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Gefährliche Körperverletzung
Ausländer in der Kölner Innenstadt angegriffen

Angriffe auf Ausländer in Köln
Angriffe auf Ausländer in Köln FOTO: dpa, mjh hpl
Köln. Am Sonntagabend haben Menschengruppen in der Kölner Innenstadt Pakistaner und einen Syrer angegriffen. Zwei Menschen mussten ins Krankenhaus, die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.  Von Ludwig Krause

Bereits gegen 16.30 Uhr hatte die Polizei Hinweise auf Personengruppen erhalten, die gezielt Provokationen suchen würden. Gegen 18.40 Uhr wurden dann sechs Pakistaner auf der Trankgassenwerft von einer etwa 20 Personen großen Gruppe angegriffen. Zwei der sechs Pakistaner mussten in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht werden, konnten nach ambulanter Behandlung aber entlassen werden.

Auf der Trankgasse griffen gegen 19 Uhr fünf Personen einen Mann (39) mit syrischer Staatsangehörigkeit an. Der Frechener wurde verletzt, musste jedoch nicht ärztlich behandelt werden. In beiden Fällen ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung.

Nach Informationen des Kölner "Express" hatte sich eine Gruppe aus Rockern, Hooligans und Türstehern über Facebook verabredet, "um in der Kölner Innenstadt "auf Menschenjagd" zu gehen". Nach den Übergriffen in der Silvesternacht wolle man "ordentlich aufräumen", zitierte das Blatt aus einer nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe. Ob zwischen dem Aufruf und den Angriffen ein Zusammenhang besteht, ist noch unklar.

Polizei sichert Demonstrationen in Köln FOTO: dpa, rwe wst

Bisher hat die Polizei nach eigenen Angaben in der Kölner Innenstadt etwa 100 Menschen überprüft. Zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen, weil sie den ausgesprochenen Platzverweis nicht befolgten. Die Polizei kontrolliert weiterhin verstärkt. 

Köln: Eindrücke von der Pegida-Demo

Der Zentralrat der Muslime beklagt derweil eine zunehmende Hetze und Islamfeindlichkeit. "Wir erleben eine neue Dimension des Hasses", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, dem Kölner Stadt-Anzeiger. Seit Jahresbeginn habe die Zahl der Anfeindungen und Drohungen gegen den Verband zugenommen. Allein am vergangenen Donnerstag so massiv zugenommen, dass man inzwischen die Telefonanlage habe abstellen müssen. Dazu gebe es Hetze im Internet.

"Der braune Mob tobt in den sozialen Medien, sieht seine Vorurteile bestätigt und endlich die Chance, seinen Hass auf Muslime, Ausländer, Andersaussehende und Andersdenkende freien Lauf zu lassen", sagte Mazyek. Rassistische und antimuslimische Haltungen nähmen seit einer ganzen Weile zu. Ereignisse wie in Köln fachten die Islamfeindlichkeit weiter an, weil Muslime dann unter Generalverdacht gestellt würden. Sein Verband wolle den zunehmenden Ressentiments mit Aufklärung und Besonnenheit entgegentreten. Im Islam sei es eine große Sünde, Frauen zu belästigen oder gar zu vergewaltigen.

Am Samstag hatte die Kölner Polizei eine Kundgebung von Hooligans und Rechtsextremisten aufgelöst. Die Beamten seien aus der Menge der rund 1700 Demonstranten immer wieder mit Flaschen, Knallkörpern und Steinen beworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Die Polizei setzte schließlich Wasserwerfer und Reizgas ein und nahm 15 Personen vorübergehend in Gewahrsam.

Hintergrund der Demonstration waren die massiven Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in der Domstadt, für die Opfer und Zeugen vor allem Täter nordafrikanischer oder arabischer Herkunft verantwortlich gemacht hatten.

(lukra/das/dpa)
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