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Brauchtum
Der Schrein des heiligen Heribert

Köln. Die Deutzer Kirche bewahrt einen Schatz des Mittelalters. Der Kunsthistoriker Martin Seidler hat sich intensiv mit dem Kunstwerk auseinandergesetzt.

St. Heribert ist eine der größten Kirchen Kölns und Pfarrkirche für etwa 5500 Deutzer Katholiken. Am rechtsrheinischen Ufer an der Deutzer Freiheit gelegen, ist sie quasi ein Pedant zum mächtigen Kölner Dom auf der anderen Rheinseite. Daher wird die Kirche im Volksmund auch "Düxer Dom" genannt. In den Jahren 1891 bis 1896 wurde sie nach Plänen des Architekten Caspar C. Pickel im neuromanischen Stil errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist sie wieder aufgebaut worden - mit dem Ziel, einen modernen Ansprüchen genügenden Kirchenraum zu formen. 1986 bis 1989 wurde sie renoviert.

Von der alten Pfarrkirche St. Urban, die seit 1784 nicht mehr als Pfarrkirche genutzt wurde, ist der gotische Taufstein erhalten geblieben. Aus der Kloster- und späteren Pfarrkirche Alt-St. Heribert stammen der Heribert-Schrein, barocke Heiligenfiguren und weitere Kostbarkeiten, die zum Teil der Überlieferung nach dem heiligen Heribert gehörten. Der Schrein des heiligen Heribert ist eines der Hauptwerke der spätromanischen Goldschmiedekunst an Rhein und Maas, der um 1175 vollendet wurde.

Heribert lebte von etwa 970 bis 1021 n. Chr. Er war Kanzler des Kaisers Otto III. und wurde 999 n. Chr. zum Erzbischof von Köln ernannt. Er war am Aufbau mehrerer großer Kirchen in Köln beteiligt und Begründer der Benediktinerabtei Deutz, wo er auch seine Grabstätte bekam. 1147 wurden seine Gebeine in dem kostbaren Schrein beigesetzt, der heute in der Pfarrkirche hinter dem Hochaltar seinen Platz gefunden hat.

Intensiv mit diesem auseinandergesetzt hat sich der Kunsthistoriker Martin Siedler, der den Kirchenschatz als Gegenstand seiner Dissertation gewählt hat, im vergangenen Jahr jedoch verstorben ist. Nachdem der Holzkern des Schreins marode war, wurde er 1989 komplett auseinandergebaut und restauriert. Siedler nutzte diese Arbeiten zu einer umfassenden Bestandsanalyse und erkannte unter anderem, dass der Schrein in drei Phasen gebaut wurde. "Es war die erste komplette Bestandsaufnahme eines so wichtigen mittelalterlichen Schreins", sagt Erzdiözesanbaumeister Martin Struck.

Die Dissertation zum Heribert-Schrein geriet lange in Vergessenheit, auch weil deren Verfasser viele andere Dinge in seinem Berufsleben angehen und umsetzen musste. 25 Jahre war er in der kirchlichen Denkmalpflege aktiv. Es lag ihm am Herzen, dass die wichtigen Kunstwerke dezentral auf die Kirchen der Stadt Köln verteilt werden. Unter ihm wurden in St. Heribert beispielsweise die Apsis-Fenster saniert und mit einem Bild der Apokalypse versehen. Dazu wurden im vergangenen Jahr zwei Fenster des Doms im Turmbereich der Deutzer Kirche eingebaut.

Stephan Eppinger

Quelle: RP
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