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Merkel zu Kölner Wahlpanne
"Alle dürfen wählen, nur Köln nicht"

Angela Merkel erinnert in Köln CDU bei Umgang mit Flüchtlingen an Gründerzeit
Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Rede in Köln. FOTO: dpa, hka hpl
Köln/Essen. Köln hat sich mit seiner Stimmzettel-Panne auch den Spott von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zugezogen. "Alle dürfen in neun Tagen wählen - nur eine Stadt nicht, in der wir heute sind", sagte sie am Freitagabend bei einem Festakt der NRW-CDU in der Domstadt.

Sie nutzte die Panne, die inzwischen zur Verschiebung der Oberbürgermeisterwahl geführt hat, zu einem Wahlaufruf für die von der CDU unterstützte unabhängige Kandidatin Henriette Reker. "Wer schon die Stimmzettel nicht richtig drucken kann und die Stimmzettel nicht richtig auszählen kann - da muss ein Neuanfang gemacht werden", sagte Merkel.

Außerdem erinnerte Merkel die CDU angesichts der Not der Flüchtlinge an die eigenen Parteigründer erinnert und zum Anpacken aufgefordert. "Wenn die den ganzen Tag überlegt hätten, ob sie das nun schaffen oder ob sie es nicht schaffen, dann wären wir heute nicht da, wo wir heute sind", sagte Merkel am Freitagabend in Köln mit Verweis auf die schwierigen Bedingungen in der Nachkriegszeit.

Angela Merkel besucht Duisburg-Marxloh FOTO: dpa, rwe mg

Die CDU habe ein gutes Fundament, aber auch große Aufgaben. "Ich möchte, dass wir unseren Gründungsvätern doch sozusagen in die Augen schauen können, mit dem, was wir heute zu bewältigen haben." Die NRW-CDU feierte mit Merkel als ihrer Bundesvorsitzenden das 70-jähriges Bestehen der Partei.

Kurz nach Kriegsende hatten Politiker, Gewerkschafter, Wissenschaftler und andere in mehreren Städten zur Bildung der Christlich-Demokratischen Union aufgerufen. Die CDU wählte den 26. Juni 1945 als offizielles Geburtsdatum. Die NRW-CDU zählt für sich den 2. September 1945 als Geburtsstunde.

Oberbürgermeister-Wahl in Köln: Das sind die Kandidaten FOTO: dpa, obe fdt

Bei einem Wahlkampftermin in Essen hatte Merkel zuvor bereits ihre Forderung nach einer gerechten Verteilung von Flüchtlingen auf alle europäischen Länder bekräftigt. "Es kann nicht sein, dass vier oder fünf Länder die ganze Last tragen", sagte Merkel. "Wir sind alle in der Europäischen Union der Genfer Flüchtlingskonvention verpflichtet", betonte sie. Das müsse sich auch in einer fairen Teilung der Aufgaben zeigen.

Gemeinsam mit dem französischen Präsidenten François Hollande hatte Merkel bereits am Donnerstag verbindliche Quoten für alle EU-Länder gefordert.

Merkel unterstützte mit ihrem Auftritt in Essen den dortigen Kandidaten der CDU für das Amt des Oberbürgermeisters, Thomas Kufen. Während ihrer Rede gab es Sprechchöre und laute Unmutsbekundungen - sowohl von Flüchtlingsinitiativen als auch von Rechtsradikalen.

(lnw)
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