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Flüchtiger nach Fahrradkauf gefasst
Sextäter hatte sein Aussehen radikal verändert

Stationen der Flucht des Sexualstraftäters
Stationen der Flucht des Sexualstraftäters FOTO: dpa, hk wst
Köln. Der bei einem Freigang entkommene Sextäter ist am Samstagmittag in Brühl gefasst worden. Er war mit einem Fahrrad unterwegs, das er zuvor gekauft hatte. Der 58-Jährige hatte sein Aussehen stark verändert. Unklar ist, ob er Helfer hatte. Von Carola Siedentop und Thomas Reisener

Der 58-Jährige war am Mittwoch bei einem bewachten Freigang geflohen: Auf der Toilette eines Brauhauses entkam er seinen Bewachern. Am Samstag, nach drei Tagen, wurde er wieder gefasst. 

Gegen 10.50 Uhr hatte die Polizei Köln den Hinweis bekommen, dass sich der verurteilte Vergewaltiger in einem Fahrradgeschäft in Brühl aufhalten soll. Die Beamten hatten daraufhin sofort die Kollegen im Rhein-Erft-Kreis informiert, berichtete die Polizei. Der 58-Jährige war nach Verlassen des Geschäftes auf einem Fahrrad davongefahren. Eine an der Fahndung beteiligte Streifenwagenbesatzung aus Brühl nahm den Gesuchten gegen 12 Uhr auf der Kurfürstenstraße fest.

"Das erfolgte widerstandslos", sagte eine Sprecherin der Kölner Polizei. Der 58-Jährige, der Diabetiker und auf Insulin angewiesen ist, war bisherigen Erkenntnissen nach in einer normalen körperlichen Verfassung. 

Augenzeugen zufolge trug der geflüchtete Sextäter bei seiner Festnahme sogar einen Fahrradhelm. Der Kölner hatte sein Aussehen nach der Flucht stark verändert und ähnelte kaum noch dem Fahndungsbild. Unter anderem hatte er seinen Schnurrbart abrasiert. In dem Fahrradladen trug der Mann nach Angaben eines Mitarbeiters zudem Brille und Mütze. Er habe mit einer EC-Karte bezahlt, sagte der Mitarbeiter des Fahrradgeschäft. Offen ist, ob der 58-Jährige bei seiner Flucht Helfer hatte. 

Unklarheit herrschte zuvor über den Ort der Festnahme. Zunächst hieß es, die Festnahme sei im benachbarten Brühl in einem Fahrradgeschäft erfolgt. Dann teilte das Justizmisterium auf Nachfrage mit, dass der Mann in Hürth gefasst worden sei.

Zusammenhang mit Tat in Bornheim? 

Ob es einen Zusammenhang zwischen der Festnahme und dem sexuellen Angriff auf eine 21-Jährige in Bornheim gibt, wird noch geprüft. Fest steht, dass bereits am Freitag mehrere Zeugen den Flüchtigen gesehen haben wollen, unter anderem in Bornheim. Zudem liegt dieser Tatort nicht weit entfernt von Brühl: Zu Fuß sind es von der Händelstraße in Bornheim-Merten bis zum Festnahmeort an der Kurfürstenstraße in Brühl eineinhalb Stunden. Die Polizei in Bornheim und die Kölner Beamten werten derzeit Spuren aus und prüfen einen möglichen Zusammenhang. 

"Wir sind froh, dass er gefasst wurde", sagte der Sprecher des NRW-Justizministeriums. Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) sei erleichtert und danke der Polizei für die gute Zusammenarbeit und den Fahndungserfolg. In die JVA Aachen werde der 58-Jährige nicht mehr zurückkommen.

Der CDU-Innenpolitiker im Landtag, Gregor Golland, nannte es "unfassbar, dass die Justiz mit derartigen Verbrechern so leichtsinnig umgeht". Ihn störe schon seit langem, dass "den Opfern solcher Täter kaum geholfen wird, während großer Aufwand betrieben wird, um die Haftbedingungen für solche Täter zu erleichtern." Golland forderte: "Tätern, von denen ein derartiges Gefahrenpotenzial ausgeht, dürfen keine Freigänge erlaubt werden, solange dies ein Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung  darstellt".

Nach Haft in Sicherungsverwahrung

Der gefasste Sexualstraftäter war 1991 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er unter anderem mehrere Vergewaltigungen begangen hatte. Da er als besonders gefährlich eingestuft wurde, kam er nach Verbüßung der Haftstrafe in Sicherungsverwahrung in die Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen.

Der Verurteilte hatte vor seiner Flucht von einer Brauhaus-Toilette bereits achtmal beaufsichtigen Freigang gehabt. Dabei hatte er anfangs "Hamburger Fesseln" getragen. "Er hatte sich im Gefängnis und bei seinen Freigängen unauffällig verhalten. Darum hat man davon abgesehen, ihm weiter die Fesseln anzulegen", so ein Insider aus der JVA Aachen.

(dpa/top/spol)
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