| 00.00 Uhr

Kalkar
Zwischen Freude und Enttäuschung

Kalkar: Zwischen Freude und Enttäuschung
Die Vorsitzende des Forums Kalkar, Britta Schulz, strahlt über ihren Wahlsieg. Die Miene von Kalkars Noch-Bürgermeister Gerhard Fonck hingegen versteinert mit der Bekanntgabe jeder Stimmbezirk-Auszählung mehr und mehr. FOTO: Stade
Kalkar. Die gewählte, neue Kalkarer Bürgermeisterin Britta Schulz vom Forum ist "überwältigt vor Freude". Noch-Amtsinhaber Gerhard Fonck und die CDU sind "enttäuscht". Die Wahlsiegerin sieht ihrer neuen Aufgabe mit "Respekt" entgegen. Von Dieter Dormann

Zwischen dem noch amtierenden Bürgermeister der Stadt Kalkar, Gerhard Fonck (CDU), und seiner "Herausforderin" Britta Schulz (Forum) lagen im Rathaussaal der Nicolaistadt während der Bekanntgabe der Auszählungsergebnisse in den einzelnen Stimmbezirken zur Stichwahl um den "Chefsessel" in der Verwaltung am Sonntagabend nur wenige Meter. Wie sehr sich die Stimmungslage der Kandidaten mit jedem verkündeten Ergebnis veränderte, war in den Mienen der beiden deutlich ablesbar. Britta Schulz Strahlen wurde immer freudiger, Gerhards Fonck Gesichtszüge - und auch die seiner CDU-Parteigenossen, die ihm zur Seite standen - wurden immer ernster. Man könnte auch sagen: immer trauriger.

Britta Schulz war, nachdem ihr Wahlerfolg feststand, bald mit Freunden aus dem Forum und anderen Unterstützern in das "Marktstübchen" am Kalkarer Marktplatz gezogen. Dort, wo im Frühjahr 2014 die Wählergemeinschaft Forum gegründet worden war, die dann im Herbst der jahrzehnte-währende absoluten Mehrheit der Christdemokraten im Rat der Nikolaistadt ein Ende bereitete und selbst mit elf Sitzen stärkste Fraktion wurde, feierte die 56-jährige Agrarwissenschaftlerin. "Mit Sekt - das ist doch wohl angemessen nach diesem Sieg", sagte Britta Schulz gestern. Um sofort hinzuzufügen, sie sei am Vormittag in der Emmericher Liebfrauen-Grundschule bereits ihrer Arbeit nachgegangen. "Dienst ist Dienst", meint die Wahl-Siegerin.

Die Vorsitzende des Forums Kalkar, Britta Schulz, strahlt über ihren Wahlsieg. Die Miene von Kalkars Noch-Bürgermeister Gerhard Fonck hingegen versteinert mit der Bekanntgabe jeder Stimmbezirk-Auszählung mehr und mehr. FOTO: Stade

Welche Aufgaben ihr Dienstplan ab dem 21. Oktober im Kalkarer Rathaus umfassen wird, das weiß Britta Schulz noch nicht so genau. Dennoch blickt die 56-Jährige zuversichtlich in ihre berufliche Zukunft - auch wenn sie eingesteht, dass sie vor den damit verbundenen Anforderungen "großen Respekt" habe. Lähmen lassen will sie sich davon aber keineswegs. Im Gegenteil. Schon am Wahlabend hat die Wahlsiegerin nach eigener Aussage erste Gespräche mit erfahrenen Amtskollegen geführt - mit Peter Driessen aus Bedburg-Hau und mit Ulrich Francken aus Weeze, die im Kalkarer Rathaussaal waren. Von ihnen - und von anderen - will sich Britta Schulz in den nächsten Tagen Tipps und Ratschläge geben lassen. Zudem setzt sie auf "gute Zusammenarbeit" mit den Mitgliedern der Kalkarer Verwaltung und mit den Ratsparteien. Auf alle will die neue Bürgermeisterin "offen" zugehen. "Das muss ich doch", sagt die Vorsitzende des Forums.

In der Kalkarer CDU ist man (skeptisch) gespannt, ob und wie die neue Bürgermeisterin ihre Aufgaben meistern wird. Doch die Christdemokraten wollen auch ihre eigene Leistung kritisch unter die Lupe nehmen. Noch im Oktober werde die CDU laut dem Stadtverbands-Chef und Fraktionsvorsitzenden der Partei, Klaus-Dieter Leusch, eine Bilanz der geleisteten Arbeit ziehen und Ziele überprüfen sowie eventuell neue setzen. CDU-Politik in Kalkar durchzusetzen, dürfte laut Einschätzung von Klaus-Dieter Leusch in Zukunft aber bedeutend schwieriger werden. Auch weil die SPD sich mit ihrer Wahlempfehlung für Britta Schulz vor der Stichwahl eindeutig auf die Seite des Forums geschlagen habe.

Ob der "enttäuschende" Ausgang der Stichwahl innerhalb der Kalkarer CDU zu personellen Konsequenzen führen wird, lässt der Klaus-Dieter Leusch offen. Schon länger angekündigt sei lediglich sein Rücktritt vom Amt des Stadtverbands-Chef. "Dadurch soll die Möglichkeit gegeben werden, dass ein deutlich Jüngerer in das Amt kommt", sagt der ehemalige Bundeswehrsoldat. Zudem schließt er nicht aus, auch sein Amt als Fraktionsvorsitzender im Rat der Nikolaistadt zur Verfügung zu stellen. Doch darüber müsse erst noch partei-intern diskutiert werden. Fest steht für den Kalkarer CDU-Chef aber eins: "Wir müssen aktiv sein. Nun nur vor sich hin zu dümpeln, das geht nicht."

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kalkar: Zwischen Freude und Enttäuschung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.