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Kunst
Das verlorene Stadtgedächtnis

Kunst: Das verlorene Stadtgedächtnis
Johanna R. Wiens mit Konrad Adenauer vor einer Collage, die sich mit dem Einsturz des Stadtarchivs auseinandersetzt. FOTO: Eppinger
Köln. Es sind besondere Kunstwerke, die aktuell in den Räumen der Kölner Flora zu sehen sind. So fällt bei einer Collage der Blick von einem Fenster auf das Historische Rathaus Kölns.

Davor finden sich Figuren der Stadtgeschichte und die Fragmente von Urkunden und anderen Archivalien. Ein ein anderes Bild zeigt die Einsturzstelle des Stadtarchivs, trostlos grau mit Trümmern. Aber ein junger, frisch grüner Löwenzahn gibt Hoffnung für den Neuanfang. Vor vier Jahren begegnete die Künstlerin Johanna R. Wiens dem Vorsitzenden der Stiftung Stadtgedächtnis, die sich für die Restaurierung der verschütteten Archivalien aus dem Historischen Stadtarchiv einsetzt und dafür Spenden sammelt. Aufgefallen waren die Stadtbilder aus Asien der jungen Düsseldorferin. Sie erinnerten an Buchseiten und damit an die Schätze des Kölner Archivs. Daraus resultierte die Bitte an Wiens, ein Kunstwerk zu Kölner Stadtgeschichte zu schaffen. Seitdem lässt Wiens das Thema Stadtgedächtnis nicht mehr los. Ein Teil der Erlöse ihrer Bilder kommt der Stiftung zu gute. Wiens stellt die Frage, was Geschichte eigentlich ist. Ihre Antwort ist ein roter Faden, der sich immer in ihren Werken findet. Er verbindet die scheinbar chaotisch angeordnete Serie von Ereignissen in der Vergangenheit zu einer Geschichte.

Um die Bilder schaffen zu können, recherchierte die Immendorff-Schülerin in Archivbeständen, fand Liebesbriefe, Geburtsurkunden und weitere Dokumente, die Eingang in ihre Kunst fanden. Auch zur Kölner Flora als den aktuellen Ausstellungsort hat Wiens eine Collage geschaffen. Zu sehen ist dort unter anderem die Schutzpatronin des Hauses, Kaiserin Augusta, die als Namensgeberin des Gartenlokals der Flora dient. Dazu kommen antike Skulpturen aus dem Gebäude und auch wieder Archivschnipsel.

"Die Stiftung unterstützt das Archiv aktuell mit dem Jahresgehalt von zwei Restauratoren sowie vier Fahrzeugen, die für das Archiv im Einsatz sind", berichtete der Vorsitzende Konrad Adenauer. Seinem Großvater, dem Bundeskanzler und Kölner Oberbürgermeister, hat Wiens ebenfalls ein eigenes Werk gewidmet, das im kommenden halben Jahr in den Räumen der Flora zu sehen ist.

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