meint Lina Howald. Vor allem die Übungen und Einsätze sind manchmal anspruchsvoll. "Wir mussten in der Ausbildung in voller Montur Brandeinsätze und Angriffsübungen simulieren. Das war manchmal anstrengend", gesteht Lina Howald. "Da lernt man auch mal seine Grenzen kennen."

In der Feuerwehr findet sich für jeden eine Aufgabe. Man muss nicht unbedingt schwindelfrei sein. Auch kein Ausdauersportler. Ihren Eintritt hat Lina Howald bis jetzt nie bereut. Sie betont: "Ich würde es immer wieder tun"

Die nächste Grundausbildung bei der Bedburg-Hauer Feuerwehr beginnt im Herbst dieses Jahres. Informationen zur Mitarbeit in der aktiven Wehr oder der Jugendfeuerwehr finden Interessierte auch im Internet: "http://www.feuerwehr-Bedburg-Hau.de" (unter dem Punkt "Die Wehr").

Die Löschzüge der Feuerwehr Bedburg-Hau absolvierten in der Gemeinde im vergangenen Jahr 105 Einsätze - im Vergleich zu 2014 war dies ein Anstieg um zehn Prozent. Die meisten Einsätze bleiben weiterhin Brände - gefolgt von technischen Hilfeleistungen und Rettungseinsätzen.

Quelle: RP
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