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Köln
Der Beatboxer in der Zirkusmanege

Köln. Der Hannoveraner Robert Wicke gehört beim Roncalli-Heimspiel auf dem Neumarkt zu den Publikumslieblingen. Der Zirkus von Bernhard Paul ist mit seinem starken Jubiläumsprogramm noch bis zum 22. Mai in Köln. Von Stephan Eppinger

Es ist ein bezaubernder Abschied, wenn Robert Wicke im großen Roncalli-Zirkuszelt auf dem Neumarkt mit dem Brahms-Wiegenlied "Guten Abend, gute Nacht" die 1500 Zuschauer in einen großen Chor verwandelt und Clown Anatoli Akerman mit Zipfelmütze und Kuschelkissen sich zur Ruhe begibt. "Ich habe das Lied abends meiner Tochter vorgesungen, aber sie wollte nicht einschlafen", erinnert sich der Hannoveraner. "Da habe ich einfach ein paar Beats dazugegeben, und wir beide hatten viel Spaß dabei. Mit dem Einschlafen hat es dann doch noch geklappt."

Beim Roncalli-Heimspiel auf dem Kölner Neumarkt gehört Wicke derzeit zu den Publikumslieblingen, wenn er auf humorvolle wie poesievolle Art und Weise Beatboxing mit Jonglage verbindet. Angefangen hat er als 15-Jähriger auf der Straße mit zwei Freunden. "Zunächst waren wir die ersten drei Jahre gemeinsam unterwegs. Dann kamen sieben weitere Jahre, in denen ich alleine durch Europa, Asien und Australien gezogen bin."

Später wird der Straßenkünstler in seiner Heimatstadt vom Georgspalast entdeckt und engagiert. "Dort sind früher schon Zarah Leander und Heinz Erhardt aufgetreten. In den 90er Jahren gab es dann die Wiedereröffnung." Dort wird auch zunächst das Düsseldorfer Apollo-Varieté auf den ungewöhnlichen Künstler aufmerksam, und schließlich führt sein Weg in die große Manege.

"Ich habe mich sehr gefreut. Ich war schon als Jugendlicher zu Gast bei Roncalli, und diese Besuche gehören zu den Gründen, weshalb ich das, was ich heute mache, für mich gewählt habe." Zum Beatboxing kommt Wicke durch die vielen Länder, durch die er als Straßenkünstler zieht. "Ich habe eine Sprache gesucht, mit der ich mich überall verständigen kann. Gerade in Japan gibt es viele Orte, in denen man mit Englisch nicht weiter kommt."

Das Beatboxing sei nicht besonders schwer: "Das kann eigentlich jeder lernen. Es funktioniert wie Pfeifen. Nur wenn man dann einen Schritt weitergehen will, muss man sehr viel Arbeit und Zeit fürs Üben investieren", sagt Wicke.

Ein Problem, sich in die Manege zu begeben, hatte Wicke nie: "Ich habe schon auf der Straße immer darauf geachtet, dass die Menschen einen Kreis um mich bilden, und habe gewartet, bis sich so 50 bis 100 Zuschauer um mich versammelt haben." Im Zelt sei es nur noch geballter als auf der Straße. "Da gibt es keine Ablenkung." Das sei noch interessanter.

Wichtig ist ihm die Interaktion mit dem Publikum. "Wenn ich Leute in die Manege hole, achte ich immer darauf, dass diese auch ihren Spaß haben. Ich will niemanden vorführen. Aber man weiß nie, was auf einen zukommt. Diese Nummer läuft jeden Abend anders", sagt Wicke.

Gerne ist er mit den Zirkuskollegen unterwegs. "Das Umherziehen kenne ich von meiner Zeit als Straßenkünstler." Bei Roncalli gebe es eine tolle Gemeinschaft. "Anfangs hatte ich vor so einer homogenen Gruppe etwas Bammel. Das hat sich aber sehr schnell gelegt." Vor den Auftritten teilt er sich am Neumarkt den Wagen mit den Clowns Anatoli Akerman und Aime Morales. "Mit den beiden habe ich viel Spaß."

Sein Tagesablauf ist etwas anders als normal: "Meine Zeit für mich fängt nach dem letzten Auftritt kurz vor Mitternacht an. Danach bin ich meist bis 3 oder 4 Uhr wach, höre Musik oder arbeite an neuen Ideen." Der neue Tag beginnt für Wicke in der Regel gegen 11 oder 12 Uhr mittags. "Dann geht es zum Duschen und zum Frühstücken. Um 15.30 Uhr startet schon die Nachmittagsshow."

Quelle: RP
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