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Angriff auf Kölner OB-Kandidatin Reker
Richter erlässt Haftbefehl wegen versuchten Mordes

Angriff auf Henriette Reker: Richter erlässt Haftbefehl gegen Attentäter
Der Tatort in Köln Braunsfeld: Jemand hat Blumen für Henriette Reker niedergelegt, die schwer verletzt im Krankenhaus liegt. FOTO: Federico Gambarini
Köln. Der Haftrichter hat am Sonntagnachmittag Haftbefehl gegen den Mann erlassen, der nach dem Messerangriff auf die Kölner Oberbürgermeister-Kandidatin Henriette Reker festgenommen wurde. Bereits zuvor hatten Polizei und Staatsanwaltschaft erklärt, der 44-Jährige sei einem Gutachter zufolge voll schuldfähig.

Wie der "Express" berichtet, soll Frank S. noch am Sonntag in die Justizvollzugsanstalt in Köln-Ossendorf gebracht werden. Dem 44-Jährigen werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung in vier Fällen vorgeworfen. Nach einer ersten Bewertung lägen keine Anhaltspunkte für einen Ausschluss der Schuldfähigkeit vor, so die Ermittler. Der Mann habe sich nach eigenen Angaben aktiv in der rechten Szene aufgehalten, dies reiche bis in die Neunzigerjahre zurück. 

Der Mann hatte am Samstag die von CDU, Grünen und FDP unterstützte Reker mit einem Messer attackiert und schwer verletzt. Reker ist nach Angaben ihrer Ärzte nach einer Not-Operation in der Uni-Klinik außer Lebensgefahr. Der Angriff passierte bei einer Wahlveranstaltung auf dem Wochenmarkt in Braunsfeld. Der Mann hat Reker laut Augenzeugen gezielt attackiert. Vier weitere Menschen wurden ebenfalls verletzt. 

In diesem Haus wohnte der Attentäter. FOTO: Christian Schwerdtfeger

Der Attentäter ist von Beruf Maler und Lackierer, allerdings seit vielen Jahren arbeitslos und Hartz-IV-Empfänger. Er lebte alleine im Stadtteil Nippes. Als Grund für seine Bluttat hatte der 44-Jährige fremdenfeindliche Motive genannt. Der Mann soll eine rechtsextremistische Vergangenheit haben. 

OB-Kandidatin Reker in Köln bei Messerangriff verletzt FOTO: ANC-NEWS

Der alleinstehende Attentäter soll vor Jahren Kontakte in die rechtsextreme Szene gehabt haben, wie "Spiegel Online" unter Berufung auf einen Blogpost der Antifa Rhein-Sieg berichtet. Der aus Bonn stammende Mann soll sich Anfang der 90er Jahre in den Reihen der seit 1995 verbotenen rechtsextremen Freiheitlichen Deutschen Arbeitspartei (FAP) engagiert haben. 1993 und 1994 soll er an Rudolf-Hess-Gedenkmärschen in Fulda und Luxemburg teilgenommen haben und auch sonst bundesweit an Neonazi-Aufmärschen teilgenommen haben. Die FAP galt als besonders aggressive Neonazi-Partei, aus deren Reihen auch rassistische Gewalttaten verübt wurden.

Entsetzen in Köln nach Attentat auf Reker FOTO: dpa, fg htf

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters reagierte bestürzt auf die neuesten Ermittlungsergebnisse: "Es ist für mich unfassbar, mit welcher Brutalität und aus welchen menschenverachtenden Motiven dieser Anschlag auf das Leben von Frau Henriette Reker und die anderen Betroffenen ausgeführt worden ist", sagte Roters. "Ich bin erleichtert, dass sich der Gesundheitszustand von Frau Reker und der anderen Verletzten inzwischen weiter stabilisiert hat und hoffe inständig, dass alle wieder völlig gesund werden."

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