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Köln
"Als Künstler hat man Verantwortung"

Köln: "Als Künstler hat man Verantwortung"
Roland Kaiser stand zuletzt in Dresden bei vier großen Open-Airs am Elbufer vor jeweils 12.000 Fans auf der Bühne. Am 26. August kommt er an den Rhein und lädt die Fans zum Kölner Open Air am Otto-Maigler-See in Hürth-Gluel an der Stadtgrenze zu Köln. FOTO: dpa
Köln. Roland Kaiser kommt am 26. August zum Kölner Open-Air. Im Interview spricht er über sein politisches Engagement, über die überstandene Krankheit und das aktuelle Album. Im März gibt es einen weiteren Auftritt in der Deutzer Arena. Von Stephan Eppinger

Herr Kaiser Sie haben klar gegen Pegida in Dresden Stellung bezogen. Hatten Sie keine Sorge, dass weniger Fans zu den Open-Airs dort kommen?

Roland Kaiser: Dresden ist eine wunderschöne Stadt, in die ich mich sofort verliebt habe. Umso mehr habe ich mich geärgert, dass eine Bewegung wie Pegida ihren dunklen Schatten auf diese Stadt geworfen hat. Als Künstler auf der Sonnenseite des Lebens hat man auch eine Verantwortung und ist verpflichtet, der Gesellschaft etwas zurückzugegeben. Nur in die Welt zu gehen, um Geld zu sammeln, ist für mich zu wenig. Und trotz meines Statements waren es nicht weniger Zuschauer, die zu den vier Konzerten gekommen sind.

Und trotzdem gab es teils heftige Reaktionen auf Ihrer Facebook-Seite?

Kaiser: So etwas lese ich nicht, weil ich solchen Heckenschützen keinen Platz in meinem Leben geben will. Irgendwann hört das von alleine auf.

Wie beurteilen Sie Bewegungen wie Pegida?

Kaiser: Das, was sich gerade in Deutschland abspielt, ist ein europäisches Problem. Gäbe es im vereinten Europa mehr Solidarität, müssten wir uns nicht fragen, wo und wie man die Flüchtlinge unterbringt. Sind es nur wenige Länder, die Verantwortung übernehmen, ist das gefährlich für Europa. Aber ich bin optimistisch, dass wir hier eine Lösung finden werden.

Zur Zeit haben viele Politiker mit radikalen Lösungen wie Donald Trump das Sagen. Warum ist das so?

Kaiser: Die etablierten Parteien bieten keine Lösungen für Probleme an, die den Menschen unter den Nägeln brennen. Da entwickeln sich solch radikale Strömungen.

Sie sind ein politischer Künstler, der Mitglied in einer Partei ist, und der sich politisch engagiert. Könnten Sie sich eine Kandidatur als Kanzler vorstellen?

Kaiser: Ich werde mich hüten, so etwas zu tun. Ich bin Künstler und kein Politiker.

Welche Rolle spielt der Schlager heute?

Kaiser: Wir machen einfach Musik und wollen die Menschen unterhalten. Ein Schlager ist ein Hit, den die Menschen nachsingen. Nach dieser Definition habe ich kein Problem, wenn meine Lieder zu Schlagern werden. Musik spricht eine klare Sprache und ermöglicht es den Menschen wie bei einem großen Open-Air, zwei Stunden abzuschalten. Es gibt genügend schlechte Nachrichten in unserer Welt.

Sind dann die großen Open-Airs Selbstläufer?

Kaiser: Nein, das sind sie nicht. Ich bin immer gespannt, ob es funktioniert, und weiß, dass ich auf der Bühne immer auch Leistung zeigen muss, damit die Stimmung so ist, wie sie sein soll. Dafür halte ich mich auch fit und mache Ausdauersport.

Sie sind von Ihrer schweren Lungenkrankheit komplett genesen. Wie hat Sie das verändert?

Kaiser: Das hat mich deutlich entspannter gemacht. So eine Krankheit relativiert sehr viel. Da bleibt nach der Genesung kein Platz mehr für Ängste und Sorgen. Was soll mir noch passieren?

Auf dem aktuellen Album verzichten Sie auf selbst geschriebene Texte.

Kaiser: Ich wollte nicht mehr als Texter für mich arbeiten und lasse da lieber mal andere Autoren ran, um neue Perspektiven aufgezeigt zu bekommen. Schreiben würde ich lieber für andere Kollegen.

Quelle: RP
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