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Beisetzung von Joachim Kardinal Meisner
Bestattet mit eigener "Bundeslade"

Beisetzung von Joachim Kardinal Meisner: Bestattet mit eigener "Bundeslade"
Kardinal Joachim Meisner in Köln aufgebahrt. (Archivbild) FOTO: dpa, ve fdt
Köln. Joachim Kardinal Meisner wird heute in der Bischofsgruft des Doms beigesetzt. Im Hohen Dom zu Köln wird der Empfang spiegeln, welche Bedeutung der frühere Erzbischof für die katholische Kirche nicht nur in Deutschland hatte. Von Lothar Schröder

Noch einmal Stille, noch ein einmal ein seelenruhiger Abend in St. Gereon. Wer besinnlich Abschied nehmen möchte von Joachim Kardinal Meisner, kam am Freitag hierher: zur Totenvesper mit Rainer Maria Kardinal Woelki in die romanische Basilika, in der der Leichnam des vor zehn Tagen im Alter von 83 Jahren verstorbenen Erzbischofs aufgebahrt war. In seiner bewegenden Ansprache nannte Kardinal Woelki den Verstorbenen einen Mann, der für die Kirche durchs Feuer gegangen und "ein unbeugsamer Zeuge für die Wahrheit des Evangeliums" gewesen sei. Im Beisein auch der Familie Meisner sagte Woelki: "Ich bin mir sicher, dass er jetzt den schauen darf, den er verkündet hat."

Der nunmehr geschlossene Eichensarg ist schlicht, der Bischofsring und das Pallium sind dem Leichnam beigegeben, dazu ein Brustkreuz aus Holz, in das ein grüner Nephrit eingearbeitet ist – ein Kristall aus Niederschlesien, Meisners Heimat. Dazugelegt wurden noch Kopien von den Urkunden seiner Taufe und Firmung, seinen Weihen zum Priester und zum Bischof. Zu Lebzeiten verwahrte Meisner diese Papiere allesamt in einem Kästchen, das er seine persönliche "Bundeslade" nannte.

Das alles hat der Kardinal noch selbst verfügt, gerade so, als wolle er nichts dem Zufall überlassen. Zumindest das wird aus den Sargbeigaben sichtbar: Der Kölner Erzbischof hat sich mit dem eigenen Tod zeitig und intensiv auseinandergesetzt und sich vorbereitet auf den letzten Weg. Das mag erstaunen angesichts seines weithin vernehmlichen Wirkens bis zuletzt, etwa mit seinen kritischen Briefen an Papst Franziskus. Auch die Ruhestätte in der Bischofsgruft des Doms hat Meisner selbst gewählt. Sie liegt gegenüber dem Grab von Joseph Kardinal Frings.

Peter Kardinal Erdö wird predigen

Den letzten Weg dorthin hat Meisners Leichnam am Samstagmorgen mit einer Prozession von St. Gereon zum Dom angetreten. Begleitet wird der Leichenwagen dann unter anderem von Maltesern und Grabesrittern. Im Hohen Dom zu Köln wird der Empfang spiegeln, welche Bedeutung der frühere Erzbischof für die katholische Kirche nicht nur in Deutschland hatte: 34 Bischöfe und Weihbischöfe haben sich angemeldet, acht Erzbischöfe und sechs Kardinäle, darunter aus Rom der kürzlich emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller sowie Georg Gänswein, der Privatsekretär Benedikts XVI.

Auch Reinhard Kardinal Marx hat seine Teilnahme als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz angekündigt. Unter den politischen Gästen findet sich der frischgewählte Ministerpräsident des Landes, Armin Laschet.

Eineinhalb Stunden soll die Trauerfeier dauern, in der aber nicht Woelki – der amtierende Erzbischof und frühere Geheimsekretär Meisners – predigen wird, sondern Peter Kardinal Erdö. Der Primas von Ungarn ist ein langjähriger Freund Meisners gewesen; sie eint auch der gemeinsame Widerstand des Glaubens in einem kirchenfeindlichen Umfeld.

Von der Trauerfeier im Dom wird es keine Live-Übertragung im WDR geben. Für diese Entscheidung sprechen zwei Gründe: Zum einen wolle die Kirche solche Sendungen auf Ereignisse beschränken, die in die Zukunft wiesen, erklärte der katholische Rundfunkbeauftragte Pater Philipp Reichling. Zum anderen hätte es durch den erhöhten technischen Aufwand erhebliche Einschränkungen für die Gemeinde gegeben.

Zu hören sind die Feierlichkeiten aber ab 9.15 Uhr im Kölner Domradio. Zudem hat Kardinal Woelki zum Tod seines Vorgängers eine Morgenandacht gesprochen.

Quelle: RP
 
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