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Köln
Ein U-Bahnhof als Atombunker

Köln. An der Station "Kalk Post" öffnet die Zivilschutzanlage aus dem Kalten Krieg erstmals ihre Pforten für Besucher. Insgesamt sollten dort 2366 Menschen Schutz finden. Der Bunker soll in Zukunft regelmäßig zugänglich sein. Von Stephan Eppinger

Es ist eine unscheinbare Tür, hinter der sich auf der Zwischenebene der U-Bahnstation "Kalk Post" die einzige Zivilschutzanlage aus der Zeit des Kalten Krieges verbirgt. Sie wurde 1979 zusammen mit dem U-Bahnhof fertiggestellt. Sie sollte bei einem Angriff mit atomaren, chemischen und biologischen Waffen 2366 Menschen schützen. "Die Anlage war aber nicht für die Anwohner in Kalk, sondern am Verkehrsknotenpunkt für Durchreisende gedacht", sagt Robert Schwienbacher vom Institut für Festungsarchitektur, das das Objekt jüngst von der Stadt gemietet hat, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Zu sehen ist der Atombunker erstmals morgen am Tag des Denkmals. Danach wird die Anlage immer am ersten Sonntag des Monats um 16 Uhr bei einer Führung ihre Pforten öffnen. "Wir haben insgesamt 700 Arbeitsstunden investiert, um alles wieder vorzeigbar zu machen." Zu besichtigen sind unter anderem die Rettungsräume, wo auch ambulante OPs möglich waren. Am anderen Ende der Anlage findet sich die Krankenstation, wo noch die vierstöckigen Betten aufgebaut sind.

"Genutzt wurde der komplette U-Bahnhof inklusive Bahnsteige und der Zwischenebene. Auch sechs U-Bahnen sollten auf den Gleisen als Unterkunft abgestellt werden." Abgeriegelt von der Außenwelt wurde alles mit 40 Zentimeter dicken Spezialstahltoren an den drei Zugängen und am Tunnel der U-Bahn. In der Anlage gibt es Belüftungsanlagen mit Aktivkohlefiltern sowie eine große Filteranlage für Wasser, zu der auch zwei große Zisternen und ein Tiefbrunnen gehören. Bevorratet wurde flüssiges Chlor zum Reinigen des Wassers. "Geplant waren für jeden Menschen zweieinhalb Liter pro Tag und das für 14 Tage", sagt Schwienbacher. Vor Ort gab es auch eine Küche mit Lebensmittellager und -ausgabe sowie einfache Sanitäranlagen. Hier war eine Toilette für 50 Menschen vorgesehen.

Zu den Herausforderungen gehört es, den Bunker betriebsfertig zu machen. "Dies hätte 14 Tage gedauert. Man musste beispielsweise erst Wasser, Lebensmittel und andere Vorräte einlagern. Man ging erst vom Spannungsfall aus, der Zeit gelassen hätte, bis ein Atomschlag kommt." Versorgt wurde die Anlage durch einen Dieselgenerator mit eigenem Strom. Schwierig war auch das Verschließen des U-Bahntunnels wegen der stromführenden Oberleitung der Bahn. "Dieser hätte von einer Leitzentrale der KVB abgestellt werden müssen. Dort lagen die Schlüssel, mit denen man die Tore hydraulisch bewegen konnte."

Eine Frage ist auch, was nach den vorgesehenen 14 Tagen passiert wäre. "Man ging davon aus, dass man die Menschen mit Bussen abtransportiert. Aber woher hätten Busse nach einem Atomschlag kommen sollen und wohin sollten sie fahren", fragt sich Schwienbacher. Nicht gerade einfach war auch die eigentliche Inbetriebnahme, für die ein Spezialteam zuständig war. "Die Betriebsanleitung füllt etwa anderthalb Regalmeter." Dazu kommt der Zugang zum Bunker. "Was passiert, wenn 10 000 Menschen davor stehen, aber nur knapp 2400 Platz in der Anlage finden. Es gab dafür eine Personenvereinzelungsanlage, eine Art Schleuse."

Insgesamt waren in Köln mehrere Anlagen zum ABC-Schutz geplant. Komplett fertiggestellt wurde aber nur die in Kalk. Bei der Anlage am Rudolfplatz fehlt die technische Ausrüstung, an der Christophstraße wurde aus einen Doppelatombunker eine große Tiefgarage. Eine weitere Anlage war auch am Neumarkt geplant. Insgesamt sollten zehn Bunker im öffentlichen Raum zur Verfügung stehen, die aber zum Großteil nicht realisiert wurden.

Quelle: RP
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