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Hoch hinaus oder am Boden bleiben?
Diskussion um Seilbahn-Pläne in der Region

Bonn/Köln/Wuppertal: Diskussion um Seilbahn-Pläne in der Region
Eine Gondel der Rhein-Seilbahn überquert in Köln den Rhein und den Rheinpark (Archivbild von 2012). FOTO: dpa, obe sv gfh
Köln/Bonn. Während Seilbahnen in Lateinamerika längst wichtige Verkehrsmittel sind, gelten sie hierzulande vornehmlich als Touristenattraktion. In Bonn und Wuppertal gibt es Pläne, Seilbahnen im Nahverkehr einzusetzen. Doch die Idee ist umstritten.

In einer Gondel über den Dächern schweben, den Stau umgehen und stattdessen die Aussicht genießen - Seilbahnen als alternative Verkehrsmittel sind in Deutschland noch weitgehend Vision. In der Vergangenheit kamen immer mal wieder in verschiedenen Kommunen Seilbahn-Pläne auf - und waren dann meist bald wieder vom Tisch. Zurzeit laufen in Bonn und Wuppertal ernsthafte Diskussionen über den Bau einer Seilbahn als Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

In Köln schweben Gondeln bereits seit 60 Jahren über den Rhein. Allerdings gilt die Kölner Seilbahn, die 1957 zur Eröffnung der Bundesgartenschau an den Start ging, vor allem als Touristenattraktion. Ähnlich ist es in Koblenz, wo ebenfalls die Bundesgartenschau 2011 den Anstoß gab, eine Seilbahn in Betrieb zu nehmen. In Berlin schwebt seit kurzem anlässlich der Internationalen Gartenausstellung IGA eine Seilbahn über Teilen der Stadt.

Vorteil: Seilbahnen brauchen nur wenig Platz

In vielen Metropolen Lateinamerikas seien Seilbahnen schon lange ein wichtiges Verkehrsmittel, sagt Prof. Dirk Heinrichs vom Institut für Verkehrsforschung am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Ein großer Vorteil ist, dass Seilbahnen wenig Platz brauchen - lediglich für die Station und die Pfeiler." Deshalb seien sie vor allem in bereits gewachsenen, dicht bebauten Gebieten eine Option. Wenn starke Höhenunterschiede zu überwinden sind, seien Seilbahnen in der Regel deutlich kostengünstiger als Schienen oder Straßen. In Europa würden Seilbahnen bislang selten im Pendlerverkehr eingesetzt. "Aber sie sind so langsam im Kommen."

In Bonn hat ein Gutachten im Auftrag der Stadt ergeben, dass eine Seilbahn technisch machbar ist. Sie soll vom UN-Campus an der Museumsmeile hoch zur Uni-Klinik auf dem Venusberg führen - mit Option einer Verlängerung über den Rhein. Der Studie zufolge würde die Seilbahn mindestens 7000 Fahrgäste pro Tag befördern, was zu einer deutlichen Verkehrsentlastung führe. Die Investitionskosten bei der verlängerten Variante lägen bei 40 Millionen Euro. Da die Seilbahn als Teil des ÖPNV gelten soll, könne das Land NRW den Bau mit bis zu 90 Prozent fördern.

Bürger sollen beteiligt werden

Mit mehreren Diskussionsveranstaltungen setze die Stadt Bonn auf eine "sehr frühzeitige Beteiligung der Bürger", betont ein Sprecher. Und die sind keineswegs alle einverstanden mit dem Projekt. Die geplante Seilbahn sei nicht wirtschaftlich und "eine ökologische Dreckschleuder", sagt etwa Gundolf Reichert, Vorsitzender der Bürgerinitiative "Bonn bleibt seilbahnfrei". Eigenen Zählungen zufolge gebe es auf dem Venusberg gar kein Stauproblem. Statt einer Seilbahn, die für Anwohner längere Fußwege zur Folge hätte, sollten lieber Alternativen wie eine bessere Busanbindung geprüft werden.

Auch in Wuppertal hat sich Widerstand gegen die Seilbahn-Pläne formiert. Eine Bürgerinitiative sieht unter anderem schlechtere Verbindungen durch verlängerte Umstiegzeiten, Anwohner fürchten um ihre Privatsphäre durch neugierige Blicke von oben.

Bekommt Wuppertal nach der Schwebe- noch die Seilbahn?

In Wuppertal gleitet bereits seit mehr als 115 Jahren die weltberühmte Schwebebahn. Eine Seilbahn soll nach dem Willen der Befürworter den Hauptbahnhof mit der Universität verbinden. Nach einem Gutachten im Auftrag der Stadtwerke wäre eine Seilbahn für die Topografie Wuppertals sehr gut geeignet: 165 Höhenmeter sind zu überwinden, um auf die Südhöhe und den Uni-Campus zu gelangen. Bis zu 3500 Fahrgäste innerhalb einer Stunde könne die Bahn befördern. Die Investitionen lägen den Berechnungen nach bei 82 Millionen Euro.

In seiner nächsten Sitzung am 10. Juli will der Wuppertaler Stadtrat entscheiden, ob das Projekt vorangetrieben und ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden soll. Sollte das geschehen, könnte die Seilbahn - wenn alles stramm läuft - vielleicht im Jahr 2025 starten.

(lsa/lnw)
 
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