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Bunte Parade in Köln
Conchita Wurst eröffnet den Christopher Street Day in Köln

Christopher-Street-Day 2015: Bunte Parade in Köln
Christopher-Street-Day 2015: Bunte Parade in Köln FOTO: dpa, cas sab
Köln. So viele Gruppen wie nie ziehen bei der CSD-Demonstration durch Köln. Stargast Conchita Wurst begeistert die Massen. Teilnehmer und Besucher fordern mehr Rechte für Homosexuelle und kritisieren die deutsche Regierung.

Köln ist voll von Liebe. Zumindest an diesem Tag, da ist sich Conchita Wurst sicher. Die Gewinnerin des Eurovision Song Contest eröffnet am Sonntag die Kölner Christopher-Street-Day-Parade. "Ich bin zum ersten Mal dabei. Mir war nicht klar, wie groß und großartig der CSD in Köln ist", sagt sie.

Conchita Wurst ist der Stargast des Kölner CSD. "Wir sind sehr stolz darauf, dass Conchita das gesamte CSD-Wochenende in Köln dabei ist", sagt Versammlungsleiter Jörg Kalitowitsch. Conchita Wurst, die mit bürgerlichem Namen Thomas Neuwirth heißt, tritt seit 2011 in dieser Rolle als Frau mit Bart auf. 2014 gewann sie den Eurovision Song Contest. "Du hast vielen Menschen Mut gemacht", sagt Kölns Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, bevor sie gemeinsam mit Wurst und Kalitowitsch am Sonntagmittag den Startschuss für die CSD-Demonstration gibt.

Fotos: Hunderttausende beim Christopher Street Day in Berlin FOTO: afp, ab EJ

137 Gruppen - so viele wie noch nie - ziehen anschließend mit bunten und schrillen Kostümen durch die Kölner Innenstadt. Sie demonstrieren für die rechtliche Gleichstellung und die gesellschaftliche Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bi-, Inter- und Transsexuellen sowie Transgendern. Das Motto lautet in diesem Jahr "Vielfalt: lehren, lernen, leben", um auf das Thema Homo- und Transphobie in Schule und Ausbildung aufmerksam zu machen.

"Wir in Mitteleuropa haben das Privileg, den CSD vorwiegend feiern zu können", sagt Conchita Wurst und erinnert an aktuelle Gegenbeispiele wie in Istanbul: Dort wurde die CSD-Demonstration gewaltsam von Polizisten mit Wasserwerfern aufgelöst. "Es ist wichtig, dass wir auch an die denken, die sich verstecken müssen."

Köln 2014: So bunt ist der Christopher Street Day FOTO: dpa, hka lre

Nicht überall hätten Homosexuelle wie er das Glück, ihre sexuelle Orientierung offen zu leben, sagt ein 27-jähriger Türke, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt und anonym bleiben möchte. "In meiner Heimat könnte ich nicht mit meinem Partner Hand in Hand über die Straße gehen." Beim CSD in Köln traut er sich das.

Doch auch wenn Deutschland in vielerlei Hinsicht fortschrittlich sei: "Es kann doch nicht sein, dass die USA und das erzkatholische Irland das mit der Homo-Ehe hinbekommen und Deutschland nicht", schimpft Luise Bernau, die mit ihrem Mann seit "bestimmt 15 Jahren" die CSD-Parade besucht.

Auf Plakaten fordern Zuschauer und Demo-Teilnehmer "Gleiche Rechte", "Ehe für alle" oder und "Eheöffnung jetzt". "Die Bevölkerung ist weiter als die Politik", glaubt Danny Geske, der als roter Engel verkleidet im Demo-Zug mitläuft. "Mrs. Merkel, tear down this wall", steht auf seinem Plakat. "Die Mauer zwischen Homo- und Heterosexuellen muss endlich fallen. Wir haben die gleichen Gefühle", sagt der 26-Jährige. "Aber bis wir die gleichen Rechte bekommen, müssen wir wohl aufs Bundesverfassungsgericht warten."

Die besten Bilder vom CSD in Berlin 2014 FOTO: dpa, wk fdt

Conchita Wurst winkt inzwischen vom Paradewagen der Aidshilfe der Menge zu. Sobald die Menschen am Straßenrand sie entdecken, applaudieren und jubeln sie. "Sie sieht so gut aus", sagt ein Mann und seufzt. "Die heißeste Wurst der Welt!"

Die Fotos vom Sonntag finden Sie auf TONIGHT.de!

(lnw)
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