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Köln
Die "Radio Zeit" vor 120 Jahren eingeläutet

Köln. Aus diesem Anlass zeigt das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) ab heute die gleichnamige Schau mit rund 200 Exponaten. Von Susanne Schramm

1952 sorgte Marilyn Monroe für einen Sex-Skandal. Im damals noch sehr prüden Amerika wurde ein Foto von ihr veröffentlicht, das sie nackt auf rotem Samt zeigte. "Hatten Sie wirklich gar nichts an?", ereiferten sich die Journalisten. "Doch", antwortete Monroe, "ich hatte das Radio an!" Wer weiß, dass Fotograf Tom Kelley das anrüchige Ganzkörperporträt bereits drei Jahre zuvor, also 1949, anfertigte, kann sich ab heute im Museum für Angewandte Kunst (MAKK) Gedanken darüber machen, welches Rundfunkempfangsgerät wohl damals zur Ehrenrettung der Jungschauspielerin beitrug.

Denn unter den rund 200 Exponaten, die das Haus in seiner neuen Sonderausstellung zeigt, sind auch solche Modelle wie das "Transitone 49503 Flying Wedge", das "8 K 591" oder das "602 A", die Ende der 1940er in Amerika von Firmen wie Philco, RCA-Victor oder der Emerson Radio und Phonograph Corp. hergestellt wurden. Vorausgesetzt, die appetitliche Blondine oder ihr Fotograf nannten eines dieser damals brandneuen Teile ihr Eigen, deren Gehäuse aus gepresstem Phenolharz oder Kunststoff bestanden. Die "Radio Zeit" wurde schon viel früher eingeläutet. 1896, das ist 2016 genau 120 Jahre her. Aus diesem Anlass hat dass MAKK die gleichnamige Schau ersonnen. "RADIO Zeit" läuft bis Sonntag, 5. Juni. Zu sehen gibt es ein "Best of" der mehr als 230 Radios und Kombinationsanlagen, die das Museum in seinem Fundus beherbergt. Ergänzt wird das durch 50 Leihgaben.

In zwei Teilen werden Röhrengeräte, Design-Ikonen und Internetradios präsentiert. Zeitlich reicht der Bogen vom Ende der 1920er-Jahre bis zur heutigen Zeit. Dafür, dass die Geräte aus der Radio-Pionierzeit "unterschlagen" werden, gibt es einen guten Grund. Das MAKK ist ein Museum für Kunst und Design - und Letzteres spielte zu Anfang der Entwicklung noch keine besondere Rolle. Damals lag das Hauptaugenmerk auf der Technik, und nicht auf der Form. Der erste Teil deckt chronologisch die Zeit bis 1950 ab, hier also könnte man auf Suche nach Marilyns "Ohrenzeugen" durchaus fündig werden. Ermöglicht hat diesen Teil insbesondere die Stiftung von Prof. Dr. Richard G. Winkler, dessen Schwerpunkt auf US-amerikanischen Radiogeräten 1920-1950 lag, und der damit 190 Geräte aus dem "Goldenen Zeitalter" des Radiodesigns beisteuerte. Darunter solche Hingucker wie das lippenstiftrote "5 A 410 A Cooler Radio" mit weißem Coca-Cola-Schriftzug, das nicht nur Sendungen übertrug, sondern auch für eiskalte Getränke sorgte. Aber auch ein Volksempfänger samt Wohnzimmer-Interieur von 1927/28 darf nicht fehlen.

Im zweiten Teil der Schau (1950 bis heute) entdeckt man Weltempfänger von Braun, Kombigeräte von Blaupunkt oder Stylishes von Bang & Olufsen. Neben Katalogen, Fotos und Plakaten vermitteln elf Hörstationen das Thema auch akustisch. 49 zeittypische Beispiele aus Politik, Geschichte und Sport, Werbe-Jingles, Reportagen und Hörspiele machen das zu einem sehr sinnlichen Erlebnis. Wobei auch der Bereich Musik nicht ausgeklammert wird. Schöner Kreisschluss: 2011 hatte das schwedische Pop-Duo Roxette einen Hit: "She's got nothing on (but the radio)". Sie hatte nichts an, nur das Radio.

"Radio Zeit" bis Sonntag, 5. Juni, Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), An der Rechtsschule (Nähe Hohe Straße), Tel. 0221 22126714. Alle weiteren Informationen unter www.museenkoeln.de

Quelle: RP
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