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Ex-Freundin in Köln erwürgt
30-Jähriger zu elf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt

Ex-Freundin in Köln erwürgt: 30-Jähriger zu elf Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt
Der Angeklagte Yakup B. (l.) mit seinen Anwälten Thomas Gros (M.) und Peter Krieger im Kölner Gericht FOTO: Hauser
Köln. Vor dem Kölner Landgericht ist das Urteil gegen einen 30-Jährigen gefallen, der seine Verlobte mit einem Handtuch erdrosselt und die Leiche im Keller versteckt hat: Yakup B. muss wegen Totschlags elf Jahre in Haft. Von Claudia Hauser, Köln

Das grün-weiß-karierte Küchenhandtuch, mit dem Wiebke O. getötet wurde, war so fest um ihren Hals geknotet, dass ein Ermittler es mit einem Messer aufschneiden musste. Der Vorsitzende Richter der 21. Großen Strafkammer spricht von einem "extrem festen Zug". Die Kammer nimmt Yakup B. deshalb nicht ab, dass er während der Tat in der Nacht auf den 16. Mai dieses Jahres sturzbetrunken war und unter dem Einfluss von Kokain stand. Das hatte er ausgesagt. Eine reine Schutzbehauptung, so wertet es das Gericht.

Die Tote mit Unrat zugeschüttet

Der Angeklagte schaffte die Leiche der 29-Jährigen nach der Tat in den Keller und "schüttete sie mit sämtlichem Prüll zu, legte dann noch einen Lattenrost auf die Tote", wie der Vorsitzende sagt. All das wäre mit einem Blutalkoholwert von drei bis vier Promille kaum möglich ­­– den hätte Yakup B. gehabt, wenn er tatsächlich die Mengen Wodka und Bier getrunken hätte, die er angegeben hat. "Das wäre ein hochgradiger Rausch gewesen", sagt der Richter.

Yakup B. hatte zwar ein Geständnis abgelegt, das ist aber "an Minimalismus nicht zu unterbieten", so der Vorsitzende. "Drei Kinder haben ihre Mutter verloren." Das jüngste Mädchen ist gerade mal zwei Jahre alt. Es war in der Wohnung, als die Mutter getötet wurde.

Der Tod der Frau sei das "tragische Ende einer wechselvollen Beziehung". Schon vor Jahren stand der 30-Jährige vor Gericht, weil er Wiebke O. angefahren haben soll. Sie verweigerte damals die Aussage, um ihn zu schützen.

Nachricht an die Freundin 

In der Tatnacht kam sie spät nach Hause. Sie hatte den Abend mit einer Freundin verbracht, über die Beziehungsprobleme mit Yakup B. gesprochen. Um 2.29 Uhr schrieb Wiebke O. der Freundin eine SMS: "Bin zu Hause, noch kein Stress. Er ist im Wohnzimmer, ich in der Küche. Schlaf gut und danke nochmal." Die Freundin las die Nachricht am nächsten Morgen. Da war Wiebke O. schon tot.

Yakup B. spielte ihren Freunden und Verwandten vor, sie sei nicht nach Hause gekommen. Die zweijährige gemeinsame Tochter brachte er zu seinen Eltern und meldete Wiebke O. am Abend nach der Tat als vermisst. Vier Tage später erschien Yakup B. mit seinem Anwalt im Polizeipräsidium und nannte den Beamten den Ort, wo Wiebke O.s Leiche lag.

Sehr viel mehr sagte er kaum. Auch nicht während des Prozesses. Unklar bleibt deshalb, was genau in jener Nacht geschehen ist, warum sich das Paar gestritten hat oder ob Yakup B. seine Verlobte möglicherweise im Schlaf erdrosselt hat. Ein Rechtsmediziner konnte keine Abwehrverletzungen feststellen. "Was genau passiert ist, wissen nur Sie", sagt der Vorsitzende.

Yakup B. nimmt das Urteil äußerlich reglos zur Kenntnis. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre Haft gefordert. 

 
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