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Prozess in Köln
20.000 Seiten Telefonprotokolle sollen Einbrecher überführen

Köln. Sie sollen serienweise in Einfamilienhäuser rund um Köln eingebrochen sein und Beute im Wert von 150.000 Euro gemacht haben: Zwei mutmaßliche Mitglieder einer rumänischen Einbrecherbande müssen sich nun vor dem Kölner Landgericht verantworten. Von Claudia Hauser

Sie kamen am hellichten Tag, warfen die Terrassentüren mit Steinen ein und durchsuchten reihenweise Einfamilienhäuser nach Geld, Schmuck, Laptops und Mobiltelefonen – davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Die Ermittler hörten monatelang Telefonverbindungen ab, observierten die mutmaßlichen Täter und sprengten mit einigen Festnahmen im Herbst 2015 schließlich die komplette rumänische Einbrecherbande. Zwei Mitglieder müssen sich seit Dienstag wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Kölner Landgericht verantworten. Gegen weitere mutmaßliche Beteiligte wird gesondert ermittelt.

50 Einbrüche in Köln, Bergisch Gladbach und dem Ruhrgebiet

Die Anklage legt Adrian K. und Milan W. (Namen geändert) fast 50 Fälle zur Last. Die 24 und 27 Jahre alten Männer, die in Deutschland keinen festen Wohnsitz haben, sollen in einer Gruppe mit bis zu fünf Beteiligten von Juni bis Oktober 2015 freistehende Einfamilienhäuser in Köln, Bergisch Gladbach, aber auch im Ruhrgebiet, im Münsterland und Niedersachsen ausgekundschaftet haben. Bei anschließenden Einbrüchen sollen sie Beute im Wert von mehr als 150.000 Euro gemacht haben. Oft sollen sie an einem Vormittag in drei oder vier Gebäude hintereinander eingebrochen sein. Zur Flucht nutzten sie unauffällige Autos, die auf Scheinhalter zugelassen oder ihnen von gutgläubigen Bekannten geliehen worden waren. 

Die Staatsanwältin brauchte 45 Minuten, um alle Fälle vorzutragen. Die beiden Angeklagten schauten immer wieder aufmunternd in den Zuschauerbereich, wo einige Verwandte saßen, Frauen und Kinder.

20.000 Seiten Telefonprotokolle

Die Verteidiger, Helge Boelsen und Christoph Klein, teilten mit, dass ihre Mandanten sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern werden. Stattdessen beantragten sie, das Verfahren auszusetzen, da sie keine vollständige Akteneinsicht bekommen hätten – dazu gehörten vor allem die Protokolle der abgehörten Telefonate. Um die immerhin mehr als 20.000 Seiten zu lesen, brauche er nahezu drei Monate, rechnete Boelsen vor. Die Staatsanwältin wies den Vorwurf zurück, sämtliche Akten seien den Verteidigern zugestellt worden.

Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt.

 

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