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Angriff auf Henriette Reker in Köln
Attentäter saß wegen gefährlicher Körperverletzung in Haft

Entsetzen in Köln nach Attentat auf Reker
Entsetzen in Köln nach Attentat auf Reker FOTO: dpa, fg htf
Exklusiv | Köln. Zwei Tage nach dem Messerangriff auf die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker werden immer mehr Details zur Vergangenheit des Attentäters Frank S. bekannt. Wie unsere Redaktion aus Justizkreisen erfuhr, wurde der 44-Jährige 1998 wegen gefährlicher Körperverletzung von einem Gericht im Raum Bonn zu einer Haftstrafe verurteilt. Von Christian Schwerdtfeger und Stefani Geilhausen

Gegen Frank S. ermittelt inzwischen die Bundesanwaltschaft, Grund ist offenbar die besondere Bedeutung des Falls.

Fotos aus Köln: So reagieren CDU und SPD auf das Wahlergebnis FOTO: dpa, obe axs

Nach Informationen unserer Redaktion liegen dem Verfassungsschutz Informationen vor, dass der 44-Jährige im Jahr 2008 Interesse an der NPD gezeigt hat. In jüngster Zeit sei der Beschuldigte sporadisch in rechtsgerichteten Online-Foren in Erscheinung getreten. Der Verfassungsschutz bestätigte zudem einen "Spiegel Online"-Bericht, wonach der 44-Jährige in den 1990er Jahren in der "Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei" (FAP) aktiv war.

Des Weiteren liegen Erkenntnisse vor, dass Frank S. 1994 an einem sogenannten "Rudolf Heß Gedenkmarsch" in Luxemburg teilnahm und von den dortigen Sicherheitsbehörden in Gewahrsam genommen wurde. Die Neonazi-Szene war Mitte der 1990er Jahre mit ihren Aktionen zum Todestag von Heß ins Ausland ausgewichen, weil die deutsche Polizei Aufmärsche in der Bundesrepublik konsequent verhindert hatte. In Luxemburg hatten Neonazis vor der deutschen Botschaft randaliert, es gab zahlreiche Festnahmen. S. soll dabei allerdings nur ein Mitläufer gewesen sein und keine führende Rolle gespielt haben.

OB-Kandidatin Reker in Köln bei Messerangriff verletzt FOTO: ANC-NEWS

Dieses Video fasst Fernsehberichte aus dem Jahr 1994 über den "Gedenkmarsch" in Luxemburg zusammen.

Der Maler und Lackierer Frank S. (44) ist bereits seit längerer Zeit arbeitslos, lebt von Hartz IV, hat keine Frau und soll auch keine Kinder haben. Seit Jahren wohnte er zurückgezogen in einer kleinen Erdgeschosswohnung im linksrheinischen Köln-Nippes neben einer Grundschule, einem Viertel mit vielen jungen Familien. Zu seinen Nachbarn pflegte er jedoch kaum Kontakt. Die wenigen Anwohner, die ihn überhaupt kennen, beschreiben ihn als unauffällig. Man grüßte sich, hielt die Tür auf – mehr nicht. Von seinem Hass auf Ausländer habe man nichts gewusst. Er habe sich nicht wie ein Neonazi gekleidet.

Attentate auf Politiker in Deutschland FOTO: ap

Auch der Polizei war der Mann bis zum Attentat nicht bekannt, galt als unbescholtener Bürger. "In unserer Datenbank hatten wir nichts über ihn", sagte Kölns Kripochef Norbert Wagner. Erst bei seiner Vernehmung kamen die Ermittler seiner rechtsradikalen Vergangenheit auf die Spur – aber offenbar nur, weil Frank S. sie selbst darüber informierte. Denn er nannte als Motiv für seine Bluttat Fremdenfeindlichkeit. Nach Informationen unserer Redaktion soll S. in seiner Vernehmung Ausländer und Flüchtlinge dafür verantwortlich gemacht haben, dass er keine Arbeit mehr finde. Deshalb wählte er wohl auch Reker als Anschlagsopfer aus. Die 58-Jährige ist in ihrer Funktion als Sozialdezernentin oberste Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Köln.

Aber was trieb den Täter? Wieso verübte er den Anschlag jetzt, obwohl er schon seit Jahren keine Arbeit findet? Eine Anschlagsdrohung hatte es vorher nicht gegeben. Nach Ansicht eines psychologischen Gutachters ist Frank S. voll schuldfähig. Es gebe keine Anhaltspunkte, an dieser Bewertung zu zweifeln, betonen Polizei und Staatsanwaltschaft.

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Quelle: RP
 
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