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Autor Dogan Akhanli ist zurück in Köln
"Die Szenen am Flughafen waren noch einmal ein Rückschlag"

Deutschtürkischer Schriftsteller Akhanli bei Rückkehr in Düsseldorf bedroht
Dogan Akhanli ist zurück in seiner Wahlheimat Köln. Oberbürgermeisterin Henriette Reker begrüßte den Schriftsteller im Historischen Rathaus. Dort sprach er auch über den Vorfall bei seiner Ankunft am Düsseldorfer Flughafen. Ein Mann hatte ihn als "Landesverräter" beschimpft. Von Claudia Hauser, Köln

Dogan Akhanli lacht, als er am Freitagmittag in den Muschelsaal des Historischen Rathauses in Köln kommt. Dutzende Kameras sind auf den Schriftsteller gerichtet, Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagt: "Es ist schön, dass Sie wieder zu Hause sind." Alle klatschen. 

Zwei Monate nach seiner Festnahme in Spanien ist Akhanli nun wieder in Köln, wo er seit 1992 lebt. Der 60-Jährige war am 19. August wegen eines über Interpol weitergeleiteten türkischen Haftbefehls in Spanien festgenommen worden, wo er im Urlaub war. Er kam zwar kurz darauf frei, durfte das Land aber nicht verlassen. Am vergangenen Freitag fiel dann die Entscheidung der Regierung in Madrid, Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern. Akhanli konnte nach Deutschland zurückfliegen.

Als "Landesverräter" beschimpft

Der Autor kommt gleich auf Donnerstagabend zu sprechen, als er nach seiner Landung am Düsseldorfer Flughafen von einem Mann auf Türkisch als "Landesverräter" beschimpft worden war. "Dieses Land wird dich nicht schützen können", habe der Fremde gesagt, sagt Akhanli. Gemeint war Deutschland.

Dogan Akhanli (rechts) wird in Düsseldorf auf dem Flughafen von seinem Anwalt Illias Uyar festgehalten, nachdem er auf Türkisch beschimpft worden war. FOTO: dpa, obe kno

"Die Szenen am Flughafen waren noch einmal ein Rückschlag", sagt der Schriftsteller. Er selbst habe darauf sehr emotional reagiert, sein Anwalt Ilias Uyar hatte ihn davon abgehalten, auf den Mann zuzugehen. Am Freitagmorgen waren Uyar und Akhanli bei der Kölner Polizei, um über die Sicherheitslage zu beraten. "Dogan Akhanli gilt jetzt als gefährdete Person", sagt Anwalt Uyar. Sein Mandant stehe nun unter Personenschutz. Doch auch wenn seine Freiheit dadurch erneut eingeschränkt ist, sagt der Autor: "Es ist ein sehr schönes Gefühl, wieder hier zu sein. Solidarität und Widerstand haben gewonnen." 

"Alle Bürger in der Türkei sind gefährdet"

Die Türkei sei ein unberechenbares Land geworden. "Alle Bürger sind dort gefährdet." Er sei sich sicher, dass der Mann am Flughafen nicht zufällig dort gewesen sei. "Das war ein geübter Mensch, der Unsicherheit stiften wollte." Es freue ihn, dass in Deutschland so viel über seinen Fall berichtet werde: "Das Wort siegt", sagt Akhanli. Sein Anwalt sagt: "In der Türkei gibt es keine unabhängige Justiz - alle gucken Richtung Präsidentenpalast." Es gehe der Regierung nicht um Strafverfolgung, sondern um die Verfolgung von Menschen, die der Türkei nicht angenehm sind. 

"Die Türkei hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien ein Auslieferungsgesuch gestellt", sagt Uyar. Er werde sich nun mit Interpol auseinandersetzen, damit der Haftbefehl zurückgenommen werde. Die Türkei wirft dem Schriftsteller unter anderem vor, in einen bewaffneten Raubüberfall verwickelt gewesen zu sein. Akhanli weist den Vorwurf zurück und ist davon überzeugt, dass allein seine kritischen Äußerungen über die türkische Politik hinter seiner Festnahme stehen. 

"Europa hat gegen die Türkei keine richtige Politik geführt", sagt Akhanli. Man müsse eine Antwort auf die Frage finden, ob die Türkei ein Teil von Europa sein könne. Von Reisen in sein Herkunftsland rät  Akhanli ab. "Früher war der deutsche Ausweis ein Schutz in der Türkei. Jetzt ist es umgekehrt: Deutscher zu sein ist dort gefährlich." 

Akhanli, der 1957 in der Türkei geboren wurde, hat in den vergangenen Wochen in Spanien ein Buch über seine Festnahme geschrieben (Titel: "Verhaftung in Granada oder Treibt die Türkei in die Diktatur?"). Es erscheint im Februar. "Die Festnahme hat mich dazu gezwungen", sagt  Akhanli. "Ich wusste: Jetzt kann ich vor meiner eigenen Geschichte nicht mehr weglaufen." Er bezeichnet das Buch als "eine Abrechnung mit der Türkei". 

 
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