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Alteburger Hof in Köln
Wie viel müsste gutes Fleisch kosten?

Alteburger Hof in Köln: Wie viel sollte gutes Fleisch kosten?
Daniel Rabe (36), Wirt des Alteburger Hofs in Köln. FOTO: Daniel Rabe
Erkelenz/Düsseldorf. Der Wirt des Alteburger Hofs in Köln will seinen Kunden kein billiges Fleisch aus Massentierhaltung mehr auftischen. Das 500-Gramm-Kotelett für zwölf Euro fliegt von der Speisekarte. Was müsste gutes Fleisch stattdessen kosten? Von Jessica Balleer, Claudia Hauser und Milena Reimann

Es erfordert sicherlich einen gewissen Mut, das Lieblingsgericht seiner Kunden von der Speisekarte zu streichen. Doch Daniel Rabe konnte die eigene Doppelmoral nicht mehr ausstehen: Zuhause landet Biofleisch auf seinem Teller – und bei den Kunden in seiner Kultkneipe Alteburger Hof in der Kölner Südstadt ein XXL-Kotelett für wenige Euro pro Kilo. Für zwölf Euro verkaufte er 500 Gramm Fleisch als Tellergericht und ist sich sicher: Manche Gäste kamen nur deswegen. Das ist jetzt vorbei. Seit Dienstag gibt es eine neue Speisekarte, ohne Kotelett, dafür mit Kaninchen von einem Familienbetrieb aus der Voreifel.

Auslöser für sein Umdenken war die Diskussion um das jüngste Billigfleischangebot eines Discounters: Dieser hatte 600 Gramm "BBQ Nackensteak" für 1,99 Euro angeboten. Nachdem sich ein Kunde per Facebook-Post über den Spottpreis echauffierte, entbrannte die Debatte um den Wert des Lebensmittels Fleisch neu. Abgepackte Fleischberge in minderer Qualität kennen viele Kunden aus den Kühltruhen deutscher Supermärkte. Heimlich gedrehte Videos aus Ställen mit Massentierhaltung zeigen immer wieder, wie Tiere zusammengepfercht in ihrem eigenen Kot stehen.

Der Preis ist ein wichtiger Indikator beim Kauf 

Einer, der es besser machen will, ist Fleischermeister Dirk Rösken in Erkelenz. Wer bei ihm kauft, bekommt Qualitätsfleisch. Rösken bezieht sein Schweinefleisch von der "Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall" und hat zudem eine eigene Herde dieser Qualitätsrasse. Freier Auslauf und ein Futterprogramm mit strengen Auflagen sind der Standard – frei von Gentechnik und ohne Antibiotika. Jedes Tier hat mindestens 30 Quadratmeter Platz, Weideschweine bis zu 300. In Deutschland sind eigentlich nur 0,75 Quadratmeter pro ausgewachsenem Schwein gesetzlich vorgeschrieben. Im konventionellen Betrieb werden Schweine nach etwa sieben Monaten geschlachtet. Bei Rösken werden sie mindestens zwölf Monate alt. "Erst dann kann das Fleisch intramuskuläres Fett bilden und Geschmack entwickeln", sagt er.

FOTO: Zörner

Der Preis pro Kilo Fleisch sagt zwar nicht direkt etwas über Haltung und Qualität aus, aber er ist ein wichtiger Indikator beim Kauf. Denn wer mehr zahlt, hofft meist auch auf bessere Qualität. "Im Moment sagt der Preis aber nicht viel über die Situation der Tiere aus", sagt Andreas Winkler von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Bessere Kriterien für Tierhaltung und -gesundheit müssten gesetzlich festgeschrieben werden, fordert seine Organisation. Freiwillige Siegel könnten da nicht weiterhelfen, selbst Biosiegel garantieren laut Winkler keine bessere Tiergesundheit. Das "Tierwohl-Label" zum Beispiel, mit dem das Bundesagrarministerium höhere Anforderungen an die Schweinehaltung garantieren will, wurde zuletzt auch von Tierschützern abgelehnt. Statt Gesetzen oder einem staatlichen Label, gibt es derzeit nur dutzende Siegel und Tierwohlprogramme, die den Kunden darüber informieren sollen, wie es den Tieren geht. "Aber selbst Landwirte blicken da nicht mehr durch und Verbraucher noch weniger", sagt Heribert Breker von der Landwirtschaftskammer NRW.

"Das Bewusstsein der Kunden für Qualität wird größer"

Wie erkennt man also gutes Fleisch? Es kommt drauf an, wen man fragt. "Man sollte das Fleisch nehmen, das einem schmeckt", sagt Breker. Wer ein gutes Gewissen haben wolle, müsse sich mit Labeln wie etwa Demeter oder Naturland auseinandersetzen – und dementsprechend tief in die Tasche greifen. Greenpeace rät dazu, generell weniger Fleisch zu essen. "Das hat enorme Auswirkungen, man tut mehrere gute Sachen auf einmal", sagt Stephanie Töwe und meint, dass man Regenwälder schützt, weil sie nicht für Futteranbau für die Tierhaltung gerodet werden müssen. Dass es beim Klimaschutz hilft, weil viele Tiere auch viel Methan ausstoßen, zudem weniger Tiere mehr Auslaufflächen hätten, und dass es am Ende für die eigene Gesundheit gut ist, weniger Fleisch zu essen. Denn jeder Deutsche isst 60 Kilo Fleisch im Jahr – das ist doppelt so viel, wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

Das Bewusstsein für hochwertiges Fleisch sei im Laufe der Zeit verloren gegangen, sagt Fleischermeister Dirk Rösken. Weil es um Masse und Profit "um jeden Preis" ging. Der Appell der Bauern, Schlachter und Metzger kommt nun beim Verbraucher an. Tiergerechte Haltung gewinnt an Bedeutung. Diesen Trend nimmt Rösken an der Fleischtheke wahr. "Das Bewusstsein der Kunden für Qualität wird größer. Und es muss ja nicht jeden Tag Fleisch sein", sagt der Erkelenzer. Aber wenn, dann sollten Herkunft, Qualität und auch der Preis stimmen.

FOTO: Zörner
Quelle: RP
 
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