| 00.00 Uhr

Köln
Aschermittwoch der Kunst

Köln. Der Erzbischof lädt heute zum kulturellen Beginn der Fastenzeit ein. Von Monika Klein

Am Aschermittwoch lassen sich katholische Gläubige traditionell ein Aschenkreuz als Zeichen der Buße und Besinnung zu Beginn der Fastenzeit auf die Stirn malen. In der Kölner Kirche St. Mariä Himmelfahrt wird Kardinal Rainer Woelki die Asche weihen und mit Künstlern die Eucharistie feiern. Ein Vokalensemble von Gesangsstudierenden der Kölner Hochschule für Musik und Tanz wird den Gottesdienst musikalisch gestalten.

Der Erzbischof lädt alljährlich zum "Aschermittwoch der Künstler" ein. Stellvertretend für die vielen Sparten der Kunst wurden aktuell die Künstlerinnen Marita G. Weiden, die Malerei bei Richter und Graubner in Düsseldorf studierte, und die Kölner Bildhauerin Dorissa Lem ausgewählt. Ihre Ausstellung "DaSein" mit Skulptur, Malerei und Objekten läuft derzeit im Maternushaus, wo sich der Rundgang anbietet, weil dort der Empfang des Erzbischofs, das Fastenessen und am Nachmittag die Akademie zum Aschermittwoch stattfindet.

Dort spricht der Theater- und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Peter W. Marx von der Uni Köln über das Theater als Denkfigur. Für die Musik zur Akademie wurde die Komponistin Dorothée Hahne eingeladen, die ihren vierstimmigen Kanon für Sopran und Live-Elektronik "Verborgene Spindel im Mond" vorstellt und eine weitere Komposition "Variationen im freien Fall" für akustische Klangerzeuger wie Blindgängerbombenglocken, Militärhelm, Patronenhülsen, Eierbecher oder ein Abflussrohr-Didgeridoo plus Live-Elektronik. Sie arbeitete vielfach interdisziplinär mit Malerei oder Lichtkunst, zu Film, Hörspiel oder Lyrikvertonungen.

Wie in den Vorjahren steht anschließend ein Besuch im Kolumba-Museum an, wo der stellvertretende Direktor Dr. Marc Steinmann in die aktuelle Ausstellung "Der rote Faden - Ordnungen des Erzählens" einführt. Im Mittelpunkt dieser Präsentation, die noch bis zum 22. August in dem mehrfach ausgezeichneten Museum bleibt, steht mit der Vita des Heiligen Severin ein mittelalterlicher Bilderzyklus, der erstmals in musealem Rahmen gezeigt wird und auf großen Leinwänden die Wege eines aufregenden Lebens überliefert.

Ergänzt werden diese Bilder durch fotografische Zyklen, Mappenwerke und eine Videoarbeit. In der Ausstellung werden zahlreiche Exponate der Sammlung gezeigt, die bislang nicht vorgestellt wurden. Unter anderem die Neuerwerbung eines spätgotischen "Christus in der Rast". Unter den Ausgestellten sind bekannte Künstler wie Bill Fontana, Keith Haring, Stefan Lochner, Richard Serra oder Andy Warhol. Der Aschermittwoch klingt mit dem Mysterienspiel der heiligen Hildegard von Bingen "Ordo Virtutum -Die Ordnung der Kräfte" aus dem 12. Jahrhundert in einem Abendkonzert in der Kirche Groß St. Martin aus.

Was 1950 als "Aschermittwoch der Künstler" ins Leben gerufen wurde, hat sich im Laufe der Jahre zu einem ganzen Veranstaltungstag mit Programm und gemeinsamen Fastenessen nach der Messe ausgeweitet. Dabei wird der wechselnde Blick besonders auf eine Kunstsparte gelenkt. 1954 gab es den erstmals eine Dichterlesung in Verbindung mit dem "Aschermittwoch der Künstler", unter anderem mit Edzard Schaper und Elisabeth Langgässer. In anderen Jahren ging es um Theater, Bildende Kunst, Musik, Architektur Film, Musik, Rundfunk, Fernsehen, Kunstwissenschaft, Literatur und Kritik, Fragestellungen zu Kunst und Ethik oder zur Ästhetik oder um den Kölner Dom als Gotteshaus und Denkmal.

In 2015 war, anlässlich seines 80. Geburtstags, der Komponist Arvo Pärt zu Gast. In der Eucharistiefeier erklang unter anderem seine "Berliner Messe", am Nachmittag gab es ein Klavierkonzert mit seinen Werken.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Köln: Aschermittwoch der Kunst


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.