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Mottowoche in Köln
Das wissen wir über den Abi-Krieg

Chronik: Misslungene Abi-Scherze aus den letzten Jahren
Chronik: Misslungene Abi-Scherze aus den letzten Jahren
Köln . Nachdem im "Krieg" rivalisierender Gymnasien in Köln zuletzt zwei Schüler schwer verletzt worden sind, blieb es in der Nacht zu Mittwoch ruhig. Die Polizei jedoch bleibt bis zum Ende der Mottowochen verstärkt im Einsatz. Welche Schulen beteiligt sind, was Lehrer und Schüler zu den Ausschreitungen sagen, erfahren Sie hier.

Zwei Jugendliche liegen mit schweren Kopfverletzungen im Krankenhaus, mehrere Schulen wurden beschmiert, die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Körperverletzung und Landfriedensbruch. Das ist die bisherige Bilanz der Abi-Mottowochen 2016 in Köln. Das Wichtigste im Überblick:

Was ist passiert?
Bereits in der Nacht zu Montag hatten mehrere Hundert Abiturienten 15 Einsätze der Polizei ausgelöst und Sachbeschädigungen an sieben Gymnasien verursacht. Einen Abend später eskalierte der Abi-Krieg. Die Polizei konnte bei dem Einsatz im letzten Moment eine Massenschlägerei zwischen 200 zum Teil mit Schlagstöcken bewaffneten Schülern verhindern. Kritik an der Polizei kommt von Eltern: Ein Vater hatte sich in einem Schreiben an die Deutsche Presseagentur gewandt und geschildert: Die Polizei sei von Anfang an dabei gewesen, habe aber erst "relativ spät" eingegriffen. Auch Spiegel Online berichtet unter Berufung auf E-Mails über solche Kritik.

Worum geht es bei den Mottowochen und dem "Abi-Krieg"?
In den Wochen vor den Osterferien verkleiden sich die Abiturienten und feiern damit das Ende ihrer Schulzeit. Eigentlich ist das ein friedlicher Brauch, der sich allerdings erst in den vergangenen Jahren in dieser Form etabliert hat. Der Abi-Scherz findet traditionell am letzten Schultag statt – also kommenden Freitag. Die Schüler denken sich eine meist lustige Aktion für ihre Schule aus. In den vergangenen Jahren liefen diese Aktionen jedoch immer öfter aus dem Ruder. Rivalisierende Schulen fordern sich heraus. 

Ist diese Form der Gewalt neu?
Auch im vergangenen Jahr gab es in mehreren NRW-Städten Ausschreitungen. In Köln sind angehende Abiturienten in Schulen eingestiegen und haben dort Wände mit beleidigenden Parolen beschmiert. In Aachen wollten Jugendliche einen Amoklauf simulieren. In Bochum brachen Schüler in fremde Autos ein. Schwerverletzte hat es vorher noch nicht gegeben.

Warum eskalieren die Mottowochen immer öfter?
Die Landesschülervertretung NRW erklärt sich die zunehmenden Ausschreitungen damit, dass sich die Betroffenen jedes Jahr überbieten wollen. Auch Alkohol spiele eine große Rolle, sagt der Institutsleiter des Düsseldorfer Zentrums für Schulpsychologie. Er meint, dass die Jugendlichen einen Grund suchen, um zu rebellieren und sich auszutoben. Alkohol enthemme sie zusätzlich. Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbandes NRW, hat in den vergangenen Jahren eine zunehmende Gewaltbereitschaft bei den Heranwachsenden ausgemacht. Während es früher im schlimmsten Fall bei Beleidigungen gegen Lehrer in den Abizeitungen geblieben sei, wetteiferten die Jugendlichen heutzutage regelrecht um den übelsten und hinterhältigsten Scherz. 

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Welche Schulen sind beteiligt?
Soweit bekannt, sind insgesamt sieben Kölner Schulen involviert. Einiger der Jugendlichen sollen aktiv randaliert und sich an den Auseinandersetzungen beteiligt haben, andere Schulen wurden Opfer eben jener durch Vandalismus. 

Was unternehmen die Schulen?
Bereits seit Jahren versammeln Schulleiter ihre Abiturienten vor den Mottowochen, um ihnen ins Gewissen zu reden und sie über die strafrechtlichen Konsequenzen aufzuklären. Gertrud Bergkemper-Marks geht das nicht weit genug. Die Leiterin der Kölner Schulabteilung bestärkt die Schulleitungen darin, auch Schulverweise auszusprechen. 

Was sagen die Schüler dazu?
Nach den Randalen in der Nacht zu Dienstag haben sich einige Schüler von den Ausschreitungen distanziert und den "Krieg" von ihrer Seite für beendet erklärt: "Wir, die 12. Klasse des Humboldt Gymnasiums, beenden hiermit den 'Abikrieg'! Es ist deutlich zu weit gegangen. Wir wurden mit Glasflaschen, Böllern, Eiern und Steinen abgeworfen. Wurfgeschosse, von denen sich jeder gesunde Mensch distanziert!" Die Mitglieder der Facebook-Gruppe "Kälsche Gören & Buben" distanzieren sich davon, an den Ausschreitungen beteiligt gewesen zu sein. 

 

Liebe Abiturienten/Presse/Polizei/Kriminelle,wir, die 12. Klasse des Humboldt Gymnasiums, beenden hiermit den '...

Posted by Schweinerei 2016 on  Montag, 14. März 2016

 

Wir distanzieren uns deutlich von allen Vorfällen, die über die abgemachten Regeln für eine faire Wasserschlacht, im...

Posted by Kölsche Gören & Buben on  Montag, 14. März 2016

 

Erwartet die Polizei weitere Ausschreitungen?
Eine Prognose, inwieweit es zu erneuten Ausschreitungen kommen kann, gibt die Polizei Köln nicht ab. "Es war aber in der Vergangenheit so, dass es eher zum Ende der Mottowochen zu solchen Vorfällen gekommen ist", sagt Sprecher Dirk Weber. Am Freitag, dem letzten Schultag, ist also besondere Achtsamkeit geboten. Weber glaubt aber, dass durch die Berichte in den Medien viele Schüler aufgeschreckt sein könnten und von solchen Straftaten absähen. In den kommenden Tagen ist die Polizei vermehrt im Bereich der betroffenen Schulen unterwegs. "Wir schauen uns die Gegend an und werden bei Verdacht auch Personen und Gruppen kontrollieren und gegebenenfalls durchsuchen", sagt Weber. 

(jis/jnar/csh)
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