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Sicherheit in Köln
Bahn-Mitarbeiter tragen an Karneval Körperkameras

Sicherheit in Köln: Bahn-Mitarbeiter tragen an Karneval Körperkameras
Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Deutschen Bahn und ein Bundespolizist gehen am in Köln mit Körperkameras (Bodycam) ausgestattet über den Bahnsteig. FOTO: dpa, jhe
Prügel- und Spuckattacken, Tritte und Beleidigungen – körperliche und verbale Angriffe sind für Mitarbeiter der Bahn mittlerweile Alltag. Während der Karnevalstage werden Sicherheitskräfte nun mit Körperkameras ausgerüstet. Von Tim Harpers, Köln

Allein in der ersten Jahreshälfte 2016 hatte es bundesweit rund 1100 gewaltsame Übergriffe auf Zugbegleiter und Sicherheitspersonal gegeben. 28 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Der Konzern musste reagieren. Deshalb initiierten die Verantwortlichen im vergangenen Sommer in Berlin ein Pilotprojekt, das ihren Einsatzkräften besseren Schutz garantieren sollte.

Die Zugbegleiter und Sicherheitskräfte in Berlin wurden mit Körperkameras ausgestattet, deren Bild live auf kleine Bildschirme am Körper übertragen werden kann. Potenzielle Angreifer können sich darauf sehen. Die gleiche Technik soll nun auch in NRW zum Einsatz kommen. NRW-Verkehrsminister Michael Groschek und DB-Sicherheitschef Hans-Hilmar Rischke stellten deshalb am Donnerstag ein Pilotprojekt vor, mit dem die Bahn die Sicherheitstechnik nach Berliner Vorbild im Kölner Karnevalstrubel erproben will.

Kameratechnik sei "digitaler Polizeihund" 

Deshalb sind rund um die Domstadt bereits 20 Sicherheitskräfte mit Körperkameras unterwegs. Sie sollen bis zum 31. März Daten sammeln. Danach will die Bahn entscheiden, ob die Technik künftig in größerem Maßstab zum Einsatz kommt. "Das Thema Sicherheit ist ein wichtiges Attraktivitätsmerkmal für den Nahverkehr", sagte Groschek. "In Zeiten zunehmender Kriminalität müssen wir schauen, dass wir die Themen Datenschutz und Sicherheit in ein neues Gleichgewicht bringen."

Die Kameratechnik sei ein "digitaler Polizeihund" und die Erfahrungen in Berlin hätten gezeigt, dass er funktioniert. Seit Einführung der Technik in der Bundeshauptstadt sei die Aggressivität gegenüber Bahn-Angestellten signifikant zurückgegangen. "Es ist eine Technik, die abschreckt", sagte der NRW-Verkehrsminister. "Häufig reicht es schon aus, wenn Angreifer ihre hassverzerrten Fratzen auf dem Bildschirm sehen. Sie wissen dann, dass sie ihre Taten aufgezeichnet werden und lassen von den Mitarbeitern ab."

Angriffe gingen in Berlin zurück

Wie erfolgreich der Testlauf in Berlin war, verdeutlichen die Zahlen, die DB-Sicherheitschef Rischke vorstellte. Nachdem sich in den vergangenen Jahren rund 60 Prozent der Angriffe gegen das DB-Sicherheitspersonal gerichtet hätten, sei in 4000 Einsatzstunden kein einziger mit Körperkameras ausgerüsteter DB-Mitarbeiter körperlich angegangen worden, wie der Bahn-Manager erläuterte. In nur zehn Fällen sei eine Aufzeichnung des Videomaterials notwendig gewesen. Und in nur vier Fällen habe die Polizei das vorhandene Material zur Täterermittlung nutzen müssen.

Auch die Erfahrungen der Bundespolizei bestätigen die Wirksamkeit der neuen Technik. "Die Bundespolizeidirektion Köln erprobt nunmehr seit einem Jahr die Bodycams in ihrem Zuständigkeitsbereich", sagte der Leiter der am Kölner Hauptbahnhof ansässigen Polizeidirektion, Helmut Langenbach. Etwa 100 Mal seien mit den Kameras Aufzeichnungen angefertigt worden, daraus folgten drei Strafverfahren. "Der Probelauf hat uns gezeigt, dass das neue Einsatzmittel ein sehr wichtiges Instrument darstellt, um der zunehmenden Gewalt- und Respektlosigkeit gegenüber den Einsatzkräften entgegenzuwirken."

Grundprinzip ist Abschreckung

Was das Thema Datenschutz angeht, setzt die Bahn bei den Kameras auf eine sehr besonnene Strategie. "Das Grundprinzip beruht auf Abschreckung", erläuterte Rischke. "Die Kameras bleiben solange im Stand-by-Modus, bis unsere Sicherheitskräfte eine Gefahrensituation feststellen." Erst dann werde die Kamera manuell aktiviert und das Bild auf dem Bildschirm an der Brust des Mitarbeiters ausgespielt. "Dieses Vorgehen war in den meisten Fällen absolut ausreichend."

Aufgezeichnet werde erst, wenn es tatsächlich zu einer Gefahrensituation komme. Und um Missbrauch bei der Auswertung der Daten vorzubeugen, sei nur die Bundespolizei dazu berechtigt. "Und das auch nur, wenn es tatsächlich um die Ermittlung von Straftaten geht."

 
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