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Köln
Buch-Tipp: satirisches Handgepäck für Köln-Besucher

Köln. Der Kabarettist und Wahlkölner Robert Griess gibt Neulingen am Rhein Tipps zum Überleben zwischen Kölsch und Klüngel. Von Stephan Eppinger

Köln Nicht jedem fällt es auf Anhieb einfach, Köln zu mögen. Schon ein Blick auf die Architektur, die nach der massiven Zerstörung im Zweiten Weltkrieg an vielen Orten nicht unbedingt nur nach ästhetischen Gesichtspunkten entstanden ist, schreckt so manchen ab. Auch die bedingungslose Selbstverliebtheit der Kölner und der berüchtigte Klüngel, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt, machen so manchem Neuling Sorgen. Wie man im Kölner Stadtdschungel überleben kann und wie man irgendwann doch seine Liebe zur Wahlheimat am Rhein entdeckt - dazu gibt der Kabarettist und Wahlkölner Robert Griess satirisch gefärbte Tipps.

Es sind die einfachen Dinge wie ein Kneipenbesuch, bei dem man nach einigen spendierten Kölsch mit der gesamten Stammbesatzung per Du ist und wo einem an Tag darauf keiner mehr beachtet, an die der "Immi" sich gewöhnen muss. Das gilt erst recht für den Karneval, bei dem Gläubige (Jecke) ihren Gott anrufen (Alaaf), sie ihre Sünden genussvoll zelebrieren (suffe un danze) und Buße tun (am Aschermittwoch ist alles vorbei),

Griess nimmt seine Leser auch mit auf eine Wanderung durch die kölschen Stadtteile. Dazu zählt auch Beverly Sülz, dem Musterviertel und "Bionade-Ghetto mit Sonnenkollektoren auf den Dächern". Ganz anders erscheint da Chorweiler als größte Trabantenstadt in NRW. Als "echtes, funktionierendes Alltags-Multikulti in einer menschenfeindlich erbauten Umgebung" beschreibt Griess das Veedel im Norden der Stadt.

Der vornehme Stadtteil Lindenthal direkt hinter der Uni ist für den Autor "eine Düsseldorf-Enklave mitten in Köln" mit "betreutem Millionärs-Wohnen". Gut gefällt es Griess in der Südstadt, wo selbst beim Veedelszug nur fair gehandelte Kamelle ins Volks fliegt, und wo man alles Gute direkt vor der Haustür findet. Der Preis dafür ist gelebte "Monokultur", weil man beim Wochenmarkt nur seinesgleichen trifft. Da macht das bunte Mülheim mit seinen Kontrasten vom Schauspiel über die Keupstraße bis zur hässlichen Visitenkarte eines schönen Veedels, dem Wiener Platz, deutlich mehr Laune.

Info Robert Griess, Satirisches Handgepäck Köln, Michael Müller Verlag, 176 Seiten, 12.90 Euro

Quelle: RP
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