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Prozess
100-Euro-Blüten für eine Spielekonsole

Köln. Ein 44-Jähriger musste sich am Donnerstag vor dem Kölner Amtsgericht verantworten, weil er verdächtig ist,  Falschgeld in Umlauf gebracht zu haben. Der Angeklagte will nichts davon gewusst haben, dass er eine Spielekonsole mit Blüten bezahlt hat. 

Von den Zuschauerplätzen ist ein leises Schluchzen zu hören: Die Mutter des Angeklagten kann ihre Tränen beim Anblick des Sohnes nicht zurückhalten. Er sitzt derzeit in der JVA Aachen wegen eines anderen Delikts ein: mehr als ein Kilogramm Marihuana hatten Ermittler bei ihm gefunden. In Köln geht es um einen Fall vom 13. Dezember 2015. Damals traf der 44-Jährige sich am späten Abend mit einem Mann in Köln-Niehl, der ihm eine Spielekonsole für 270 Euro verkaufte. Als der Verkäufer die drei 100-Euro-Scheine, die der Angeklagte ihm gegeben hatte, bei einer Bank einbezahlen wollte, fiel auf, dass es Falschgeld war. 

"Ich wusste das nicht", beteuert der Angeklagte vor Gericht. Das Geld habe er von seinem Bruder bekommen, für dessen Kinder sei auch die Konsole bestimmt gewesen. "Der wusste es aber auch nicht", sagt er. 

Nach einiger Diskussion mit der Staatsanwältin stellte die Amtsrichterin das Verfahren vorläufig ein - weil bei dem Prozess in Aachen, dem der 44-Jährige sich bald stellen muss, ohnehin eine höhere Strafe zu erwarten ist. Milde gestimmt hatte die Richterin am Donnerstag aber vor allem, dass Angeklagte dem Geschädigten das Geld bar zurückzahlte - mitgebracht hatte die echten Hunderter sein Bruder. 

Bevor zwei Justizbeamte ihn wieder in seine Zelle nach Aachen brachten, gab es noch eine herzliche Umarmung für die Mama, die immer noch weinte. 

(hsr)
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