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Kreis Kleve
Zu wenig Hasen - Treibjagden abgesagt

Kreis Kleve: Zu wenig Hasen - Treibjagden abgesagt
Dieser Jäger hat einen Hasen erlegt - im Kreis Kleve und in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens ein immer seltener werdender Jagderfolg. FOTO: arfi
Kreis Kleve. Die Zahl der Hasen und Fasane ist im Kreis Kleve und in ganz Nordrhein-Westfalen dramatisch zurückgegangen. Experten versuchen, die Gründe für den Populationsrückgang zu erforschen. Von Dieter Dormann

Die Niederwild-Jagdsaison ist in vollem Gange. Doch beim Legen der Strecke nach einer Treibjagd ziehen die Revierbesitzer meist lange Gesichter. Hasen und Fasane haben die Waidmänner in vielen Jagdgebieten nur vereinzelt vor die Flinte bekommen. "Beim Niederwild hat es einen deutlichen Rückgang gegeben – außer bei den Gänsen ", bestätigt der Vorstands-Vorsitzende der Kreisjägerschaft Kleve, Gerhard Thomas. Angesichts der Tatsache, dass schon im Jagdjahr 2012/13 in den knapp 300 Jagdrevieren des Kreises Kleve die Zahl der erlegten Hasen im Vergleich zum Vorjahr um 20 und die Zahl der erlegten Fasane gar 39 Prozent gesunken sei, bewertet Gerhard Thomas die Situation als durchaus dramatisch.

"Seit 1966 jage ich, seit 1976 bin ich in Kleve – aber so einen Rückgang habe ich noch nie erlebt. Das ist ein gewaltiger Einbruch", Gerhard Thomas

Nicht nur die Reviere im Kreis Kleve registrieren diese Entwicklung. "Erhebliche Rückgänge" der Niederwild-Strecken sind nach Angaben von Andreas Schneider vom Landesjagdverband aus fast allen rund 7500 Revieren in Nordrhein-Westfalen – vor allem vom Niederrhein, aus Ostwestfalen und dem Münsterland – gemeldet worden.Noch nie seien in der Nachkriegszeit so wenig Hasen und Fasane in NRW geschossen worden, sagt Jürgen Eybert von der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung in Bonn. So seien im Jagdjahr 2011/12 in NRW erstmals weniger als 100.000 Hasen erlegt worden. "2012/13 hatten wir noch mal einen Rückgang um zwölf Prozent", vermeldet Jürgen Eybert.

Revierbesitzer reagieren vernünftig

Vielerorts reagieren die Revierbesitzer nach Ansicht von Gerhard Thomas und Andreas Schneider "vernünftig" auf die Situation. Sie sagen Treibjagden entweder ab, treiben nur noch an einem Nachmittag statt einen ganzen Tag lang oder verabreden, lediglich eine gewisse Anzahl an Tieren zu schießen. Zwar tragen auch diese Maßnahmen zu kleineren Strecken bei, der dramatische Rückgang der Populationen beim Niederwild ist nach Einschätzung von Jürgen Eybert dennoch unbestreitbar.

Doch warum gibt es im Kreis Kleve und in ganz NRW so wenige Hasen und Fasane? "Dazu gibt es derzeit ein großes Rätselraten", sagt Jürgen Eybert von der Forschungsstelle in Bonn, die im Auftrag des Ministeriums federführend mit anderen wissenschaftlichen Stellen – darunter auch die Tierärztliche Hochschule Hannover – seit Mitte 2012 nach Ursachen forscht. Konkrete Ergebnisse können die Experten bislang allerdings noch nicht vorweisen.

Pflanzenschutzmittel als Ursache für Polulationsrückgang?

"Spekuliert" wird laut Jürgen Eybert hingegen in alle Richtungen. Mancher sehe im Einsatz von neuen Pflanzenschutzmitteln den Grund für den Rückgang der Niederwild-Populationen. Andere hielten die Gärreste aus Biogas-Anlagen, die als Dünger auf die Felder ausgebracht würden, für verantwortlich.

"Es gibt sicher mehrere Faktoren, die zu der Entwicklung beitragen", meint Gerhard Thomas von der Kreisjägerschaft Kleve. Ein wesentlicher Faktor ist seiner Einschätzung nach jedoch die immer industrieller betriebene Landwirtschaft. Wenn beispielsweise in einer Niederung wie der Düffel zwischen Kranenburg und Kleve bis zu fünfmal pro Jahr große Grünlandflächen innerhalb sehr kurzer Zeit gemäht würden, dann sei es nicht verwunderlich, dass kaum ein Hase oder Fasan dort überlebe. Junghasen hätten auf Monokulturflächen ohne Deckung zudem wenig Chancen, Füchsen und Krähen zu entkommen.

Gerhard Thomas hofft, dass die Wissenschaftler bald Ursachen für den dramatischen Niederwild-Rückgang finden, und man entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen kann. Der Vorstands-Vorsitzende der Kreisjägerschaft Kleve weiß aber auch, dass Forschung Zeit braucht. Er rechnet mit sicherlich fünf Jahren – und hofft, dass es dann für Hase und Fasan noch nicht zu spät ist, die Population dann nicht schon so niedrig ist, dass eine Erholung nicht mehr möglich ist.

Quelle: RP
 
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