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Köln
Durch Zeiten reisen und die Tage verträumen

Köln: Durch Zeiten reisen und die Tage verträumen
FOTO: Eddi Meier
Köln. Romantischer Reiseführer: Das Buch "Geheimnisvolles Köln" stellt 17 versteckte Orte und mystische Plätze zum Verweilen in der Domstadt vor.  Von Susanne Schramm

Wenn man an windigen, kühlen Tagen auf der Brücke steht, die über den See im Mediapark führt, könnte man glauben, am Meer zu sein. Dafür muss man bloß die Augen schließen und einen tiefen Zug der frischen Brise einatmen, während die Schreie der Möwen, die es von den Poller Wiesen auf Futtersuche in die City verschlagen hat, die Illusion perfekt machen.

Der 1987 begonnene und 2004 fertig gestellte Gewerbepark im Norden der Domstadt ist der Endpunkt eines Spaziergangs, der auf dem "Mont Klamott", dem Herkulesberg, beginnt. Liebevoll von Gerti Keller und Michael Fehrenschild beschrieben und von Fotograf Eddi Meier kunstreich bebildert, wird er in "Geheimnisvolles Köln" vorgestellt. Der romantische Reiseführer, der jetzt im Traditionsverlag J. P. Bachem erschienen ist, lädt dazu ein, versteckte Orte und mystische Plätze abseits ausgetretener Pfade zu entdecken. Insgesamt haben die beiden Autoren 17 dieser verwunschenen Gegenden ausgewählt. Hier kann man durch Zeiten reisen, die Tage verträumen oder die Schönheit der Stille inmitten der sonst so betriebsamen Metropole genießen. Es sind Orte und Plätze, an denen man gerne verweilt, wobei aber schon der Weg das Ziel ist.

Denn während dieser 17 Spaziergänge gibt es überall etwas zu bewundern, das man ohne die kundige "Reiseleitung" vielleicht allzu schnell übersehen hätte. So führt die Rundroute vom Rathausplatz in der Altstadt und wieder zurück vorbei an den "toten Augen von Köln", die aus den steinernen Köpfen von Dämonenfratzen, Koboldsgestalten und Teufelswesen auf den Betrachter herabstarren. Doch um die Bekanntschaft dieser mitunter recht gruseligen Gesellen zu machen, muss man den Blick nach oben heben, sich auf dir Rückseite von Gebäuden begeben oder um die ein oder andere Ecke lugen. Unter der Hohenzollerbrücke beginnt der Weg in eine versunkene Welt - das jüdische Köln -, vom Melatenfriedhof aus begleiten wir Katharina Henot, "die Hexe von Köln", bei ihrem letzten Gang, und im noblen Viertel Marienburg erwarten uns nicht nur Gründerzeitvillen, hochherrschaftliche Anwesen und pittoreske Stadtpaläste, sondern auch ein schwarzer Panther. Der, in Gestalt einer Bronzeskulptur, seit fast 100 Jahren im Südpark auf Beute lauert.

In Weidenpesch verbirgt sich eine Arbeitersiedlung, deren Häuschen so aussehen, als habe man sie beim Aufblättern eines Märchenbuchs entdeckt, am Rheinufer wird die Erinnerung an jenen weißen Wal wach, der am 11. Juni 1966 Köln einen Besuch abstattete, und Fort X im Agnesviertel hütet einen duftenden Garten, in dem über 2500 Rosen blühen. In Stammheim lernt man den längst verblichenen Herrn eines im Oktober 1944 ausgebrannten Schlosses kennen, in Niehl locken feinste Sandstrände, und in St. Maria in der Kupfergasse werden der Schwarzen Muttergottes noch heute jede Woche 5000 Kerzen geopfert. "Geheimnisvolles Köln" begibt sich auf Pilgerwege, an "ewige Orte", wo Gräber Geschichten erzählen, unter den Fußboden des Doms oder in die Kanalisation. Dass man mit einem Leverkusener durchaus darüber streiten könnte, ob der Carl-Duisberg-Park tatsächlich noch zu Köln gehört, tut der Begeisterung über dieses Buch da keinen Abbruch.

Gerti Keller und Michael Fehrenschild: Geheimnisvolles Köln. Versteckte Orte und mystische Plätze entdecken. Mit Fotografien von Eddi Meier. J. P. Bachem Verlag, 166 S., 14,95 Euro.

Quelle: RP
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