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Motto-Woche in Köln
"Der Abi-Krieg ist Vergangenheit"

Motto-Woche in Köln: "Der Abi-Krieg ist Vergangenheit"
Die Schüler Efe, Emma und Lester. Sie wollen eine friedliche Motto-Woche. FOTO: Claudia Hauser
Köln. Die Randale angehender Abiturienten wurde in den vergangenen Jahren zur Tradition in Köln. 2016 eskalierte der "Abi-Krieg" vor dem Humboldt-Gymnasium, zwei Schüler wurden schwer verletzt. Das soll sich nicht wiederholen. Drei Schüler des Humboldt-Gymnasiums haben mit uns gesprochen. Von Claudia Hauser

Die Bilanz der Abi-Mottowoche fiel 2016 in Köln bitter aus: Zwei Schüler kamen mit schweren Kopfverletzungen ins Krankenhaus, mehrere Gymnasien wurden beschmiert, die Polizei ermittelte wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Körperverletzung und Landfriedensbruch. Einen Prozess gab es bisher noch nicht. Vor dem Humboldt-Gymnasium am Kartäuserwall gingen am 14. März 2016 mehr als 200 junge Leute aufeinander los – bewaffnet mit Glasflaschen, Stöcken, Eiern und Wasserbomben. Die Aktion war der Tiefpunkt im sogenannten "Abi-Krieg". Die Polizei verhinderte Schlimmeres, drei Schüler wurden dennoch verletzt, einer nur leicht.

Eier und Schmähplakate

Kölns angehende Abiturienten liefern sich diesen Kampf seit einigen Jahren, immer in der letzten Schulwoche. Es geht darum, die eigene Schule zu verteidigen und etwa Schmähplakate an anderen Gymnasien aufzuhängen. Auch Wasserschlachten gehören dazu. 2016 flogen Eier auf Schulgebäude.

In diesem Jahr soll alles anders werden ­– und Schluss sein mit dem Krieg. Drei Schüler des Humboldt-Gymnasiums haben mit uns gesprochen. Lester (18), Efe (19) und Emma (17) gehen in die 12. Klasse und stehen kurz vor dem Abitur, sie sind Stufensprecher und gehören zum "Motto-Komitee", das die Woche vom 3. bis 7. April plant. Danach geht es in die Abi-Prüfungen. "Letztes Jahr ist es vor allem deshalb eskaliert, weil Leute dazugekommen sind, die gar nichts mit unserer Schule oder einem anderen Gymnasium zu tun hatten", sagt Efe. "Wir haben nun beschlossen, dass wir eine kreative und friedliche Motto-Woche machen, aber es wird keine abendlichen Aktivitäten geben."

In den vergangenen Jahren trafen sich die Schüler abends an der Schule, um sie zu verteidigen. "Wenn wir in diesem Jahr nicht davor stehen, wird es also auch zu keiner Auseinandersetzung kommen", sagt Emma. Einer der Schwerverletzten aus dem vergangenen Jahr hat eine Sprachnachricht an seine ehemaligen Mitschüler des Humboldt-Gymnasiums geschickt, die in großer Runde vorgespielt wurde. Er leidet noch heute unter den Folgen des Angriffs von damals und ruft seine Nachfolgerklassen zu einer gewaltfreien Motto-Woche auf. "Wir stehen auch mit den anderen Gymnasien in der Innenstadt im Gespräch", sagt Lester. "Alle sind sich einig. Es soll keine Wasserschlachten am Abend oder ähnliches geben." Dass alles so ausgeartet sei, habe auch viel Wut verursacht. "Die Motto-Woche und der traditionelle Abi-Gag am Ende sind ja eigentlich etwas Schönes."

"Selbst die Sanften wollen mal etwas erleben"

Harald Junge leitet das Humboldt-Gymnasium. Auch er hat die Eskalation im vergangenen Jahr noch deutlich vor Augen. "Ich habe den Eindruck, dass viele Schüler die Gefahr nicht einschätzen können – manche glauben es erst, wenn sie einen Stein an den Kopf kriegen", sagt er. Viele Schüler seien das ganze Jahr über vernünftig, "aber selbst die Sanften wollen dann auch mal was erleben". In der Masse entstehe eine ganz eigene Dynamik, "viele unterschätzen dabei das Risiko."

Der Schulleiter will das Gelände in diesem Jahr geschlossen halten. "Es gibt für die Schüler keinen Grund, ihre Schule zu verteidigen." Im vergangenen Jahr hatte der Hausmeister, der an der Schule wohnt, das Tor geöffnet, um die Schüler reinzulassen, als es auf der Wiese vor dem Gebäude eskalierte. Bei einer Veranstaltung mit der Polizei werden Eltern und Schüler im März im Humboldt-Gymnasium über Gefahren und Konsequenzen informiert. "Wir wollen natürlich aber auch nicht, dass die Schüler ängstlich ins Abi gehen", sagt Junge. Die Prüfungen stehen immer erst nach der Motto-Woche an. Seitens der Kölner Bezirksregierung heißt es: "Wir haben das Thema natürlich auf dem Radar." Es würden bereits Gespräche mit der Polizei geführt, wie sich eine erneute Eskalation verhindern lasse. Konkrete Ansätze soll es in spätestens drei Wochen geben.

"Kölsch Kraat Kommando"

Am Humboldt-Gymnasium wurde vor einigen Jahren der Name "Kölsch Kraat Kommando" für den jeweiligen Abiturjahrgang eingeführt. Die Gruppe veröffentlichte Videos, die auf den ersten Blick recht martialisch wirkten. Die Schüler zeigten sich vermummt mit Sturmmasken, das "KKK" hatte unter vielen anderen Gymnasiasten einen zweifelhaften Ruf, auch wenn die Videos ironisch gemeint waren, Gurken und Bananen statt Eisenstangen oder Baseballschlägern in den Filmchen präsentiert wurden. 2013 soll das "KKK" aber dafür verantwortlich gewesen sein, dass der Schulkrieg erstmals so richtig eskalierte und es am Ende Schäden in Höhe von 40.000 Euro gab.

Das Kölsch Kraat Kommando gibt es nicht mehr. "Das war wirklich hauptsächlich Satire", sagt Lester. 2015 gab die Gruppe auf Facebook bekannt, keine Aktivitäten in der Motto-Woche mehr zu starten. "Wir haben für unsere Stufe überlegt, wie wir einen Wettstreit mit anderen Schulen auf kreativer Ebene ausfechten könnten", sagt Emma. "Der Abi-Krieg ist Vergangenheit."

 
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