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Kleve
Zu wenig Geld für geförderten Wohnbau

Kleve: Zu wenig Geld für geförderten Wohnbau
Quartiere statt "Ghetto" lautet ein Motto der Klever Stadtverwaltung. Ein Beispiel ist der Abriss der Häuser in der Küppersstraße. Dort steht inzwischen die "Klimaschutzsiedlung Richard-van-de-Loo-Straße". FOTO: Gottfried Evers
Kleve. Der Bedarf ist riesig, das Angebot nicht. Die Fördertöpfe reichen bei weitem nicht aus. Bei der Zukunftswerkstatt von Rheinischer Post und Volksbank Kleverland diskutierten Experten darüber, wie die Klever künftig wohnen werden. Von Marc Cattelaens

Die Vision, die Jürgen Rauer, Technischer Beigeordneter der Stadt, für Kleve hat, liest sich wie die von Altkanzler Helmut Kohl, der einst "blühende Landschaften" versprach: "Wir wollen urbane, lebenswerte Räume schaffen mit einer attraktiven Mischung aus Wohnformen und darin verschiedene Bevölkerungsgruppierungen zusammenbringen", sagte er bei der jüngsten Zukunftswerkstatt von Rheinischer Post und Volksbank Kleverland. Quartier statt "Ghetto", lautet seine Devise. Dafür werden nun ganze Straßenzüge dem Erdboden gleich gemacht und mit neuen Gebäuden bebaut. Die Küppersstraße ist ein Beispiel dafür, ebenso die Haydnstraße/Mozartstraße. Weil der neu geschaffene, sozial verträgliche Wohnraum aber bezahlbar sein muss, gibt es öffentliche Fördergelder. Da beginnen die Probleme . . .

"Die Töpfe für geförderten Wohnbau sind schnell leer", betonte Kleves Stadtkämmerer Willibrord Haas. Die Stadt habe sich zum Ziel gesetzt, bis zu 400 Anträge für geförderten Wohnbau pro Jahr zuzulassen. Gestellt werden aber weit weniger, in einem Jahr etwa 100 in einem anderen Jahr nur acht. Unternehmer Bernd Zevens, dem mit seiner gleichnamigen Grundbesitz GmbH etliche private und gewerbliche Immobilien in der Schwanenstadt gehören, brachte eine Zahl ein, die deutlich macht, wo das Problem liegt: "Für den ganzen Kreis Kleve gibt es derzeit pro Jahr etwa sieben Millionen Euro an Zuschüssen für den so genannten sozialen Wohnungsbau." Nicht eingerechnet sind Sondertöpfe, aus denen denen sich auch Zevens mit seinem Unternehmen bedient. Mit diesen Geldern ließ Zevens beispielsweise die 91 Wohnungen auf dem ehemaligen "Schweizerhaus"-Gelände in Materborn errichten. Auch ein Teil der 150 Wohnungen, die der Unternehmer auf dem "Union"-Gelände bauen will, ist staatlich gefördert.

Joachim Beisel, Gunnar Ader, Marc Cattelaens, Jürgen Rauer, Willibrord Haas, Hans-Josef Kuypers, Rainer Borsch, Michael Dorißen, Bernd Zevens, Friedhelm Hülsmann und Matthias Grass (von links). FOTO: Klaus-Dieter Stade

Trotz dieser Dimensionen ist die Nachfrage nach gefördertem Wohnbau in Kleve größer als das Angebot. Während der Bestand an selbstgenutztem Wohneigentum in den vergangenen Jahren ziemlich stabil blieb, ist der Bestand an öffentlich geförderten Mietwohnungen zurückgegangen. Im Jahr 2008 gab es in Kleve noch 1717 öffentlich geförderte Mietwohnungen, im Jahr 2012 noch 1481 und am 31.12.2015 waren es dann 1326. Diese Zahlen legte Kämmerer Willibrord Haas vor.

Rainer Borsch, Geschäftsführer der Caritas in Kleve, sieht einen hohen Bedarf an bezahlbaren Wohnungen. Während beim geförderten Wohnbau die Höchstgrenze der Miete bei 5,25 Euro pro Quadratmeter liegt, gebe es viele Vermieter, die ihre nicht geförderten Wohnungen mit mehr als zehn Euro anböten. "Das kann sich von unseren Klienten niemand leisten. Der soziale Wohnungsbau kommt einfach nicht nach", betonte Borsch.

Jürgen Rauer berichtete von "rund 1000 Wohnungen in Kleve, die derzeit noch in Projekten stecken". Viele davon seien in einem Radius von 500 Metern um den Bahnhof angesiedelt. Ihm sei es wichtig, "Quartiere zu bilden, nicht eine Maximierung von Dichte zu erzeugen und nicht Schluchten von Miethäusern entstehen zu lassen."

Architekt Friedhelm Hülsmann sprach sich dafür aus, einen "Masterplan Stadtentwicklung" zu erstellen. "Wir müssen Städtewachstum organisieren und uns die Vision erlauben, dass wir in Kleve in einigen Jahren 60.000 oder 70.000 Einwohner haben. Die brauchen bezahlbaren Wohnraum", sagte Hülsmann.

Jürgen Rauer betonte, dass es durch Neubaumaßnahmen im Stadtgebiet "Verschiebungen" geben werde. "Die Frage ist, was da passiert, wo die Leute wegziehen", sagt Rauer. Die Stadt müsse steuern, Gebiete festlegen, in denen eine Verdichtung stattfinden soll. Michael Dorißen, Geschäftsführer der Gewoge Wohnungsgesellschaft GmbH aus Kleve, stimmte Rauer zu: "Der Druck auf die Besitzer von nicht sanierten Wohnungen wird zunehmen."

Quelle: RP
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