| 13.36 Uhr

"Abi-Krieg" in Köln
Polizei bildet Ermittlungskommission

Chronik: Bei diesen Abi-Streichen kam die Polizei
Chronik: Bei diesen Abi-Streichen kam die Polizei
Köln. Die Bilanz der Abi-Feiern von Köln ist erschreckend: Mehrere Jugendliche verletzten sich, unter anderem sollen rivalisierende Schüler mit Glasflaschen, Böllern und Eiern aufeinander losgegangen sein. Die Polizei richtet eine Ermittlungskommission ein. Doch auch gegen sie werden Vorwürfe laut. 

200 angehende Abiturienten haben in Köln erneut randaliert und sich zum Teil schwere Auseinandersetzungen geliefert. Zwei Jugendliche wurden in der Nacht zu Dienstag schwer am Kopf verletzt, berichtete ein Polizeisprecher. Ein weiterer Jugendlicher verletzte sich leicht. Rivalisierende Schülergruppen waren am Humboldt-Gymnasium in der Südstadt aufeinander losgegangen.

Die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Körperverletzung und Landfriedensbruch. Nach Informationen unserer Redaktion soll eine Ermittlungskommission gebildet werden. Sie soll die Straftaten rund um die Abi-Randale aufklären. "Mit wie viel Personen die besetzt ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht sagen", sagte ein Sprecher der Kölner Polizei.

Nach ersten Erkenntnissen bewarfen die Schüler sich mit Gegenständen, ein Polizeisprecher sprach von Wasserbomben, Farbbeuteln und Eiern. Ein Jugendlicher verletzte sich zudem leicht. Vermutlich seien aber auch gefährlichere und härtere Geschosse im Spiel gewesen, sagte er. "Anders sind die schweren Verletzungen nicht zu erklären." Die Polizisten mussten Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die zum Teil sehr aggressiven Jugendlichen einsetzen. Zehn Schüler kamen in Gewahrsam.

Auf Facebook wird Kritik an Polizei laut

Die Polizei prüft außerdem einen Zusammenhang zwischen einem weiteren Vorfall in der Nacht und den eskalierenden Abifeiern: Auf einer Straße in Rodenkirchen seien Molotowcocktails gezündet worden. Allerdings sollen weder Menschen noch Gebäude beworfen worden sein. Ein Tatverdächtiger sei festgenommen worden, weitere seien flüchtig. Ein Video auf Youtube lässt die Ausmaße der Randale erahnen.

Auf Facebook distanzierten sich Schüler von der Gewalt: "Wir, die 12. Klasse des Humboldt Gymnasiums, beenden hiermit den "Abikrieg"", wurde auf der Seite "Schweinerei 2016" am Dienstagmorgen geschrieben. "Es ist deutlich zu weit gegangen. Wir wurden mit Glasflaschen, Böllern, Eiern und Steinen abgeworfen. Wurfgeschosse, von denen sich jeder gesunde Mensch distanziert!" Ob mit Glasflaschen, Böllern und Steinen geworfen wurde, konnte die Polizei zunächst nicht bestätigen. Die Schüler werfen der Polizei vor, dass diese nicht reagiert habe, als die Schüler sie um einen Krankenwagen und Hilfe baten.

Liebe Abiturienten/Presse/Polizei/Kriminelle,wir, die 12. Klasse des Humboldt Gymnasiums, beenden hiermit den '...

Posted by Schweinerei 2016 on  Montag, 14. März 2016
In einem Internet-Video posierten Abiturienten auch mit Waffen. FOTO: Screenshot Youtube

In einem Schreiben wandte sich ein Vater eines Abiturienten an die Deutsche Presse-Agentur. Der Abi-Jahrgang des Humboldt-Gymnasiums hatte demnach beschlossen, die eigene Schule mit Wasserpistolen und -gewehren zu "verteidigen". Andere Schulen hatten sich dem Schreiben zufolge verständigt, die Schule gemeinsam anzugreifen. Der "Angriff" sei fortgesetzt worden, als sich die Schüler des Gymnasiums schon zurückgezogen hatten, hieß es weiter. Die Polizei sei von Anfang an dabei gewesen, habe aber erst "relativ spät" eingegriffen.

Die Polizei kündigte nach einem Krisengespräch mit Vertretern der Staatsanwaltschaft und der Stadtverwaltung an, ihre Präsenz an den Schulen ab Dienstagabend noch einmal zu erhöhen. "Wir werden uns mit noch stärkeren Kräften im Einsatzraum aufstellen", sagte der Sprecher. 

Bereits in der Nacht zu Montag hatten mehrere Hundert Abiturienten insgesamt 15 Einsätze der Polizei ausgelöst und Sachbeschädigungen an sieben Gymnasien verursacht. Laut Polizei waren auch Anzeigen wegen teils gefährlicher Körperverletzung sowie Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz geschrieben worden. Man habe Drogen beschlagnahmt, außerdem Baseballschläger und eine zur Schlagwaffe umgebaute Fahrradkette.

(csh/haka/url/dpa/AFP)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Abiturienten in Köln: Mottowoche eskaliert - Schüler distanzieren sich


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.