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Nach Festnahme
16-jähriger Syrer bekennt sich zum Islamischen Staat

16-jähriger Syrer bekennt sich zum Islamischen Staat
FOTO: dpa, hka hjb
Köln. Zehn Tage nach der Festnahme eines 16 Jahre alten Syrers in einer Flüchtlingsunterkunft in Köln-Porz gibt es neue Erkenntnisse zu den Ermittlungen: Der Jugendliche hat sich in einer Vernehmung als Anhänger des "Islamischen Staat" (IS) bekannt und den Ermittlern bestätigt, dass er eine Bombe bauen wollte. Von Claudia Hauser und Christian Schwerdtfeger

Dies geht aus einem Bericht des Innenministeriums hervor, der unserer Redaktion vorliegt. Bei einer ersten Überprüfung des Jugendlichen am 10. Juni 2016 hatte er den Beamten noch gesagt, er schreibe "nur aus Spaß" mit Freunden in Syrien über den IS.

Die Heimleitung hatte die Polizei damals darüber informiert, dass der Junge Nachrichten und Bilder mit Bezug zum IS verschicke und sein Verhalten sich verändere. Mitbewohner hatten bemerkt, dass er in eine andere Himmelsrichtung als üblich bete und nur noch Obst esse, weil er das für "rein" hielt.

Die Familie des Jugendlichen hatte nach dessen Festnahme betont, er sei eben in der Pubertät, außerdem Vegetarier und nicht weniger seltsam als andere pubertierende Jugendliche.

Chat-Partner forderte den Jugendlichen zum Bombenbau auf

Die Auswertung der Chats auf seinem Mobiltelefon mit Hilfe einer Dolmetscherin zeigte jedoch, dass der 16-Jährige sich seit dem 4. September regelmäßig mit einer unbekannten Person in arabischer Sprache austauschte. "Der Chatverlauf verdeutlicht eine zunehmende Radikalisierung", heißt es in dem Bericht des Ministeriums. Der unbekannte Kommunikationspartner forderte den Jungen demnach etwa auf, Bomben herzustellen und "bei Euch" explodieren zu lassen.

Der 16-Jährige habe sich sehr interessiert gezeigt und zurückgefragt, wie man Sprengkörper herstellen könne. Außerdem fragte er, ob er Personen töten dürfe, die selbst niemanden getötet hätten. Sein Chat-Partner bejahte dies und verwies auf die Legitimation des IS.

Die Kölner Staatsanwaltschaft leitete daraufhin ein Strafverfahren wegen des  Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Gewalttat ein. Seit dem 21. September ist der Jugendliche in Untersuchungshaft. 

Marc Lürbke, Innenexperte der FDP-Landtagsfraktion sagte unserer Redaktion: "Die Sicherheitsbehörden haben in diesem Fall gut und schnell reagiert. Es muss aber nun in den weiteren Ermittlungen umfassend geklärt werden, wer genau die Hintermänner sind und wie generell der konkrete Kontakt von Jugendlichen zu möglichen Auftraggebern im Ausland zustande kommen kann. Wir dürfen nicht zulassen, dass junge Menschen über Whatsapp radikalisiert und mit offenbar klaren Aufforderungen und Anweisungen motiviert werden, in NRW Anschläge zu begehen." Das 'Fernsteuern‘ von jungen Menschen bis hin zum Anschlag müsse sofort ein Ende finden. Umso wichtiger sei es, die Kanäle zu den geistigen Brandstiftern aufzudecken und auszutrocknen. Zudem sei neben einer noch viel stärker flächendeckenden Ausdehnung und qualitativen Aufwertung des Projektes  "Wegweiser" in NRW auch endlich klare Leitfäden für Schulen, Jugendzentren und Kommunen nötig, um überall im Land mögliche Anzeichen von Radikalisierung früh erkennen zu können.

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