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Kultur in Köln
Abgetaucht in eine bunte Traumwelt

Kultur in Köln: Abgetaucht in eine bunte Traumwelt
Auch das starke Bühnenbild und die fantasievollen Kostüme begeisterten das Publikum. FOTO: Matthias Jung
Köln. In der Kinderoper Köln feiert Jacques Offenbachs Werk "Hoffmanns Erzählungen" im Staatenhaus eine umjubelte Premiere. Die Kurzfassung läuft noch den ganzen April.

Ein klein wenig erinnert diese bunte und wundersame Welt auf der Bühne der Kinderoper im Staatenhaus an einen märchenhaften Comic. Mit einem starken Bühnenbild (Julius Theodor Semmelmann) und grandios fantasievollen Kostümen (Valerie Hirschmann) bringen Kai Anne Schuhmacher und Ralf Soiron "Hoffmanns Erzählungen" kindgerecht, unterhaltsam und doch anspruchsvoll auf die Bühne im Staatenhaus. Dafür gab es vom Premierenpublikum der Kinderoper am Samstagnachmittag minutenlangen Applaus.

Zu Beginn sitzt der Dichter Hoffmann verzweifelt inmitten seiner Zettelwüste und bringt keine einzige Zeile zu Papier. Das unheimliche Phantom sieht ihn als perfektes Opfer und will sich seine Seele sichern. Auch seine Dichtermuse, fantasievoll dargestellt als lebendes Tintenfass, kann ihn aus dieser tiefen Depression nicht retten. Die einzige Chance scheint es zu geben, wenn es ihr gelingt, Hoffmann in dessen Traumwelt zu führen. Und die zeigt sich ziemlich bunt und manchmal auch etwas schauerlich. So hält der Dichter sein eigenes Spiegelbild als Puppe in Händen und auch sonst ist diese fremde Welt voll im Griff der Puppen und automatischen Wesen. Selbst das Phantom, das ihm gefolgt ist, wandelt sich in eine merkwürdige Puppengestalt. Im Traumland trifft Hoffmann seinen alten Physikprofessor wieder, der mit Olympia einen singenden Roboter geschaffen hat.

Ihr gilt durch eine Zauberbrille des Phantoms die große Liebe Hoffmanns, doch der düstere Bösewicht lässt den Traum platzen und den Roboter explodieren. Bei dem weiteren Gang durch die Traumwelt entdeckt Hoffmann seine alte Freundin Antonia, die wegen einer schweren Krankheit nicht mehr singen darf und deshalb ebenso verzweifelt ist wie der Dichter. Fantasievoll ist hier das Bühnenbild mit Notenlinien, die von der Decke herabkommen und Noten, die sich in diesen verfangen.

Das Phantom schafft es, Antonia mit der Stimme des Ruhms trotz aller Warnungen zum Singen zu bewegen. Als sie das aus voller Kehle tut, bricht sie tot zusammen. Ihr Freund und seine Muse können nichts mehr für sie tun. Jetzt kommt der letzte Schritt des Phantoms, der sich nun mit Hilfe einer Zauberin und deren gefahrvollen Spiegeln endgültig Hoffmanns Seele greifen möchte. Doch der Spiegel zerbricht und das Traumland bricht in sich zusammen. Hoffmann kehrt zurück in seine Welt und beginnt sofort seine Abenteuer aufzuschreiben. Am Ende erwachen in seiner Fantasie alle Figuren wieder zum Leben.

Offenbachs große Oper ist in der Kinderoper in einer begeisternden Kurzfassung jetzt für die gesamte Familie zu sehen. In der neuen, gut einstündigen Version finden sich alle wichtigen musikalischen Höhepunkte des Werks wieder und werden in einem bunten Bühnengeschehen inklusive der großartigen Puppen in ein völlig neues Licht gestellt. Erzählt wird die Oper mit fantasie- wie humorvollen Einfällen von den Kreativteams der Oper Köln. Zu den Besonderheiten des Stücks zählt das Programmheft, das passend zur Oper als Comicstreifen dem Publikum an die Hand gegeben wird. Gezeichnet wurden diese von der 16-jährigen Michaela Riger aus Wiehl. Sie ist als Siegerin bei einem Wettbewerb der Oper hervorgegangen. Die Comics sind auch als Poster erhältlich.

Stephan Eppinger

Quelle: RP
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